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Das Geistliche Wort | 12.03.2017 | 08:40 Uhr

Gipfeltreffen

Guten Morgen!

Gipfeltreffen sind aus dem politischen Alltag nicht wegzudenken: Spitzenpolitiker treffen sich, um gemeinsam um Lösungen zu ringen, um sich auszutauschen und – um hoffentlich gestärkt auseinanderzugehen.

Wer am heutigen zweiten Fastensonntag einen katholischen Gottesdienst besucht, der hört das Evangelium von der Verklärung Jesu. Auch da geht es um ein spektakuläres Gipfeltreffen, das Gipfeltreffen von Jesus, Mose und Elija, das zudem auch noch tatsächlich auf einem Berg stattfindet.

Bei Matthäus heißt es (Mt 17,1-9):

Sprecher:

„In jener Zeit nahm Jesus Petrus, Jakobus und dessen Bruder Johannes beiseite und führte sie auf einen hohen Berg.

Und er wurde vor ihren Augen verwandelt; sein Gesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden blendend weiß wie das Licht.

Da erschienen plötzlich vor ihren Augen Mose und Elija und redeten mit Jesus.

Und Petrus sagte zu ihm:

Herr, es ist gut, dass wir hier sind. Wenn du willst, werde ich hier drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elija.

Noch während er redete, warf eine leuchtende Wolke ihren Schatten auf sie, und aus der Wolke rief eine Stimme:

Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe; auf ihn sollt ihr hören. Als die Jünger das hörten, bekamen sie große Angst und warfen sich mit dem Gesicht zu Boden.

Da trat Jesus zu ihnen, fasste sie an und sagte: Steht auf, habt keine Angst!

Und als sie aufblickten, sahen sie nur noch Jesus.

Während sie den Berg hinabstiegen, gebot ihnen Jesus: Erzählt niemand von dem, was ihr gesehen habt, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden ist.“

Musik I [Bach: Präludium und Fuge in Es-Dur BWV 552]

Die Botschaft von der Verklärung Jesu ist ein echtes Gipfeltreffen. Dabei ist der Rahmen alles andere als erfreulich: Das Treffen erfolgt im Anschluss an Jesu erste Leidensankündigung. Er werde viel leiden müssen, von den Ältesten, den Hohen Priestern und Schriftgelehrten werde er verworfen, sie würden ihn töten. Das traf seine Jünger wie ein Keulenschlag: „Um Gotteswillen!“ Diese Reaktion des Petrus gibt nicht nur dessen Gemütsbewegung wieder.

Einfache Leute waren die Jünger gewesen. Nach ihrer Meinung hatte sie nie einer gefragt. Was wichtig war, regelten andere. Aber dann war er gekommen. Er, Jesus hatte ihr Leben verwandelt, wie sie sich das nicht einmal im Traum vorgestellt hatten. Nun hatte ihr Leben einen Sinn: Er, Jesus war der Sinn ihres Lebens. Sie lernten durch ihn alle Dinge anders zu sehen: Worauf es im Leben wirklich ankommt. Das war ein neues Leben, das sie da führten, ein glückliches Leben.

Immerhin: Sie waren Zeugen seiner Machttaten. Sie spürten die ungeheure Wirkung, die er auf die Menschen hatte. Und sie, ja sie waren seine Jünger!

Aber wieso war das gerade ihnen zuteil geworden? Es gab doch so viele intelligentere, einflussreichere, gescheitere Menschen. Nein – sie waren seine Jünger geworden, einfache Fischerleute, Zollbeamte, Menschen wie Sie und ich. Wenn sie darüber sprachen, lächelte er bloß, spielte mit einem Kind. War das ernst zu nehmen? Ernst zu nehmen war vielmehr nun das: Leiden, gekreuzigt werden – Um Gottes willen! Wenn das so endet, dann endet auch ihr neuer Lebensentwurf. Mehr noch: Dann bedeutet es nichts, wenn sie noch am Leben sind. Dann wird ihr Leben wieder zurücksinken in das kleine Mittelmass, in dem sie zuvor gelebt hatten, ehe er kam.

Und noch radikaler gefragt: Was sollen sie von einem Gott halten, der das geschehen lässt? Das verstört sie so sehr, dass sie das Ende seiner Leidensankündigung gar nicht mehr aufnehmen: Er werde am dritten Tag auferstehen.

Musik II [J.S. Bach - Matthäuspassion „Sehet, Jesus hat die Hand“, nur 30‘‘ Instrumental]

Petrus war von Jesus schroff abgewiesen worden, als er die Leidensankündigung zurückwies: Das sollte, das durfte nicht geschehen! Jesus machte ihm aber darauf in aller Deutlichkeit klar: Es gibt keinen anderen Weg. Leiden und Kreuz gehören dazu. Das ist nicht nur mein Weg, sondern auch euer Weg, wenn ihr bei mir bleiben wollt. Euer Weg in meiner Nachfolge ist ohne das Kreuz nicht zu gehen.

Für alle Jünger Jesu war das eine herbe Ernüchterung. Tage war das nun schon her. Jetzt nimmt Jesus Petrus, Johannes und Jakobus mit sich auf den Berg, um zu beten. Ich verstehe das nicht als ein chronologisches Verlaufsprotokoll. Jeder Satz hat vielmehr seinen tieferen Sinn. Jesus geht mit seinen drei Jüngern auf den Berg, nicht um nachzudenken, nicht um zu diskutieren, sondern um zu beten. Die Antwort auf die existentiellen Fragen kann nur von Gott her kommen, nicht im Grübeln, nur im Beten. Und als sie beten, wird ihnen klar, dass dieser Jesus nicht irgendein frommer Prediger ist, sondern er von Gott bestätigt wird, als geliebter Sohn: „Das ist mein geliebter Sohn, auf ihn sollt ihr hören.“Wenn das stimmt, das Jesus der von Gott geliebte Sohn ist, was können ihnen dann noch alle Leidensangst, und alle Todesangst anhaben? Er, Jesus, ist wie eine helle Sonne, die den Berg in ein einziges Licht taucht. Das ist – kurz gesagt – Verklärung.

Oben auf dem Berg klingt zum ersten Mal das Thema im Zusammenhang an: Leiden und Verklärung, Passion und Auferstehung. Aber das Wort von der Auferstehung verstehen die Jünger noch nicht.

Musik III [J.S. Bach - Matthäuspassion „Mache dich, mein Herze, rein“, nur 30‘‘ Instrumental]

Als Petrus, Jakobus und Johannes mit Jesus den Berg hinabsteigen, sind sie keine Fatalisten, die mit zusammengebissenen Zähnen einem schlimmen Schicksal entgegengehen.

Der Gedanke des Kreuzes in ihrem Leben, braucht Zeit zum Wachsen – wie in jedem menschlichen Leben. Es braucht Zeit, unabänderliche Dinge, Schicksalsschläge anzunehmen. Ich selbst sehe da aber auch eine Verbindung: Jesu Kreuz und Leiden und mein Leben haben miteinander zu tun. Jeder Mensch ist auf dem Kreuzweg, beladen mit seinem Kreuz, beladen mit allem, was mich bedrückt, beladen mit allen Ungereimtheiten meines Lebens und mit allem, was mir misslingt, was ich nicht verstehe, was über meine Kräfte geht. Allerdings bin ich auf meinem Kreuzweg nicht allein. Ich kann mein menschliches Kreuz unter das Kreuz Jesu stellen als Zuflucht, weil er um mein Kreuz und Leiden weiß. Seine Erfahrung ist meine Erfahrung und meine Erfahrung ist seine Erfahrung. Und manchmal ahne ich, dass mein eigenes Kreuz eigentlich das Kreuz Jesu ist.

Musik IV [J.S. Bach - Matthäuspassion „Komm süßes Kreuz“, 1‘ Cello und Orgelpositiv]

Die Erfahrung meines Kreuzes und Scheiterns kann mich verbinden mit Jesus und seinem Kreuz und Scheitern. Aber es sind auch andere Erfahrungen, die mich mit Jesus verbinden können – nur sind die mir nicht so häufig bewusst. Das ging wohl auch den Jüngern auf dem Berg der Verklärung so. Petrus, Jakobus und Johannes erleben, dass Jesus sein Aussehen verändert. Er spricht mit Mose und Elija über sein Ende in Jerusalem. Mose und Elija sind für die Juden die beiden größten Propheten. Eine Wolke kommt und hüllt sie ein. Sie hören Gott sagen, dass Jesus sein Sohn ist, auf den sie hören sollen. Eine überwältigende Erfahrung der Nähe Gottes, die die Jünger mit Angst erfüllt und sie sich auf den Boden werfen. Als die drei aufwachen, haben sich das Gesicht Jesu und sein Aussehen total verändert. Für die Jünger scheint er völlig geistesabwesend, weil er sich ganz auf Gott ausgerichtet hat. Die Jünger erfahren: Etwas ganz zu tun, das verändert: Ganz da sein, ganz lieben, ganz hören, ganz beten – das macht jemand anderen aus mir.

Erst nach Ostern haben die Jünger verstanden, was das zu bedeuten hatte: Jesus ist größer als Mose und Elija, weil sich in ihm alles erfüllt, was die Propheten angekündigt hatten. Jesus ist mehr als ein Prophet, er ist Gottes Sohn.

Die Jünger hatten auf dem Berg etwas ganz Wichtiges erfahren.

Gott ist da. Und sie hatten seine Nähe gespürt, die einen Menschen durchdringen kann, ihn verändern kann, ihn klar und hell macht – wie sie es an Jesus gesehen hatten. Diese Erfahrung ist wichtig und kann auch in den Dunkelheiten des eigenen Lebens tragen: Gott ist im Licht genauso da wie im absoluten Dunkel, im Tod.

Die Botschaft von der Verklärung Jesu ist eine Frohe Botschaft: Sie will Mut machen und sagen: Das Kreuz im eigenen Leben ist eine Wirklichkeit aber nicht die ganze Wirklichkeit. Vielleicht braucht es auch immer noch viel Zeit, um das zu verstehen? Keine Frage: Jesus muss mich noch oft mitnehmen auf den Berg, bis ich glauben kann, dass Gott immer da ist – ob es in mir hell ist oder dunkel.

Musik V [Bach: "Jesus bleibet meine Freude" BWV 147]

Einen gesegneten Sonntag wünscht Ihnen Pfarrer Bert Gruber aus Aachen.

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