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evangelisch

Choralandacht | 04.08.2018 | 07:50 Uhr

Gott gab uns Atem (eg 432)

Autorin: 1982. Es waren unruhige Zeiten in der damaligen Bundesrepublik Deutschland. Es herrschte kalter Krieg und die Menschen hatten Angst vor einer atomaren Auseinandersetzung zwischen West und Ost. Die NATO hatte Westeuropa und vor allem die Bundesrepublik dicht bestückt mit Raketen und Marschflugkörpern mit Atomsprengköpfen. Und auch die damalige Sowjetunion hatte dementsprechend aufgerüstet. Ein Wettrüsten, bei dem kein Ende in Sicht war. „Frieden“ war das beherrschende Thema des Jahres 1982, bis hin zum European Song Contest, als Nicole den ersten Platz belegte mit ihrem Lied „Ein bisschen Frieden“.

Rund 500.000 Menschen demonstrierten für Frieden und Abrüstung im Sommer in Bonn. Sie setzten ein Zeichen, weil gleichzeitig der NATO-Gipfel dort stattfand. Was steckte hinter diesem Engagement für den Frieden? Es war die Angst vor einem Krieg zwischen West und Ost, die Angst vor Zerstörung. Im Falle eines Atomkriegs die Zerstörung des eigenen Lebens, die Vernichtung des ganzen Lebensraums, womöglich die Zerstörung der Erde.

Auch in der Kirche wurde die Erhaltung der Schöpfung thematisiert. 1983 fand in Hannover der evangelische Kirchentag statt. Das Motto: „Umkehr zum Leben“. Im Vorfeld dazu schrieben Eckart Bücken und Fritz Baltruweit ein Lied, in dem es genau darum geht: Die Schöpfung.

Sprecherin: Gott gab uns Atem, damit wir leben, er gab uns Augen, dass wir uns sehn. Gott hat uns diese Erde gegeben, dass wir auf ihr die Zeit bestehn.

Choral: (1. Strophe):

Gott gab uns Atem, damit wir leben, er gab uns Augen, dass wir uns sehn.

Gott hat uns diese Erde gegeben, dass wir auf ihr die Zeit bestehn.

Gott hat uns diese Erde gegeben, dass wir auf ihr die Zeit bestehn.

Autorin: Gott gab uns Atem, damit wir leben. Ja, mit dem Atem fing alles an. Denn in der biblischen Schöpfungsgeschichte heißt es:

Sprecher: Da machte Gott, der Herr, den Menschen aus Staub von der Erde und blies ihm den Odem des Lebens in seine Nase. Und so war der Mensch ein lebendiges Wesen. (Gen 2,7)

Autorin: Gott hat den Menschen aus Staub von der Erde gemacht, wie Martin Luther es übersetzt – und ihm dann Atem in die Nase gepustet. Selbst wenn der Schöpfungsbericht nur eine gute Geschichte ist, so macht sie doch deutlich, dass der Atem das ist, was den Menschen zum Leben bringt. Ihm Leben einhaucht und ihn lebendig werden lässt. Ich stelle mir vor, dass Gott und der Mensch dabei gelacht haben. Der Mensch, als ihm Luft in die Nase gepustet wurde. Das kennen wir noch aus Kindertagen: es kitzelt und man muss niesen. Und Gott hat bestimmt mitgelacht, als er den niesenden Menschen gesehen hat.

Choral: (1. Strophe):

Gott gab uns Atem, damit wir leben, er gab uns Augen, dass wir uns sehn.

Gott hat uns diese Erde gegeben, dass wir auf ihr die Zeit bestehn.

Gott hat uns diese Erde gegeben, dass wir auf ihr die Zeit bestehn.

Autorin: Gott gab uns Augen, damit wir sehen. Ich vermute, damit sind nicht nur die Augen im Kopf gemeint. Es gibt ja leider viele Menschen ohne oder mit nur einem schwachen Augenlicht. Für mich heißt „sehen“ noch etwas anderes: nämlich dass der Mensch genau hinschauen soll, was um ihn herum geschieht. Wahrnehmen soll, wie es anderen Menschen geht, was mit ihnen los ist. Was sie beschäftigt und vielleicht auch belastet.

Und Gott gab uns Augen, damit wir auf die Erde sehen, auf die Schöpfung. „Gott hat uns diese Erde gegeben, dass wir auf ihr die Zeit bestehn“, heißt es in dem Lied. Es ist ein Aufruf, die Schöpfung Gottes zu bewahren, damit wir leben können. „Macht euch die Erde untertan“ steht im Alten Testament. Aber das heißt nicht, sie auszubeuten. Sondern verantwortungsvoll mit ihr umzugehen, auf die Erde zu achten, für die Erde zu sorgen, damit auch die nächsten Generationen noch auf ihr leben können.

Sprecherin: Gott gab uns Ohren, damit wir hören, er gab uns Worte, dass wir verstehn. Gott will nicht diese Erde zerstören, er schuf sie gut, er schuf sie schön.

Choral: (2. Strophe):

Gott gab uns Ohren, damit wir hören, er gab uns Worte, dass wir verstehn.

Gott will nicht diese Erde zerstören, er schuf sie gut, er schuf sie schön.

Gott will nicht diese Erde zerstören, er schuf sie gut, er schuf sie schön.

Autorin: „Ja, ich habe Dich verstanden“ – wie gut tut es, wenn das jemand sagt. Aber das ist gar nicht so einfach: Worte zu finden, das Richtige zur richtigen Zeit zu sagen und andere damit aufzurichten. Worte, dass wir verstehn.

Gott gab uns Ohren, um hinzuhören, was den Anderen bewegt und was ihn umtreibt. Für mich heißt das: Zuhören, wenn es um die Sorgen meiner Mitmenschen geht. Hinhören, wenn es um die Welt geht. Um die Klimakatastrophe, um schmelzende Eisberge, die die Sonne nicht mehr reflektieren können. „Gott will nicht diese Erde zerstören, er schuf sie gut, er schuf sie schön“, heißt es in dem Lied. Also müssen wir Menschen Respekt vor der Schöpfung haben. Und viel dafür tun, das Schöne und Einmalige zu erhalten.

Noch einmal zum Werdegang: Der Text ist im Blick auf den Kirchentag 1983 in Hannover entstanden. Das damalige Motto des Kirchentages: „Umkehr zum Leben“. In einem Interview zur Entstehung dieses Liedes sagte der Textdichter Eckart Bücken:

O-Ton: Da ging es natürlich unter anderem um Bewahrung der Schöpfung. In dem Zusammenhang wollte ich einen Text machen, wo wir als Menschen, als Christen eben auch beteiligt sind an dem, was wir zu bewahren hätten, an dieser Schöpfung.

Sprecherin: Gott gab uns Hände, damit wir handeln, er gab uns Füße, dass wir fest stehn. Gott will mit uns die Erde verwandeln, wir können neu ins Leben gehen.

Choral: (3. Strophe):

Gott gab uns Hände, damit wir handeln, er gab uns Füße, dass wir fest stehn.

Gott will mit uns die Erde verwandeln, wir können neu ins Leben gehen.

Gott will mir uns die Erde verwandeln, wir können neu ins Leben gehen.

Autorin Gott gab uns Hände zum Handeln, und nicht, um sie in den Schoß zu legen. Wir sollen sie benutzen, um unser Leben und das der Anderen ins Positive zu verändern. Aktiv werden, wenn wir genau hingeschaut haben und zugehört haben. Uns für Andere einsetzen. Es gibt so viel zu tun. Im Freundeskreis die Kinder nehmen, wenn die Eltern einfach nicht mehr können. Sein Wissen in den sozialen Medien nutzen, wenn es für Andere eine fremde Welt ist. Sich um die Eltern kümmern, die nicht mehr alleine zurechtkommen. Oder sich für andere einsetzen, wenn es um Ungerechtigkeit und Not geht. Der Liederdichter Eckart Bücken meinte:

O-Ton: Ihr seid Christi Hände, das wollte ich ein bisschen anders umsetzen. Es gibt ja viele Lieder, die eben mit irgendwelchen Teilen von Gott zu tun haben, irgendwelche Beine, Arme, Hände usw. Ich habe versucht, das anders zu formulieren. Das war mein Ziel: Ich wollte auf dieses Handeln hinaus, um dann mit der dritten Strophe auch sagen zu können: Gott will mit uns die Erde verwandeln. Nicht einfach so, als ob alles über uns reinbricht und wir gar nichts tun können, das war mein Hauptanliegen.

Sprecherin: Gott gab uns Hände, damit wir handeln, er gab uns Füße, dass wir fest stehn. Gott will mit uns die Erde verwandeln, wir können neu ins Leben gehen.

Choral 3. Strophe

Gott gab uns Hände, damit wir handeln, er gab uns Füße, dass wir fest stehn.

Gott will mit uns die Erde verwandeln, wir können neu ins Leben gehen.

Gott will mir uns die Erde verwandeln, wir können neu ins Leben gehen.

Autorin Gott gab uns Füße, dass wir fest stehen, einen Standpunkt haben und nicht von ihm weichen. Die deutsche Sprache ist da ganz wunderbar und drückt genau das aus. Einen Standpunkt haben, Rückgrat zeigen, Meinung vertreten. Die Füße nicht nur zum Gehen benutzen, sondern auch, um sich eben nicht vom Fleck zu rühren, sondern einen Standpunkt zu haben. Nicht fliehen und ohne Ziel umherirren, fest stehen bleiben.

Jede Strophe dieses Liedes beschreibt in der ersten Zeile die Gaben, die uns Gott gegeben hat: Atem, Augen, Ohren, Wort, Hände, Füße. Der ganze Körper ist Gottes Schöpfung. Alles hat einen Sinn und der Mensch soll diese Gaben sinnvoll einsetzen, so verstehe ich dieses Lied. Er soll die Gaben einsetzen, um die Erde zu erhalten, sie besser zu machen, sie zu verwandeln, wie es in dem Text heißt. Ich versuche, diese Gaben einzusetzen, um das Leben mitmenschlicher zu machen. Zu hören und zu antworten, zu sehen und zu verstehen, zu handeln und etwas zu verändern. So können wir neu ins Leben gehen.

Choral 1. Strophe

... Gott hat uns diese Erde gegeben, dass wir auf ihr die Zeit bestehn.

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Musikinformationen

CD-Name: Eingeladen zum Fest des Glaubens

Titel: Gott gab uns Atem

Track: 11

Interpret: Chor und Solisten des Instituts für Kirchenmusik des Bistums Mainz

Leitung: Mechthild Bitsch-Molitor

Komponist: Fritz Baltruweit

Texter: Eckhart Bücken

LC-Nr.: Z4252

Label: Institut für Kirchenmusik des Bistums Mainz

Best.Nr. BM 1299

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