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Kirche in WDR 5 | 13.07.2017 | 06:55 Uhr

Gute Nachrichten?

Guten Morgen!

Morgens, nach dem Frühstück bei uns im Prämonstratenser Kloster, lese ich gerne Zeitung – soweit das die Zeit erlaubt: Ein schneller Überblick über das, was aktuell so passiert, in der großen weiten Welt genauso wie hier in meiner Stadt Duisburg. Fast immer sind es dramatische Ereignisse und schlechte Nachrichten, die da berichtet werden: Krisen, Kriege, Katastrophen, vom Syrienkrieg bis zum Wohnungsbrand, vom Wirtschaftsbetrug bis zum Überfall.

Klar, solche Berichte über schreckliche Ereignisse folgen einer alten Medienstrategie: Nur schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten, denn sie garantieren Emotionen, Aufmerksamkeit und Einschaltquote.

Warum die Strategie von den schlechten Nachrichten aufgeht?

Entwicklungspsychologen sagen: Der Mensch folgt einem uralten Reaktionsmuster, das seit Jahrtausenden in seinem Unterbewusstsein verankert ist. Um zu überleben, muss der Mensch Gefahren frühzeitig erkennen. So kann er gegebenenfalls rechtzeitig darauf reagieren. Daher achtet er mehr auf Krisen, Kriege, Katastrophen, eben mehr auf schlechte Nachrichten als auf gute. Wenn etwas gut ist und unspektakulär, dann bedeutet das ja „keine Gefahr“. Das Schema funktioniert unbewusst bis heute. Kein Wunder also, dass die Zeitungen und alle Medien voll sind von den schlechten Nachrichten.

Dennoch frage ich mich: Müsste es nicht auch mehr Rubriken geben unter der Überschrift: „Was läuft gut“, in meiner Stadt, im Land und auf der Welt. Positive Ereignisse, die – auch wieder psychologisch gesprochen – mich als Leser beruhigen: Die Welt um mich herum ist nicht nur schlecht. Es gibt Ereignisse, über die ich mich freuen kann. Und vielleicht könnten solche Beispiele, wo etwas gut läuft, mich sogar motivieren: Mach es doch genauso! Gelungene Nachbarschaftshilfe etwa oder ehrenamtliches Engagement. Einmal auf diese Weise in die Zeitung kommen – oder ins Radio –, das wär‘s doch! Ganz nach dem Motto: „Tu Gutes und sprich darüber!“ Klingt vernünftig.

Wenn da nicht doch noch ein Gedanke wäre, der mich zögern lässt: „Tu Gutes und sprich darüber.“

Das könnte doch auch selbstdarstellerisch erscheinen und als überheblich ausgelegt werden. So denkt jedenfalls der heilige Augustinus, der unsere Klosterregel geschrieben hat. Er war auch eine Art Psychologe. Augustinus geht den Motiven des Menschen nach, fragt nach seiner inneren Haltung, und zwar nicht nur bei den Klosterbrüdern, sondern ganz allgemein bei jedem Menschen. Er macht das Problem an einem einfachen Beispiel deutlich und fragt: „Welchen Sinn hätte es, sein Vermögen an die Armen zu verteilen, und selbst arm zu werden, wenn das Wegschenken des Reichtums einen Menschen noch hochmütiger machen würde als der Besitz eines großen Vermögens?“

Recht hat er! Der Hochmut kann sogar eine gute Tat noch schlecht aussehen lassen. An einer anderen Stelle schreibt er nämlich, warum der Mensch sich letztlich nichts auf sich selbst einbilden kann. Er fragt auch hier: Mensch, „was hast du, was du nicht empfangen hast? Hast du es aber empfangen, was rühmst du dich, als habest du es nicht empfangen?“

Also: Wenn du etwas Gutes tun willst, dann tu es, und du kannst es auch publik machen – aber bilde dir nichts darauf ein. Denn was du hast und damit anderen Gutes tust, das verdankst auch du anderen.

Aus dem Prämonstratenserkloster in Duisburg-Hamborn grüßt sie Pater Philipp Reichling

*Zitiert nach Wilhelm Geerlings, Augustinus, Freiburg, Basel, Wien 1999, S. 82.

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