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evangelisch

Sonntagskirche | 18.06.2017 | 08:55 Uhr

Heilsam heilig

Guten Morgen.

Seit vielen Jahren schon kann sie sich nicht mehr aufrichten,

kann den Himmel nicht mehr sehen,

nicht die Sonne, nicht den Mond, die Sterne auch nicht.

Immerzu den Boden vor Augen,

Tag und Nacht.

Ihren Namen kenne ich nicht.

In der Bibel wird nur von der „gekrümmten Frau“ gesprochen.

Vielleicht, weil sie stellvertretend für die vielen steht,

die das Leben gebeugt hat – damals wie heute.

Gebeugt, weil die Lasten, die das Leben aufbürdet,

schwer sind und schwer machen:

der frühe Tod eines geliebten Menschen, Krankheiten,

die täglichen Forderungen, Überforderungen.

Gerne wäre sie leichter, am liebsten schwerelos.

Warum sonst geht sie all die Jahre in die Synagoge – Sabbat für Sabbat.

In ihre Kirche – Sonntag für Sonntag.

18 Jahre geht das jetzt schon so.

Sie schaut sich um, viele bekannte Gesichter.

Nur diesen Gelehrten da vorne hat sie hier noch nie zuvor gesehen.

Er dreht sich um, zu ihr,

spricht sie an.

„Liebe Frau“, sagt er.

Und winkt sie zu sich.

Einladend.

Sieht ihren gekrümmten Rücken.

Sieht ihr in die Augen,

bis auf den Grund ihrer gebeugten Seele.

Und dann legt er seine Hand auf genau die Stelle ihres Rückens,

wo sich die ganze Schwere ihres Lebens nach außen kehrt,

und sagt nur einen Satz:

„Liebe Frau, sei frei von deinem Leiden.“

Und noch während er spricht,

Wort für Wort,

steigt Kraft in ihr hoch,

Wirbel für Wirbel,

kann sie sich aufrichten,

bekommt sie Rückgrat,

auf unerklärliche Weise

nimmt sie Haltung an,

kann es wieder aushalten,

ihr Leben,

nach so langer Zeit,

wieder auf Augenhöhe,

aufrecht,

zurechtgerückt,

kann sie wieder den Blick heben,

nach oben schauen,

zum Himmel,

sehen,

dass er offen steht,

über ihr.

Plötzlich.

Zieht Unruhe auf.

Bahnt sich an.

Wie ein Unwetter.

Leises Gemurmel. Dann lautstark. Ärger.

Einige der anderen Gelehrten rufen dazwischen.

„Arbeiten? Heute? Geht nicht! Gibt’s nicht! Verboten!

Heute ist Ruhetag!

Dieser Jesus stiftet mal wieder nichts als Unruhe.“

Die Frau hält … inne.

Das war Jesus gerade?

Der, von dem es heißt,

er sei der Sohn Gottes, der Christus,

der Retter, auf den ihr Volk seit hunderten von Jahren schon wartet?

Sie schaut ihn an.

Was er jetzt bloß antworten wird?

Immerhin ... geht es hier um ... sie.

Und ihn.

Und er?

Immer noch da.

Bleibt. Bei ihr.

Dreht sich nur um, macht einen Schritt zur Seite,

an ihre Seite,

stellt er sich,

öffnet den Kreis,

hin zu den Menschen,

den Zuschauern und fragt:

„Wie ist es denn möglich,

dass man am Ruhetag für seine Tiere sorgen darf,

aber nicht für die Menschen?“

Plötzlich macht sich Freude breit unter den Zuschauern.

Da fragt einer mal nach.

Da hat einer eine Idee.

Da verbindet einer das eine mit dem anderen.

Da fühlt man sich plötzlich nicht mehr ausgeschlossen.

Die Regeln sind fürs Leben,

nicht dagegen,

Gnade geht vor Recht,

und endlich spricht es jemand an.

Gott selbst spricht es an.

Und lässt seinen Worten Taten folgen.

Der heilige wird zum heilenden Ruhetag.

Und alle dürfen dabei sein.

Selbst wir.

Hier und heute.

Gott sei Dank.

Einen heilsamen heiligen Ruhetag wünscht Ihnen Stephanie Brall von der evangelischen Kirche.

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