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katholisch

Kirche in WDR 4 | 10.09.2014 | 08:55 Uhr

Heute noch Christ sein?

Heute noch Mitglied der katholischen Kirche sein – geht das?

Diese Frage beantworten viele Menschen mit einem klaren Nein – und treten aus der Kirche aus! So viele Menschen wie schon lange nicht mehr verlassen zurzeit die katholische Kirche. Eine schmerzliche Bilanz!

Guten Morgen!

Dabei kann ich ja verstehen, dass viel Vertrauen verloren gegangen ist in den letzten Jahren: der schreckliche Missbrauchsskandal, die berechtigte Empörung um den Bau der Limburger Bischofsresidenz, die Debatte um die Transparenz kirchlicher Finanzen, und jetzt der Einzug der Kirchensteuer auf Kapitalerträge über die Banken.

Gerade diese Umstellung der Steuer hat nachweislich viele in die Amtsgerichte getrieben. Aber ich glaube nicht, dass bei diesen Kirchenaustritten vornehmlich das Pfennigfuchsen im Vordergrund steht. Dahinter verbergen sich Geschichten von Menschen, die sich langsam entfremdet haben – von der Kirche, aber auch von ihrem Glauben.

Marketingexperten sind mir da manchmal zu schnell mit dem Hinweis, die christliche Botschaft sei gut, allein die „Performance“ der Kirche stimme nicht.

Auch Kurt Flasch sieht das ganz anders; Kurt Flasch ist Professor für Philosophie, er hat ein Buch geschrieben mit dem Titel, „warum ich kein Christ bin“. Darin geht um eine biographische Erkundung seines Abschieds vom Glauben: akribisch arbeitet Flasch heraus, weshalb sich der Glaube intellektuell nicht rechtfertigen lasse.

Er erzählt davon, wie er ins Zweifeln am Christentum gekommen ist. Das ist gar kein Zweifel an der Kirche; von der Kirche und ihren Vertretern weiß er nur Gutes zu berichten. Ihm geht es um die Botschaft selbst und ihre Wahrheit:

Woran glauben die "lauen postmodernen Christen" eigentlich tatsächlich, so fragt er. An die Unsterblichkeit der Seele? An die Auferstehung des Leibes? An Himmel und Hölle? An einen persönlichen Gott?

Die meisten Gläubigen „picken“ sich, so Flasch, aus dem Angebot der kirchlichen Lehren einfach heraus, was ihnen passt. Der eine so, der andere so. Der Glauben verliert sich so in subjektiver Komposition.

Auf dem Seziertisch des Kritikers wird die biblische Botschaft und die kirchliche Lehre Schritt um Schritt zerlegt. Die religiösen Traditionen seien nicht mehr als ein „Bildersaal produktiver religiöser Erfindungen“, sagt Kurt Flasch.

In heiterer Gelassenheit bilanziert der Philosoph sodann: ich war einmal ein Christ, jetzt bin ich´s nicht mehr. Kein leidenschaftlicher Kirchenkritiker ist er, keinen aggressiven Atheismus vertritt er, sondern ein entspanntes Nichtwissen, einen gelassenen Agnostizismus. Fröhlich ruft Flasch den Gläubigen zu: was ihr glaubst, das kann ich nicht glauben. Und: Mir fehlt auch nichts!

Ich vermute, vielen Menschen geht es ähnlich wie dem Gelehrten Kurt Flasch. Glauben können sie das nicht, was die Kirche verkündet, und ihnen fehlt auch nichts. Nicht religiös zu sein, empfinden sie nicht als Mangel.

Aber ich muss auch sagen: Als jemandem, der glaubt, fällt es mir einfach schwer, das zu verstehen. In meinem Glauben geht es um die großen Fragen, den Sinn des Daseins, um mein Leben und den Tod. Wie kann es sein, dass andere darüber nur müde mit den Achseln zucken?

Doch ich bin vorsichtig, demjenigen der nicht glaubt, Defizite zu unterstellen! Braucht es nicht vielmehr Respekt vor der Entscheidung anderer und ihrem Anderssein?

Ich denke: Wir dürfen den Gesprächsfaden nicht fallen lassen. So ein Gespräch, da bin ich mir sicher, wird immer eine Herausforderung sein – für beide Seiten. Aber es birgt die Chance, voneinander zu lernen. Und als Christ gebe ich die Überzeugung nicht auf, wir seien alle Suchende, nur anders.

Aus Essen grüsst Sie Markus Potthoff

Copyright Vorschaubild: CCO Pixabay

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