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katholisch

Hörmal | 02.04.2017 | 07:45 Uhr

Hinter Vorhänge schauen

Passionssonntag

Soll ich – oder soll ich nicht?

Vor ein paar Wochen war ich im Düsseldorfer Museum Kunstpalast. Eine tolle Ausstellung! Thema: Hinter dem Vorhang. Bilder, Installationen und Objekte von der Renaissance bis heute waren da zu sehen, und immer ging es um Vorhänge und – damit natürlich verbunden – ums Verhüllen und Enthüllen. Einmal war da nur ein roter Vorhang an der Wand, und dieser war zugezogen. Ich hab wirklich überlegt: Soll ich – oder soll ich nicht hingehen und den Vorhang aufziehen? Denn das ist ja gerade das Spannende an zugezogenen Vorhängen: Sie verdecken etwas, und wenn ich wissen will, was, dann muss ich dahinter gucken. Im Museum gehen dann in der Regel ja Alarmanlagen an – und das hielt mich letztlich davon ab, den Vorhang einfach zurückzuziehen. Aber ich fühlte mich echt ertappt: Ich bin schon ganz schön neugierig. Das war wohl auch das Ziel der Installation: Einen Nervenkitzel bereiten, Neugier erzeugen, um mich schließlich mit mir selbst zu konfrontieren: Soll ich – oder soll ich nicht?

Ich habe dann einen Weg gefunden, um meine Neugierde zu befriedigen. Ich wollte ja schließlich wissen, was hinter dem roten Vorhang war. Also habe ich mich links neben dem Vorrang ganz eng an die Wand gestellt, um von der Seite hinter den Vorhang zu gucken – ohne ihn zu berühren. Und? Hinter dem Vorhang war nichts, nur die nackte Wand.

Das Paradoxe an einem geschlossenen Vorhang ist ja: Er macht die Anwesenheit des Abwesenden deutlich. Hört sich verrückt an – ist aber so: Denn solange ich nur auf den Vorhang schaue, nehme ich wahr, dass er etwas verbirgt, was für die Augen nicht da ist, weil es ja hinter dem Vorhang verborgen ist. Und nur, wenn ich den Vorhang zurückziehe, kann ich herausfinden, was dahinter ist.

Das ist ein Spiel: der Vorhang als Zeichen der Anwesenheit des Abwesenden. Und das Spiel ist uralt – auch davon erzählte die Düsseldorfer Ausstellung. Gerade in den verschiedenen Religionen wird damit gespielt. Schon im Judentum wurde zum Beispiel das Allerheiligste im Tempel von Jerusalem durch einen Vorhang verborgen. Niemand durfte hinter den Vorhang außer dem Hohepriester, und der auch nur einmal im Jahr. Dann brachte er dort das Opfer für Gott dar. Ein zentrales Opfer für den einen Gott Israels in einem Raum, den niemand sonst betreten durfte, außer der Hohepriester. Was also hinter dem Vorhang war, wusste nur er. Alle anderen konnten nur den Tempelvorhang sehen. Er stand dafür, dass dahinter etwas verborgen liegt.

Schließlich spielen auch im Christentum Vorhänge eine Rolle. Genau von heute an, dem sogenannten Passionssonntag, werden nämlich in den katholischen Kirchen Vorhänge aufgehängt und damit Bilder und Kreuze verhüllt. Warum das gemacht wird? Natürlich um Neugierde zu wecken und nach dem zu fragen, was da denn gleich hinter dem Vorhang ist. Und durch solche Neugierde kann es passieren, dass sich Sehgewohnheiten verändern.

Egal, ob der Vorhang nur Bekanntes verhüllt oder es offen bleibt, ob noch etwas dahinter ist! Auf jeden Fall gefällt mir dieses Spiel mit der Möglichkeit: Hinter dem Vorhang ist vielleicht etwas, was ich nicht erwartet habe und auch nicht kenne.

In 14 Tagen an Ostern werden die Vorhänge in den Kirchen wieder gelüftet, und damit wird der Blick frei gegeben, auf das, was dahinter ist. In der Regel ist dann wieder das zu sehen, was vorher auch schon da war, aber vielleicht sehe ich es dann mit anderen Augen, kann Altes neu entdecken.

Das wäre eine echte Schule des Sehens: Mehr sehen, Altes neu entdecken oder überhaupt Neues wahrnehmen.

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