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Kirche in WDR 5 | 10.08.2017 | 06:55 Uhr

Hl. Laurentius – Wo ist mein Schatz?

Guten Morgen!

Wofür schlägt Ihr Herz? Oder anders ausgedrückt: Was ist der Schatz Ihres Lebens? Vielleicht antworten Sie: „Mein Ehepartner, meine Ehepartnerin, meine Familie, meine Freunde.“ Ich würde antworte: Für meine Familie, meine Freunde, für die Menschen, die mir anvertraut sind. Und, das wird Sie nicht verwundern: Ich würde antworten, mein Herz schlägt an erster Stelle für Gott und für die Kirche - und das sage ich nicht nur, weil ich Weihbischof in Köln bin.

So weit so gut. Wie aber sieht die Alltagsprobe aus? Schlägt mein Herz wirklich in jedem Augenblick für diesen Schatz? Ich merke zum Beispiel, dass ich sehr nervös werde, wenn ich irgendwo mein Smartphone vergessen habe. Mir fehlt dann etwas, und zwar so, dass ich innerlich unruhig werde. Zudem kann es schon zur Versuchung werden, zu allen passenden und unpassenden Gelegenheiten eben mal noch meinen Facebook-Account zu checken oder meine Emails oder mein WhatsApps. Und wenn ich durch die Straßen gehe, sehe ich: Es geht nicht nur mir so. So nützlich ein Smartphone ist, es kann zum „Schatz“ werden, der mich fesselt und beherrscht.

„Wo dein Schatz ist, da ist dein Herz“, sagt Jesus (Mt 6,21). Wofür schlägt mein Herz also tatsächlich?

Szenenwechsel: Mitte des 3. Jahrhunderts herrschte unter dem Kaiser Valerian wieder einmal eine grausame Christenverfolgung. Der Kaiser ließ in Rom Papst Sixtus II. enthaupten. Mit der Verwaltung des Kirchenvermögens beauftragt war ein Diakon mit Namen Laurentius. Valerian ließ Laurentius foltern und zwang ihn, innerhalb von drei Tagen alle Schätze der Kirche herauszugeben. Laurentius verteilte das Geld unter den Gläubigen und brachte am Ende des Ultimatums Arme, Lahme, Krüppel und Blinde vor den Kaiser mit den Worten: „Hier hast du den wahren Schatz der Kirche.“ Valerian ließ Laurentius grausam foltern und auf einem Rost verbrennen. Auch bei diesen Qualen verlor er seinen Glauben nicht, sondern bekannte sich zur Auferstehung, die er mit Sehnsucht erwartete. Laurentius starb am 10. August 258.

Das Beispiel des hl. Laurentius beeindruckte seine Zeitgenossen sehr und nicht nur diese. Durch sein Leben und Sterben machte er auf die wahren Schätze aufmerksam.

An erster Stelle: Gott! Ihm vertraute er ganz und gar. Nur so konnte er die Todesangst überwinden und seine Hoffnung ganz auf das kommende Leben in der Herrlichkeit Gottes setzen.

An zweiter Stelle: der Mensch! Die Menschen, auch die Armen und Benachteiligten sind die wahren Schätze, weil sie Ebenbilder Gottes sind, mit denen sich der Gottessohn ganz und gar identifiziert hat: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“ (Mt 25,40).

Und erst an dritter Stelle die materiellen Schätze. Sie haben nur ihre Funktion, wenn sie dienen und uns nicht in Besitz nehmen.

Ich bin überzeugt: Mit diesen Prioritäten wird der heutige Tag sicher ein guter Tag! Und nicht nur am heutigen Laurentiustag ist dieser Heilige mit seiner Geschichte dabei ein Helfer.

Einen guten Tag wünscht Dominikus Schwaderlapp, Weihbischof in Köln

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