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Das Geistliche Wort | 26.08.2018 | 08:35 Uhr

Taufe

Autor: Manchmal landet ein altes kirchliches Ritual in den Hauptnachrichten. Prinz Louis hat zuletzt dafür gesorgt. Das dritte Kind von Prinz William und Herzogin Kate wurde getauft, nur im Kreis der Familie in der Kapelle des St. James's Palace. Seine Uroma, die Queen von England, konnte nicht dabei sein, das war eine Schlagzeile wert. Erst ein paar Wochen nach der Taufe wurden offizielle Fotos veröffentlicht.

Die meisten Taufen landen nicht auf der Titelseite. Und doch gehört die Taufe für eine Familie zu den wichtigsten Ereignissen ihres Lebens:

Die Eltern hatten sich sehr auf ihr Kind gefreut, kurz vor der Geburt gab es dann Grund zur Sorge. Doch es kam glücklich zur Welt, zwar sehr klein, aber in der Klinik arbeiteten alle mit Hingabe daran, dass es sich gut entwickeln konnte. Es dauerte eine Zeit lang, bis Leon über den Berg war.

An eine Taufe wollten die Eltern zunächst gar nicht denken, zu groß war die Sorge, Leon kam einige Wochen zu früh. Doch dann überwog das Gefühl der Dankbarkeit. Gott hatte das Leben ihres Kindes bewahrt, das war ein Grund zum Feiern. Und natürlich gehörten dann die Omas dazu und alle hofften, dass die Uroma noch zur Kirche kommen kann. Es war gar nicht so leicht Paten zu finden. Doch dann konnten ein paar alte Freunde zusagen. Sie gehören zur Kirche und wollen Leon auf dem Weg des Glaubens begleiten. Sie freuen sich darauf, aus der Kinderbibel vorzulesen. Sie haben keine Angst vor den Diskussionen, wenn Leon später an Gott zweifeln wird. Am Ende wurde es ein tolles Fest. Und alle Sorgen, die noch bleiben, legten die Eltern und Paten in Gottes Hand. Die Taufe gehört immer noch zu den beliebtesten Handlungen der Kirche. Doch dass Kinder getauft werden, ist längst nicht mehr so selbstverständlich wie früher. Die evangelische Kirche macht sich Gedanken, wie die Taufe wieder mehr in das Bewusstsein gerückt werden kann. Tauffeiern werden individueller. Neue Texte und Formen werden erprobt. Grund genug, der Sache einmal auf den Grund zu gehen. Was zeigt die Taufe und was bedeutet das alte Ritual?

Musik 1:

Titel: Wade in the Water, CD: Gulf Coast Jazz- Wade in the Water, Track 01. Interpret: The American Jazz Quintet; VSOP Records; ASIN: B01BOQINOI (Amazon).

Autor: Es ist ein riesiges Gedränge. Die ganze Bevölkerung ist auf den Beinen. Unzählige kommen an diesen abgelegenen Ort. Sie wollen diesen einen Mann reden hören. Sie wollen sehen, was er da tut. Schon sein Äußeres erregt Aufsehen. Allein seine Kleidung! Grobe Tierhaare, kein feiner Stoff, wie man ihn in der Stadt trägt. Er ernährt sich von dem, was er hier in der Einsamkeit findet, und das ist nicht viel. Irgendwie kann er sich in der Menschenmenge Gehör verschaffen. Was er sagt, hat seine Zuhörer getroffen:

Sprecher: „Schaut Euch an, was ihr getan habt. So geht es nicht weiter. Ändert Euer Leben. Ihr habt Euch mit Dreck beschmutzt. Aber ihr könnt Euch davon befreien. Ich tauche Euch unter in diesem Fluss. Dann werdet ihr sauber, aber nicht nur außen, sondern auch innen!“

Autor: Der wortgewaltige Redner hieß Johannes, man nannte Ihn den Täufer. Er brachte die Menschen dazu, sich im Jordan taufen zu lassen. Das war vor 2000 Jahren. Die Menschen haben dabei aber noch nicht an all das gedacht, was heute mit Taufe verbunden wird. Sie wären auch nicht auf die Idee gekommen, dass jemand dadurch in eine Gemeinschaft aufgenommen wird.

Was Johannes der Täufer tat, war eine Demonstration. Er wollte den Menschen zeigen, was schief läuft in ihrem Leben. Und dazu brauchte er ein spektakuläres Zeichen, etwas Anschauliches. Etwas, das im Kopf hängen bleibt, weil ich es am eigenen Leibe gespürt habe. Heutzutage fahren unzufriedene Bauern vors Landwirtschaftsministerium und versperren den Eingang mit Anhängern voller Mist. Oder radikale Tierschützer laufen nackt durch die Straße, um gegen Pelzmäntel zu demonstrieren. Mit solchen überdeutlichen Zeichenhandlungen soll größere Öffentlichkeit geschaffen werden. Ja, und man spricht darüber, ob man das mag oder nicht.

Johannes wollte zeigen, dass viele Menschen ihre Seele beschmutzt haben, durch Ausbeutung, Egoismus oder Respektlosigkeit. Das Wasser des Jordans sollte den Menschen symbolisch reinwaschen. Dazu musste er sich kleinmachen, musste sich erniedrigen, herabsteigen von seinem hohen Ross der Selbstzufriedenheit. In das Wasser der Taufe musste er eintauchen.

Aus diesem Wort „Tauchen“ hat sich der Begriff „Taufe“ entwickelt. Dazu führte aber nicht nur die Demonstration des Johannes. Jesus Christus hat dieses Untertauchen umgedeutet. Die Bibel schildert, wie Jesus aus den Reihen der Massen hervortrat und auch untergetaucht werden wollte (Mk 1). Jesus und Johannes kannten sich, gehörten zu einer Großfamilie. Und Johannes ahnte, dass Jesus seine Zeichenhandlung nicht nötig hatte. Für Johannes war klar, er war zu Höherem berufen. Aber Jesus wollte auch in diesem Fluss untertauchen, wie all die anderen.

Die Bibel beschreibt, wie Jesus etwas Besonderes erlebt, als er wieder auftaucht. Er sieht, wie sich ihm der Himmel öffnet. Er erfährt, wie der Geist Gottes zu ihm kommt, wie eine gleitende Taube. Und eine Stimme aus dem Himmel spricht zu ihm: „Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.“ (Mt 3,17)

Nachdem Jesus sich erniedrigt hat und sich von Johannes untertauchen lässt, wird er von Gott als sein Kind angenommen. Aus dem, was die Evangelisten hier schilderten, wurde den Menschen in den ersten Gemeinden klar, was sich hier schon zeigte: Jesus war wahrer Mensch und Gottes Sohn.

Musik 2:

Titel: Wade in the Water, CD: Songbird , Track 02. Interpret: Eva Cassidy ; Blix Street; ASIN: B001VKB2CI (Amazon).

Autor: Alle vier Evangelien erzählen, wie Jesus zu Beginn seines Wirkens die Taufe durch Johannes empfängt. Nur das Matthäus-Evangelium beschreibt, wie Jesus am Ende seines öffentlichen Auftretens seine Jünger beauftragt, Menschen zu taufen:

Sprecher: „Mir ist alle Macht im Himmel und auf der Erde gegeben. Darum geht zu allen Völkern und macht die Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Und seid gewiss: Ich bin jeden Tag bei euch, bis zum Ende der Welt.“ (1)

Autor: Jesus hat der Taufe, eine neue Prägung gegeben. Als er sich von den Jüngern verabschiedet, macht er die Taufe zu einem Zeichen der besonderen Gemeinschaft. Jeder Mensch kann sein Schüler, sein Freund, sein Mitmensch sein. Er verspricht ihnen, dass er sie begleitet, ihr Leben lang.

Durch die Taufe verbindet er Gott und Mensch zu einer neuen Einheit. Die Taufe ist bis heute das Zeichen dieser Gemeinschaft mit Gott. Wer zur Kirche und damit zur Gemeinde von Jesus Christus gehören will, empfängt die Taufe. Schon früh begannen Christen damit, ganze Familien zu taufen. Und diese Familien wünschten oft, dass auch ihre kleinen Kinder getauft würden. Die konnten zwar noch nichts zum Glauben sagen. Aber auch sie sollten zur Gemeinschaft Gottes gehören.

Später haben sie ihr Bekenntnis zum Glauben nachgeholt. Heute geschieht das in der Konfirmation. Wenn Kinder konfirmiert werden, sprechen sie ihr Ja zu Jesus Christus, das sie bei ihrer Taufe noch nicht sagen konnten.

Johannes der Täufer hatte mit seiner Taufe im Wasser des Jordans an Rituale der Reinigung angeknüpft. Die gab es im Judentum seiner Zeit und es gibt sie in vielen Religionen auch heute noch.

Das Wasser der Taufe ist aber mehr als Reinigung. Wasser ist auch immer ein deutliches Zeichen des Lebens. Ohne Wasser könnte kein Lebewesen existieren. Und dennoch kann Wasser auch lebensbedrohlich sein. Wenn Flüsse plötzlich über die Ufer treten, wird das deutlich. Menschen geraten in Gefahr zu ertrinken. Sie sind dankbar für die vielen Helfer, die sie aus den Fluten herausreißen.

Das mag Paulus durch den Kopf gegangen sein, als er über die Taufe nachdachte. (Röm 6,1-5). Wer bei der Taufe ganz untergetaucht wird, ist einen Moment lang in Todesgefahr, und er ist damit Jesus Christus ganz nahe. Dann taucht der Täufling wieder auf. Denn Jesus ist nicht im Tod geblieben, sondern er ist auferstanden. Und durch seine Auferstehung werden wir aus der bedrohenden Flut herausgerissen und erhalten neues Leben.

In der Kirche wird ein Täufling meist nicht ganz untergetaucht, sondern nur etwas mit Wasser besprenkelt. So erinnert es eben doch mehr an eine Reinigung. Aber diese Waschung geschieht ein für alle Mal. Denn Gott hat zugesagt, dass er vergibt, wenn Menschen ihm ihr Leben anvertrauen. Gott vergibt nicht nur einmal am Anfang, sondern ganz. Unwiderruflich. Daran können sich die Getauften immer wieder erinnern.

Musik 3:

Titel: Nobody Knows the Trouble I've Seen, CD: Thank You Baby!, Track 07. Interpret: Torsten Goods; ACT Music; ASIN: B013J87NM2 (Amazon).

Autor: Gerade entsteht in der Evangelischen Kirche ein neues Buch für die Gestaltung von Taufgottesdiensten. Tauffeiern werden dadurch individueller. Paten oder Großeltern können sich an der Gestaltung von Taufgottesdiensten beteiligen. Und auch Taufen an einem Fluss oder an einem See werden möglich gemacht. So können die alten Taufgeschichten wieder erfahrbar werden. Ein Gebet aus dieser sogenannten neuen Taufagende greift für mich die Symbolkraft des Wassers hervorragend auf:

Sprecher: „Allmächtiger, ewiger Gott, im Anfang der Schöpfung schwebte dein Geist über dem Wasser. Du hast in der Sintflut die Welt gerichtet und Noah in der Arche gerettet.

Du hast dein Volk Israel durch das Schilfmeer in die Freiheit geführt.

Dein Sohn tauchte ein ins Jordanwasser, als er sich taufen ließ und sich uns Sündern gleichstellte.

Durch die Taufe befreist du uns aus der Gewalt des Todes.

Du lässt alles untergehen, was uns von dir trennt, und erweckst uns zum ewigen Leben.“ (2)

Autor: In der Apostelgeschichte der Bibel wird die Taufe des sogenannten Kämmerers aus Äthiopien geschildert. Er hatte sich auf einer Reise mit prophetischen Schriften befasst. Er war enttäuscht, dass er nicht verstand, was er da las. In dem Apostel und Diakon Philippus findet er jemanden, der ihm diese Schriften erklärt. Er erfährt vieles über Jesus Christus. Spontan wächst in dem Äthiopier der Wunsch, sich taufen zu lassen. Nichts spricht dagegen. Und als er sich wieder aus dem Wasser der Taufe erhebt, spürt er in sich eine Fröhlichkeit. Nun kann er seine Reise voller Freude fortsetzen. (Apg 26,39)

Diese Geschichte zeigt mir: Die Taufe macht mich zu einem fröhlichen Menschen! Durch das Wasser der Taufe werde ich innerlich gereinigt. Jesus Christus hilft mir, dass ich in meinem Leben nicht untergehe. Und er verspricht, immer bei mir zu sein. All das bewirkt in mir eine tiefe Freude, die mich im Leben trägt.

Es grüßt Sie Pfarrer Michael Nitzke aus der Evangelischen Philippus-Kirchengemeinde Dortmund.

Musik 4:

Titel: Bridge Over Troubled Water, CD Nightbird, Disk 1, Track 08, Interpret: Eva Cassidy; Text und Muisk: Paul Simon; Label: Blix Street Records; ASIN: B0164T1I1K (AMAZON)

Anmerkungen:

(1) Matthäus-Evangelium Kapitel 28, Vers 18-20, aus: Neue Genfer Übersetzung (NGÜ) - Neues Testament mit Psalmen und Sprüchen. Deutsche Bibelgesellschaft, 2015.

https://www.bibleserver.com/text/NGÜ/Matthäus28

(2) Die Taufe, Entwurf zur Erprobung. Kirchenamt der EKD, Hannover 2018. Seite 220.

https://www.evangelisch-in-westfalen.de/fileadmin/user_upload/Anspruchsgruppen/Fuer_Gemeinden/taufagende.pdf

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