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evangelisch

Choralandacht | 18.03.2017 | 07:50 Uhr

Ich bin ein Gast auf Erden (eg529)

Autorin:

Zu Gast sein, das mag ich. Mich an einen Tisch setzen und nicht wissen, was vorbereitet wurde, vielleicht zu etwas eingeladen werden, das ich noch nicht kenne. Zuerst riechen, dann schmecken, was andere mögen, sehen, wie sie essen, Gast sein heißt: ich wurde eingeladen, einfach so, aus freien Stücken. Ich muss nichts tun, nur einfach da sein. Mit anderen vielleicht, die ich noch nicht kenne. Das ist spannend und entspannend.

Musik 1

Sprecherin: Ich bin ein Gast auf Erden und hab hier keinen Stand; der Himmel soll mir werden, da ist mein Vaterland. Hier reis ich bis zum Grabe; dort in der ewgen Ruh ist Gottes Gnadengabe, die schließt all Arbeit zu. (Strophe 1, EG 529)

Autorin:

Zu Gast sein, das kann auch harte Arbeit sein. Dann macht es mich so müde. Wenn ich merke, hier gehöre ich nicht hin. Werde vielleicht nur geduldet. Dann denke ich: Das ist nur ein Abend, ein paar Stunden, hoffentlich ist das bald vorbei. Ich finde es anstrengend, mich übermäßig anpassen zu müssen, alles nehmen zu müssen, wie es kommt. Manchmal passt es ja nicht zu mir. Das Essen: zu scharf, zu wenig Salz und Soße, das Dessert mit zu wenig Schokolade. Die Themen der anderen nicht meine, der Humor schon gar nicht. Wenn es ganz schlimm kommt, frage ich mich dann: Was mache ich hier überhaupt?

Musik 3: intrumental

Autorin:

Gast sein kann auch ein Zustand sein; kein Zuhause zu haben, nirgendwo richtig hinzugehören. Gast sein kann ein Gefühl sein, die die Sehnsucht in sich zu spüren, doch einmal nach Hause zu kommen, an den Ort, wo man hingehört. Und kein Gast mehr sein muss.

Musik 2

Sprecherin:

Auf der anderen Seite des Mondes

gehen

in goldene Kleider gehüllt

deine wirklichen Tage

sie wohnen

wie sonst du

in Helle

verscheucht von hier

weggescheucht

wandeln sie dort

du weißt es sind deine.

du aber empfängst

Morgen nach Morgen

ihre Stellvertreter:

fremder

als jedes fremde Land.

du weißt

die deinen

wandeln in Helle

sie ziehen Tag um Tag

neben dir her

nur auf der anderen Seite des Mondes.

Autorin:

So sagt es Hilde Domin.

In der Bibel finden sich diese Worte:

Sprecher:

Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir. (Hebr 13, 14)

Autorin:

Ich bin nur Gast auf Erden, meine Heimat ist im Himmel bei Gott. Deshalb komme ich hier nie richtig an. Das kann einem ganz schön die Lebensenergie rauben. Wozu sich mühen, wozu mein Leben gestalten? Wozu lieben und lachen? Worauf hier hoffen? Und doch ist mein Leben hier und es ist mein Leben, das einzige, das ich habe und mir von Gott geschenkt wurde.

Also: Was gibt mir neue Lebenskraft? Worauf bette ich meine Hoffnung? Wohin führen dieses Leben und auch mein Tod?

Diese Fragen standen auch über Leben und Sterben des Jesus von Nazareth und er hat sie für uns durchbuchstabiert. Paul Gerhardt hat darüber eines der bekanntesten Passionslieder geschrieben.

Musik 3

Sprecher: O Haupt voll Blut und Wunden, voll Schmerz und voller Hohn, O Haupt, zum Spott gebunden mit einer Dornenkron', O Haupt, sonst schön gezieret mit höchster Ehr' und Zier, Jetzt aber höchst schimpfieret: gegrüßet sei'st du mir! (Strophe 1, EG 85)

Autorin:

Auch dieses Lied ist voller Schmerz und Tod, voller Sehnsucht am Ende da zu sein, wo ich nicht nur Gast bin. Die beiden Choräle teilen sich nicht nur die gleiche Melodie, sondern haben auch den gleichen Dichter und fast die gleiche Stimmung.

Musik 2

Sprecherin: Zu dem steht mein Verlangen, da wollt ich gerne hin; die Welt bin ich durchgangen, dass ich's fast müde bin. Je länger ich hier walle, je wen'ger find ich Freud, die m einem Geist gefalle; das meist ist Herzeleid. (Strophe 8, EG 529)

Autorin:

Nur Gast zu sein hat die Lebensfreude aufgefressen, Stück für Stück bis nichts mehr übrig ist. Sogar der Tod hat seinen Schrecken verloren, das Leben danach wird zur Hoffnung, wenn das Leben auf der Erde nichts mehr zu bieten hat.

Es ist gut, dass diese Hoffnung besteht. Es ist aber auch tieftraurig, wenn sie die einzige ist. Manchmal ist das Leben so.

Für manche ist das Leben so.

Nicht nur einen Abend lang, manchmal eine lange Zeit.

Für manche ist ihre ganze Lebenszeit Leiden am Leben.

Dieser Lebenspessimismus findet sich auch in der Bibel:

Sprecher:

Man mühe sich ab, wie man will, so hat man keinen Gewinn davon.

Autorin:

Mir geht das zu weit.

Oft ist das Leben nicht so! Für viele ist das Leben nicht nur so!

Das Leben hat auch schöne Zeiten – zu Gast zu sein auf dieser Erde auch!

Hätte uns sonst Gott auf seine Erde eingeladen?

Denn auch diese Einsicht lehrt uns die Bibel:

Sprecher:

Da merkte ich, dass es nichts Besseres dabei gibt als fröhlich sein und sich gütlich tun in seinem Leben. Denn ein jeder Mensch, der da isst und trinkt und hat guten Mut bei all seinem Mühen, das ist eine Gabe Gottes.

Autorin:

Damit kann ich gut leben. Und sehen, dass alles seine Zeit hat. Das Schöne wie das Schwere:

Sprecher:

Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde.

Autorin:

Wenn das Schöne und Schwere –beides- seine Zeit hat, dann kann man mit beidem leben, man muss es sogar.

Man darf, ja man sollte sogar neben all dem Schweren, das einem im Leben begegnen mag die Gastfreundlichkeit des Lebens in vollen Zügen genießen. Mit gutem Essen und schönen Getränken, mit netten Menschen, an schönen Orten. Mit einem Mut, der durch alle Mühen trägt, mit einem zuversichtlichen Glauben, der am Ende Gott lebenssatt bitten kann:

Musik 4

Sprecher: Wenn ich einmal soll scheiden, so scheide nicht von mir; Wenn ich den Tod soll leiden, so tritt du dann herfür; Wenn mir am allerbängsten wird um das Herze sein, So reiß mich aus den Ängste Kraft deiner Angst und Pein! (Strophe 9, EG 85)

Autorin:

Alles hat seine Zeit. Das Schöne und Schwere. Alles hat seine Zeit: Passionszeit und Osterzeit. Zeit zu leben und Zeit zu sterben. Und zu einem neuen Leben aufzuerstehen. Das glauben wir Christen. Es gibt eine Zeit, zu Gast zu sein auf Erden und eine Zeit, endgültig Heimat zu finden bei Gott.

Musik 1

Sprecherin: Da will ich immer wohnen - und nicht nur als ein Gast - bei denen, die mit Kronen du ausgeschmücket hast; da will ich herrlich singen von deinem großen Tun und frei von schnöden Dingen in meinem Erbteil ruhn. (Strophe 12, EG 529)

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