Beiträge auf WDR5  

evangelisch

Kirche in WDR 5 | 01.02.2018 | 06:55 Uhr

Ich lebe jetzt!

Guten Morgen!

Ich besuche eine ältere Dame. Im Krankenhaus. Sie hatte eine schwierige Operation hinter sich gebracht und viele Tage auf der Intensivstation gelegen. Quälend lange Nächte, die nicht enden wollten. Schließlich war sie sehr erschöpft von alledem und es dauerte lange, bis sie wieder zu Kräften kam.

Jetzt sitze ich an ihrem Bett und sie schaut auf ihr Leben zurück und sagt: „Wissen Sie, wir haben immer gesagt: später mal!“ Mit „wir“ meint sie sich selbst und ihren inzwischen verstorbenen Ehemann. Das Leben der Eheleute hatte hauptsächlich aus Arbeit, Arbeit und nochmal Arbeit bestanden. Das Schöne, das Angenehme, wie ausgedehnte Reisen zum Beispiel, das hatten die beiden auf die Zeit der Rente verschoben. Die Eheleute hatten ein Geschäft. Als Selbständige waren sie ständig auf Trab gewesen und gönnten sich nur selten etwas. In ihrer Rückschau erkennt die ältere Dame nun: Das war falsch gewesen. Traurig erzählt sie: „Herr Pfarrer, manchmal kam mir mein Leben wie eine Reihe verpasster Gelegenheiten vor. Deshalb meine ich: Jetzt ist das Leben, ich lebe jetzt, das ist die richtige Einstellung!“ Wie sie das sagt, wirkt sie sehr energisch und ganz entschieden. Trotz ihrer Schwäche spricht sie mit großem Nachdruck. Und ich merke: Es ist ihr damit sehr ernst.

Für mich als Besucher ist es schön, zu spüren: Trotz Trauer und Schmerz - ihre neue Einsicht ist schon fest und entschieden. Ich frage sie neugierig: „Und nun, was fangen sie damit an, mit dieser späten Einsicht?“

Sie lächelt und sagt: „Ach, wenn ich das alles hier überstanden habe und einmal wieder bei Kräften bin, dann...“

Sie erzählt, dass sie vor einiger Zeit zufällig einen Mitschüler getroffen hat. Viele Jahre hatten sie sich nicht gesehen und nun standen sie da auf dem Markt und waren miteinander ins Gespräch gekommen. Es stellte sich heraus, dass beide ihren Ehepartner im selben Jahr verloren hatten.

Einige Wochen nach diesem Treffen bekam sie einen Brief von ihm. Er wollte sie gerne wieder treffen und er machte ihr Vorschläge für gemeinsame Unternehmungen. Sie schrieb ihm zurück und bedankte sich für den Brief. Aber auf seine Vorschläge für gemeinsame Unternehmungen ist sie gar nicht eingegangen. Doch Friedrich – so hieß der alte Klassenkamerad – ließ nicht locker und schrieb ihr wieder. Sie merkte: Sie hätte schon Lust, mit ihm etwas zu unternehmen.

Aber sie hatte auch Vorbehalte. Sie dachte: Das ist vielleicht noch zu früh. Der Tod ihres Mannes lag gut zweieinhalb Jahre zurück. Außerdem, was würden ihre Kinder dazu sagen? Wenn sie denen erzählte: Ich bin mit meinem alten Klassenkameraden Friedrich unterwegs gewesen?

Dann kam die Krankheit dazwischen. Aber in den Tagen wo es ihr nun langsam besser ging, da hatte sie über vieles nachgedacht. Und sie hatte sich vorgenommen, Friedrich einen Brief zu schreiben.

Mit Entschiedenheit in der Stimme sagt sie jetzt: „Ja! Ich warte nicht länger. Ich werde ihm schreiben, dass ich Lust habe, mit ihm was zu unternehmen.“ „Ist doch klar“, sage ich, „jetzt ist das Leben!“

(Ende WDR 4, Verabschiedung für WDR 3 und WDR 5: ) -

Mit guten Wünschen für diesen Tag grüßt sie Pfarrer Frank Küchler aus Marialinden.

evangelisch
Abspielen (titel)
evangelisch
Abspielen (titel)
evangelisch
Abspielen (titel)
evangelisch
Abspielen (titel)
evangelisch
Abspielen (titel)
katholisch
Abspielen (titel)
katholisch
Abspielen (titel)
katholisch
Abspielen (titel)
katholisch
Abspielen (titel)
katholisch
Abspielen (titel)
katholisch
Abspielen (titel)
katholisch
Abspielen (titel)
evangelisch
Abspielen (titel)
evangelisch
Abspielen (titel)
evangelisch
Abspielen (titel)
evangelisch
Abspielen (titel)
evangelisch
Abspielen (titel)
evangelisch
Abspielen (titel)
evangelisch
Abspielen (titel)
katholisch
Abspielen (titel)
katholisch
Abspielen (titel)
katholisch
Abspielen (titel)
katholisch
Abspielen (titel)
katholisch
Abspielen (titel)
katholisch
Abspielen (titel)
katholisch
Abspielen (titel)
evangelisch
Abspielen (titel)
evangelisch
Abspielen (titel)