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evangelisch

Choralandacht | 03.03.2018 | 07:50 Uhr

Ich lobe meinen Gott von ganzem Herzen (eg 272)

Instrumental: Musik1 Büro Archiv 148, Track 07 – Gitarrenvorspiel

Sprecherin (overvoice): „Ich lobe meinen Gott von ganzem Herzen.

Erzählen will ich von all seinen Wundern und singen seinem Namen.

Ich lobe meinen Gott von ganzem Herzen.

Ich freue mich und bin fröhlich, Herr, in dir.

Halleluja.“.

Autor: 368 Mal spricht die Bibel davon, wie wichtig Loben ist und besonders Gott zu loben. Kaum ein Wort nennt sie häufiger als dieses. Und besonders die Lieder Davids, die Psalmen, sind eine wahre Fundgrube für alle, die das Loben neu oder erneut lernen wollen.

Sprecherin: „Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat“,

Autor: heißt es etwa in Psalm 103. Ich könnte vergessen, was Gott mir Gutes getan hat, befürchtet der Dichter. Stimmt: Vieles, vielleicht zu Vieles im Leben halte ich für selbstverständlich. Dann habe ich keine Augen für die Wunder Gottes, geschweige denn einen Sinn für all das Wunderbare um mich her. Damit stehe ich offenbar nicht allein. Sogar die große Theologin Dorothee Sölle wurde von Freunden gefragt „Warum sie Gott so selten lobe?“. Sie antwortete mit einem Gedicht:

Sprecherin: „Verdammt, bin ichs denn?

War der Bund nicht zweiseitig:

Dass er Lobenswertes tut oder vorbeischickt

und ich etwas zum Loben entdecke!

Ein fabelhafter Kontrakt:

Er schickt nichts, ich sehe nichts.

Er war schon immer stumm, ich schon immer blind.

Das ist die Melodie der Welt.“

Autor: Es ist ein kleiner Choral im Gesangbuch, der mir Lust macht und mich herausfordert, ganz andere Melodien in die Welt zu bringen, als die der stummen Gleichgültigkeit. Der Komponist dieses Liedes zu Psalm 9 stammt aus Frankreich. Darum klingt es wohl nach einem Chanson. Claude Fraysse, der als Posaunist im Showgeschäft mit Größen wie Gilbert Be-caud oder Jaques Brel zusammenarbeitete, hatte im Alter von 32 Jahren ein Bekehrungser-lebnis. Von da an stellte er seine musikalische Kreativität in den Dienst der Kirche und des Evangeliums. „Je louerai l’Eternel de tout mon coeur“ beginnt sein Lied im Original.

Choral: Musik 2: Büro-Archiv 174, Track 15, erste Strophe

„Ich lobe meinen Gott von ganzem Herzen. Erzählen will ich von all seinen Wundern und singen seinem Namen. Ich lobe meinen Gott von ganzem Herzen. Ich freue mich und bin fröhlich, Herr, in dir. Halleluja. Ich freue mich und bin fröhlich, Herr, in dir. Halleluja.“ 48‘3‘24

Autor: Gott loben und von seinen Wundern erzählen? – Neulich war ich mit meiner Familie in Berlin. Beim Stadtrundgang hatten wir Glück und schafften es ohne Warten auf die Kuppel des Reichstages. Von oben sahen wir auf die Hauptstadt und lernten viel über deren Geschichte mit Hilfe von Audioguides. Dieses Lernen, besonders über den Krieg und seine Folgen, wurde zum Auftakt für zahlreiche Gespräche mit unserem 12jährigen Sohn. Er fragte und fragte. Besonders die Geschichte der Mauer ließ ihn nicht los. Ihn beschäftigten Bilder von Men-schen, die im letzten Moment noch aus den Fenstern ihrer Wohnungen und über Stachel-drähte in den Westteil springen konnten. Manche Bilder machten ihn wütend. Da sah man Freunde, die sich weinend zuwinkten, für die es kein Durchkommen mehr gab. Auch unend-lich traurige Bilder hielt er aus: Todesopfer, erschossen auf der Flucht. Und dann sein Auf-atmen, gemeinsam mit mir, über die Bilder jenes Tages, an dem sich die Mauer nach 28 Jahren der Trennung wieder öffnete. Vom 9. November 1989 gibt es Bilder von Menschen, die jubeln, tanzen, lachen, sich in den Armen liegen. Bilder von Mauerspechten, die mit Aus-dauer Löcher in den Beton schlagen.

Ich habe meinem Sohn erzählt, wie ich damals mit Tränen in den Augen vor dem Fernseh-gerät saß. Es waren Freudentränen. Und von den Friedensgebeten habe ich ihm erzählt, die diesem Augenblick vorausgegangen waren; auch von Christen, die mutig waren und De-monstrationszüge anführten. Ich habe solche Menschen immer mal wieder mit Mose vergli-chen und seinem Ruf vor dem Pharao: „Let my people go – lass mein Volk frei“. Und bis heute ist die Öffnung der Mauer in meinen Augen ein großes Wunder Gottes, zu dem viele Menschen beigetragen haben. Sie ist ein Wunder wie seinerzeit der Auszug des Volkes Israel aus der Sklaverei in Ägypten. Auch weil ich diese Überzeugung in mir trage, habe ich gute Gründe, Gott von Herzen zu danken und von Wunderbarem zu erzählen.

Choral: Musik 2 Büro-Archiv 174, Track 15, dritte Strophe (0’49 – 1’37)

Ich danke meinem Gott von ganzem Herzen.

Erzahlen will ich, dass er alle Menschen in seinen Handen tragt.

Ich danke meinem Gott von ganzem Herzen.

Ich freue mich und bin frohlich, Herr, in dir. Halleluja!

Ich freue mich und bin frohlich, Herr, in dir. Halleluja!

Autor: So mancher Psalm erinnert daran, wie viel Lobenswertes Gott immer wieder tut, und dass wir Menschen auch dazu in der Lage sind, es zu entdecken. Das ist ein Grundmotiv in den Psalmen: Sich das Geschenk von Bewahrung, von Rettung, Befreiung und anhaltender Freiheit vor Augen zu halten und Gott mit einem Loblied auf den Lippen dafür zu danken. So beginnt Psalm 107 mit den Worten:

Sprecherin: „Danket dem Herrn; denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich. So sollen sagen, die erlöst sind durch den Herrn, die er aus der Not erlöst hat, die er aus den Ländern zu-sammengebracht hat von Osten und Westen, von Norden und Süden“.

Autor: Damals, 1989, als die Mauer fiel und der Osten mit dem Westen wieder zusammengebracht wurde, bin ich sofort nach Berlin und nach Leipzig gefahren. In Berlin wollte ich unbedingt auf eigenen Füßen durchs Brandenburger Tor gehen. Ich wollte das Wunder hautnah spüren, selbst Anteil daran nehmen. In Leipzig war ich dann in der Nikolaikirche, wo die Frie-densgebete ihren Anfang genommen hatten. Dort habe ich Gott gelobt und dafür gedankt, dass ich Zeuge dieser wunderbaren Erfahrung werden durfte.

Auch davon habe ich meinem Sohn oben auf der Kuppel des Reichstags erzählt. Und, 28 Jahre nach der Öffnung der Mauer, nimmt mich mein Kind an die Hand und sagt: „Papa, dann lass uns jetzt mal durchs Brandenburger Tor gehen und Gott loben“. Und ich habe wieder geweint, vor Freude über mein kluges Kind und das weiterhin offene Tor.

Instrumental: Musik 1 Büro Archiv 148, Track 07

Autor – overvoice: 368 Mal spricht die Bibel davon, wie wichtig das Loben ist. Kaum ein Wort nennt sie häufiger als dieses. Verteilt auf ein Jahr gibt es insofern an jedem Tag mindestens einen guten Grund, Gott von Herzen zu danken, von seinen Wundern zu erzählen und seinem Namen zu singen.

Instrumental: Musik 1 Büro Archiv 148, Track 07

(1)Dorothee Sölle, Fliegen lernen. Gedichte. Fietkau-Verlag, Berlin, S.6

Musikinformationen:

Musik 1:

CD-Name: Du meine Seele singen – Choräle auf sechs Seiten

Titel:I ch lobe meinen Gott

Text: nach Psalm 9, 2-3

Melodie: Claude Fraysse

Interpret: Reinhard Börner (Gitarre)

Verlag: cap-music

Label: cap-musik

LC-Nr. 06860

Musik2:

CD-Name: Morgenlicht

Titel: Ich lobe meinen Gott

Text: nach Psalm 9, 2-3

Melodie: Claude Fraysse

Chor: Rundfunkchor Berlin

Leitung: Simon Halsey

Verlag: unbekannt

Label: Deutsche Grammophon

LC-Nr. 00173

Best.Nr.:2894791303

EAN:0289479913030

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