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Hörmal | 22.11.2015 | 07:45 Uhr

"Ich wurde Clown um zu leben"

Autorin: Wer dem Tod von der Schippe gesprungen ist, geht erst mal auf Abstand zu Leid und Sterben. Und wer sein Kind beinahe an Krebs verloren hat - erst Recht. Sollte man meinen.

Bei Julia Hartmann aus Karlsruhe jedoch ist das anders. Gemeinsam mit ihrem Mann hat sie zwar viele Monate am Krankenhausbett ihrer kleinen Tochter verbracht, Nicole erkrankte 1991 an Knochenkrebs. Aber statt zu flüchten hat sie sich später selbst einen Kindheitstraum erfüllt: Die frühere Zollbeamtin wurde Clownin. Auch Klinikclown, wie sie im typisch badischen Dialekt erzählt:

O-Ton: „Zuerst war es dunkel, wenn ich nach draußen geguckt hab’, des war die Hölle, wo ich in meinem Leben erlebt hab’. Dann hat sich die Sonne vorgestohlen, das war dann der Himmel, weil das gehört ja beides zum Leben: Himmel und Hölle, jeder hat Gott und Teufel in sich – sag’ ich jetzt einfach mal so (lacht)... „

Autorin: ... das war der Tag, an dem Julia Hartmann klar wurde, wo sie sich engagieren wollte:

O-Ton: „Ich nehm’ meine Trompete und geh’ in die Kinderklinik, da, wo ich mit der Nicole war. Da ist alles so traurig und so viele schwere Emotionen, da muss ein bissl’ Leichtigkeit rein.“

Autorin: „Ich wurde Clown um zu leben“ heißt das Buch, das die 53-Jährige jetzt veröffentlich hat. Eine große schlanke Frau, deren braune Locken gerade bis zur lachsfarbenen Lederjacke reichen, mit den Augen eines Menschen, dem man auf der Zugfahrt ohne weiteres sein Leben erzählen würde. Im Buch berichtet Julia Hartmann von der „heilenden Kraft des Humors“ und von den mittlerweile professionellen Auftritten bei Schulfesten, Firmenfeiern oder in der Kinderklinik in Mannheim und Heidelberg, oft im Team mit den Töchtern Nicole und Nadine.

O-Ton: „Der Fluchtreflex, der ist immer da, aber dieser Wunsch, meinen Clown zu machen, der ist immer ein Prozent größer. Ja, der Clown muss leben! Dann leb’ ich und dann lebt mein Umfeld und dann kommt sogar die Sonne raus (lacht).“

Autorin: Die Ausbildung zum Clown vor gut 20 Jahren war eine Art Traumatherapie für Julia Hartmann: Dazu gehörten Zauberkurse und Bauchreden, ebenso wie Gesprächstherapie und Psychologie; heute ist sie selbst Dozentin für „Humor in der Pflege“. Manches Seminar allerdings war für sie früher eher verwirrend, denn Beruf und Berufung sind untrennbar mit ihrer Geschichte verbunden:

O-Ton: „Da ging es dann darum den Charakter zu suchen, aber den bring ich ja schon mit. Ich wollt’ einfach so sein wie ich bin, das ist doch gut! Gott hat mich so geschaffen, das sind meine Talente und die baue ich aus.“

Autorin: Aber auch Klagen gehören für Julia Hartmann zum Glauben. Darüber, dass ihre kleine quirlige Tochter damals ein Bein verlor. Und dass fast 20 Jahre später der Alptraum zurückkehrte: 2010 erkrankte Nicole erneut und starb mit 25. „Clown Julchen und ihre Zaubermäuschen“ sind seitdem ein Zweierteam, verstärkt durch den Vater, der das Familienunternehmen in seiner Freizeit managt. Das Anliegen jedoch und ihre eigene Kraftquelle sind unverändert: Den Menschen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern und Licht ins Dunkel zu bringen. Wo auch immer.

O-Ton: „Ich bin in ständiger Verbindung zu Gott, zum Himmel. Ich schimpf, ich wein’, ich klag’ ihn an, ich lieb ihn – also alles. Das war damals schon so. Manchmal stärker, manchmal weniger. Für mich war einfach immer dieser Jesus als Vermittler: Er nimmt mich an die Hand und führt mich dann halt.“

Im Internet: www.clown-julchen.de

Buchhinweis: Julia Hartmann: Ich wurde Clown um zu leben. Von der heilenden Kraft des Humors. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2015, 176 Seiten, 14,99 Euro

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