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Kirche in WDR 3 | 06.06.2018 | 07:50 Uhr

Kevin

Guten Morgen!

Und herzlichen Glückwunsch an alle Kevins! Heute nämlich ist ihr Namenstag. Und man könnte ihnen zum Namenstag gleich einen Orden für besondere Tapferkeit umhängen. Denn die braucht man bestimmt manchmal, wenn man so heißt. Denn: Haufenweise Komiker haben ihr Geld mit Gags auf ihre Kosten verdient. Legionen von Soziologen und Sprachwissenschaftlern haben über Kevinismus geforscht. Armeen von Pädagogen haben Anti-Mobbing-Workshops am Beispiel von Kevin durchexerziert. Und Kevin Kühnert – Juso- Vorsitzender - hat womöglich auch deshalb so ein flottes Mundwerk, weil er gezwungen ist, es zur Selbstverteidigung zu trainieren. Kevin zu heißen ist ein hartes Schicksal, vielleicht gibt es deshalb gleich zwei Namenstage für Kevin, den 3. und den 6. Juni. Er hat es verdient.

Als Evangelische war ich früher neidisch, auf meine katholischen Mitschülerinnen – weil sie gewissermaßen zweimal Geburtstag gefeiert haben. Dem kindlichen Neid bin ich jetzt entwachsen und finde den Namenstag trotzdem eine feine Erfindung. Er geht darauf zurück, dass die Christen ihren Kindern bei der Taufe Namen gegeben haben, an denen man erkannt hat, dass sie Christen sind. So ist das schon beim Apostel Paulus, der ja eigentlich Saulus hieß. Als er vom Verfolger der Jesus-Anhänger zu einem der ihren geworden ist, hat er den alten Namen Saulus abgelegt. Dabei ist Saulus ein Königsname und steht für vornehme Herkunft. Stattdessen hat er ins (nämliche) Gegenprogramm gewechselt, mit einem klitzekleinen Buchstabentausch. Paulus heißt übersetzt: der Kleine oder der Geringe.

Wenn die Christen später ihre Kinder Paul genannt haben oder nach anderen Märtyrern, haben sie an Menschen erinnert, die für diesen Glauben Verfolgung und Tod erlitten haben. Insofern ist der Name ein kleines trotziges Bekenntnis gewesen, dass man sich nicht einschüchtern lässt. Und er hat auch die Aufgabe beinhaltet, sich ein Vorbild am Namensgeber zu nehmen.

Zurück zum Namen Kevin: Für viele eher Verhängnis als eine Aufgabe. Warum? Nicht weil er irgendwie weniger elegant wäre als Anton oder Leon. Nach meiner Vermutung vor allem, um eine selbstvergewissernde Arroganz der vermeintlich Gebildeten gegenüber den vermeintlichen Losern zu bedienen. Diejenigen, die in unserm Land um ihre Würde zu kämpfen haben, werden ja immer wieder mal mit Spottkampagnen von oben überzogen.

Es lohnt nachzuschauen, wen man da verhohnepipelt: Kevin von Glendalough (gespr. Glendaloch). Der irische Mönch ist der Namenspatron der Stadt Dublin und hat im sechsten Jahrhundert gelebt. Neben seiner asketischen Genügsamkeit und seiner Liebe zu den Schwachen hat er noch eine Gemeinsamkeit mit dem berühmten Franziskus von Assisi. Kevin hat Tiere geliebt. Auf Bildern wird er häufig mit Amseln dargestellt. Dazu gibt es eine bezaubernde Geschichte: Als Kevin in der Fastenzeit mit ausgebreiteten Händen gebetet hat, hat eine Amsel ihr Ei in seine Hand gelegt. Kevin hat dann so lange in dieser Gebetshaltung verharrt, bis das Junge aus dem Ei geschlüpft und davongeflogen ist. Bei so einem ist man in guten Händen, nicht wahr?

Darum gratuliere ich allen, die seinen Namen tragen. Und uns anderen wünsche ich heute Behutsamkeit für die rohen Eier, die uns in die Hände gelegt werden.

Ihre Silke Niemeyer, Pfarrerin in Lüdinghausen.

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