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Kirche in WDR 2 | 02.02.2015 | 05:55 Uhr

Kinderwunsch

Technischer Fortschritt ist was Feines. Er macht vieles leichter und eröffnet ganz neue Möglichkeiten. Das fängt bei der Waschmaschine an und hört bei Handy und Internet noch lange nicht auf.

Aber manchmal halte ich dann doch die Luft an. Wenn ich nicht nur sehe, was der technische Fortschritt alles möglich macht. Sondern auch, wofür dieser Fortschritt genutzt wird.

Zum Beispiel bei Eizellen von Frauen. Da gibt es inzwischen die Möglichkeit, sie nicht nur zu entnehmen. Sondern sie auch so zu präparieren, dass man sie einfrieren kann. Jahre oder sogar Jahrzehnte später können sie dann wieder aufgetaut, befruchtet und eingepflanzt werden.

Prinzipiell ist das eine tolle Sache. Zum Beispiel für Frauen mit einer Krebserkrankung. Wenn abzusehen ist, dass sie später keine Kinder mehr bekommen können, lässt sich so ihr Kinderwunsch möglicherweise trotzdem realisieren.

Nun gab es im letzten Jahr einige Aufregung, weil sich die Konzerne Facebook und Apple diese Technik zu Nutze machen. Sie bieten nämlich ihren jungen weiblichen Angestellten folgendes an: Der Konzern übernimmt die Kosten, wenn ihr euch Eizellen entnehmen und sie einfrieren lasst. Das hat den Vorteil für die Frauen, dass sie später - sagen wir mit 40 - auf Eizellen zurückgreifen können, die noch so frisch und munter sind wie vor 10 oder 15 Jahren. Und für den Konzern hat es den Vorteil, dass diese Frauen nicht mit 25 oder 30 Jahren schwanger werden und somit für die Arbeit ausfallen. Sondern erst mit 40.

Ich möchte den Konzernen an dieser Stelle gar nicht etwas Böses unterstellen. Trotzdem frage ich mich: Was läuft denn hier ab? Gehen wir im Ernst davon aus, dass eine Frau mit 40 nicht mehr so leistungsfähig ist wie mit 25? So dass der Betrieb dann leichter auf sie verzichten kann? Gehen wir andererseits davon aus, dass der berufliche Wiedereinstieg nach einer Schwangerschaft mit 40 leichter ist als mit 25 oder 30?

Natürlich ist das Argument an dieser Stelle, dass Kinder für die Karriere einer Frau ein echtes Hindernis sind. Und in der Tat: Das ist das Problem. Aber dieses Problem verlangt nicht nach technischen Lösungen. Sondern nach politischen und gesellschaftlichen.

Das Ziel kann doch nicht sein, dass der Arbeitgeber vorschreibt, wann eine Angestellte Kinder kriegen darf. Sondern das Ziel muss sein: Wir schaffen Rahmenbedingungen, so dass ein Mann und eine Frau privat entscheiden können, ob und wann sie Kinder bekommen möchten. Ohne Druck vom Arbeitgeber und ohne dass diese Entscheidung die berufliche Laufbahn beendet! Denn egal, ob das Karriereende mit 25 droht oder mit 40 - schmerzhaft und frustrierend ist es in jedem Fall.

Das heißt: Der technische Fortschritt verschiebt das Problem weiter nach hinten. Er macht es aber weder kleiner noch erträglicher. Er verschärft das Problem sogar, weil er Möglichkeiten eröffnet, die Menschen immer weiter an die Arbeitswelt anzupassen. Wenn es für den Betrieb notwendig ist, muss der Kinderwunsch zurückstehen. Ja, er muss geradezu eingefroren werden. Ohne Garantie dafür, dass es später möglich sein wird, ein Kind zu bekommen. Denn wer weiß schon, wie es tatsächlich in 10 oder 15 Jahren privat und beruflich aussieht?

Deswegen meine ich: Kein Arbeitgeber hat das Recht, zu verlangen, dass Angestellte ihren Kinderwunsch einfrieren. Es kann nicht unser Ziel sein, die Menschen an die Arbeitswelt anzugleichen. Sondern es muss darum gehen, die Arbeitswelt auf die Menschen auszurichten. Beruf und Familie vereinbar zu machen. Frauen die Möglichkeit zu geben, Kinder zu bekommen und trotzdem erfolgreich zu sein.

Das ist das Entscheidende. Darum müssen wir uns bemühen. Das muss in unserem Land möglich sein. Denn das Leben von Menschen muss immer wichtiger sein als die Ansprüche von Betrieben. Das gilt für das Leben der Beschäftigten. Und für das Leben ihrer Kinder.

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