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Kirche in WDR 5 | 29.09.2015 | 06:55 Uhr

Klartext für die Schöpfung

Guten Morgen, direkt, eindeutig, prägnant. So sind sie manchmal, die Worte aus der Bibel, dem Glaubensbuch der Christen. Ganz ohne diplomatische Floskeln und völlig unausgewogen drücken sie aus, was Gott von seinen Menschenkindern will. Im Buch der Sprüche (14,31) heißt es zum Beispiel: „Wer dem Geringen Gewalt tut, lästert dessen Schöpfer.“

Der Gedanke ist ganz klar: Gott, der Schöpfer, hat ein Herz für die Ausgemusterten und Verachteten. Und er hat auch die im Blick, die nicht in der ersten Reihe sitzen. Denn er hat nur eine Menschheits-Familie. Alle hat er geschaffen, sie alle sind seine Verwandten. Gottes Kinder kommen aus dem Süden und aus dem Norden, aus dem Osten und dem Westen. Weder Herkunft noch Schulabschluss, weder Nationalität noch Status, weder Kontostand noch Wohngegend zählen. Wer an diesen Gott glaubt, der behandelt seine Mitmenschen nach diesen Maßstäben. Und er wird nicht etwas ganz anderes tun als Gott will. Denn Glaube und Tun gehören zusammen. Gott sortiert niemanden aus. Und das verpflichtet die Glaubenden, sich entsprechend zu verhalten – die Mitmenschen zu achten zum Beispiel. Gut wäre das für unser Zusammenleben!

Solche klaren Worte aus der Bibel liegen derzeit allerdings ganz und gar nicht im Trend. Sie gehen offenkundig vielen gegen den Strich. Viel zu viele bekennen sich in unserem Land immer offener zu ihrer Fremdenfeindlichkeit. Inzwischen gehören Bilder von Protesten gegen Flüchtlingsunterkünfte und sogar von brennenden Flüchtlingsunterkünften schon genauso zu den Abendnachrichten wie der Wetterbericht. Unmöglich!

Der christliche Glaube und Fremdenfeindlichkeit passen nicht zusammen. Wer Flüchtlinge drangsaliert, bedroht, verachtet oder verbal niedermacht, kann den christlichen Glauben nicht für sich in Anspruch nehmen. Mitnichten wird das christliche Abendland verteidigt, wenn gleichzeitig gegen Flüchtlinge und Fremde mobil gemacht wird. Hier geschieht etwas anderes: „Wer dem Geringen Gewalt tut, lästert dessen Schöpfer.“ Wer so handelt nimmt Gott nicht ernst und geht auf Distanz zu ihm. Das ist gelebter Unglaube. Wer sich zu Gott dem Schöpfer bekennt, im Alltag aber Fremde gering achtet – dessen Tun widerspricht dem christlichen Glauben.

Wer an den Gott der Bibel glaubt, wird weder die Geschöpfe noch die Schöpfung gering achten. Beides gehört für mich zusammen. Die Realität sieht aber anders aus: Christen glauben an Gott den Schöpfer, aber muten der Schöpfung genauso viel zu, wie die Nicht- oder Andersgläubigen. Ob gläubig oder nicht – wir fahren Auto, jetten von hier nach da. Die Folge: Erderwärmung. Die aber wird ja nicht für angenehmeres Wetter in unseren Breiten sorgen. Sondern sie hat unumkehrbare Konsequenzen für den ganzen Planeten. Schon jetzt leiden Menschen zum Beispiel im Pazifik an den Folgen. Klimawandel ist auch eine Fluchtursache. Wir leben aber - ob Christen oder nicht - in Europa und Nordamerika so, als hätten wir eine zweite Welt in Reserve. Wer aber die Schöpfung nicht pflegt und bewahrt, der lästert deren Schöpfer.

Ich möchte Ihnen nicht den Einstieg in den Tag verderben, aber: Worte aus der Bibel rütteln manchmal auf. Sie sind Wachmacher. Und die brauchen wir immer wieder, damit wir nicht tatenlos und gedankenlos leben als gäbe es kein Morgen.

Wir brauchen etwas anderes. Einen wachen Blick für die Menschen, denen Sie heute begegnen und für die Schönheit der Schöpfung.

Das wünscht Ihnen Manfred Rekowski, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland.

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