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katholisch

Kirche in WDR 3 | 13.11.2017 | 07:50 Uhr

Klopfzeichen

Da hat sie einfach die Türe nicht aufgemacht. Dabei wäre das eigentlich ihr Job gewesen. Rhode ist Angestellte in einem großen Haushalt in Jerusalem. Dieses Haus ist damals Dreh- und Angelpunkte der jungen Christengemeinde, die sich nach Jesu Tod und Auferstehung bildet. Rhode ist die Magd und kennt sie alle: die Jüngerinnen und Jünger Jesu und wer da sonst eine Rolle spielt. Daher natürlich auch den, der jetzt anklopft. Eigentlich ist also keine Gefahr im Verzug – warum aber dann machte sie nicht gleich auf?

Liebe Hörerinnen und Hörer, die etwas wunderliche Geschichte der Rhode wird in der Bibel erzählt, in der Apostelgeschichte. Und derjenige, der anklopft ist niemand anders als Petrus selbst. Der war zwischenzeitlich im Gefängnis, jetzt aber wundersam wieder freigekommen und wollte zum Rest der Jünger dazustoßen. Und die nun folgende Szene hat etwas von einer Verwechslungskomödie: Petrus klopft an das Tor, Rhode kommt, um zu öffnen, und dann steht in der Apostelgeschichte:

Sprecher:

Sie „erkannte die Stimme des Petrus, doch vor Freude machte sie das Tor nicht auf“ (Apg 12,14).

Als Petrus beharrlich klopft und Rhode schließlich öffnet, staunen alle.

Eine seltsame Geschichte. Ist Rhode in Schockstarre gefallen? War sie vor Freude handlungsunfähig? Was mag Petrus wohl gedacht haben? Manchmal habe ich gelächelt über Rhodes Hilflosigkeit.

Irgendwann habe ich eine Parallele in meinem Leben entdeckt. Auch da gibt es Klopfzeichen: Jemand bittet um Einlass, um Zeit, um ein Gespräch. Ich höre das Klopfen mit meinen Ohren, aber nicht mit meinem Herzen. Und ich mache das Tor, meinen Kalender, mein Leben nicht auf. Wie gut, wenn der Mensch vor meiner Tür beharrlich klopft und vielleicht auch ein zweites oder drittes Mal anruft.

Zuweilen klopft auch Gott, und ich nehme das nicht wahr. Wahrscheinlich gab es Situationen, in denen Gott kein zweites Mal geklopft hat. Manchmal ist er aber auch beharrlich – wie Petrus. Dank seiner Hartnäckigkeit habe ich ihn dann auch gehört – und gefragt: Was willst du von mir? Oder: Welche Botschaft hast du für mich? Es ist nicht leicht, seinen Willen zu verstehen. Wenn es mir dann gelungen ist, ist die nächste Frage: Bin ich offen für das, was er von mir will? Einen Spalt breit öffne ich meine Tür – und ich bin froh, dass er mir offenbar wie Rhode Zeit lässt, die Tür ganz zu öffnen.

An Rhode und die Klopfzeichen muss ich in diesen bewegten Kirchen-Zeiten immer wieder denken, wenn Gemeinden und Pfarreien herausgefordert sind, über neue Strukturen nachzudenken. Mir scheint, wie damals in Jerusalem muss sich die Gemeinde der Christen gerade nochmal neu finden. Manche Türen bleiben verschlossen, auch wenn die, die schon da sind, ein Klopfen hören. Es braucht Mut, die Tür zu öffnen und Neues zuzulassen.

In dieser kirchlichen Umbruchszeit bin ich dankbar, dass es in der frühen Kirche eine Frau wie Rhode gab. Sie schärft mir die Ohren für die Klopfzeichen dieser Zeit.

Aus Mülheim an der Ruhr grüßt Sie Marie-Luise Langwald.

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