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Kirche in WDR 3 | 13.01.2018 | 07:50 Uhr

Kriecht aus Eurem Schneckenhaus

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer,

ich war früher Pfadfinder. Also – so mit Hut und Hemd und Halstuch. Wir sind ins Lager gefahren. Haben um die Zelte Gräben ausgegraben, damit wir bei Regen nicht in nassen Schlafsäcken liegen mussten. Wir haben im Wald Donnerbalken ausgehoben. Und wir sind „gehikt“, sind raus aus dem Lager, haben uns drei Tage durchgeschlagen, auf Bauernhöfen übernachtet und wurden satt von dem, was die Natur oder irgendein lieber Mensch uns gab. Eine ziemlich bewegende Zeit war das.

Besondere gerne erinnere ich mich an die Abende am Lagerfeuer. Irgendeiner hatte meistens eine Gitarre dabei. Und dann haben wir da gesessen, haben in die Flammen geschaut und gesungen. Vor allem ein Lied, das mir heute immer wieder in den Sinn kommt. Da heißt es: „Kriecht aus Eurem Schneckenhaus, zieht die alten Kleider aus. Wir brauchen Mut und Phantasie – sonst ändern wir die Erde nie.“

Wissen Sie: Das Beste an diesem Lied ist für mich, dass da nicht die Rede ist von binomischen Formeln. Da wurde nicht gesungen: „Wir brauchen Kenntnisse in Rechtschreibung und Zeichensetzung“, um die Welt zu verändern. Oder: „Wir brauchen zertifizierte Fort- und Weiterbildungen, um die Welt besser zu machen.“ Da hieß es auch nicht: „Wir brauchen klare Regeln und Leute, die sich peinlich genau daran halten“, um unsere Erde lebens- und liebenswerter zu machen. Da war nicht vom Periodensystem die Rede, nicht von den Mendelschen Gesetzen, nicht von Computerkenntnissen, nicht von Wirtschaft, nicht von Erdkunde.

„Mut“ und „Phantasie“. Das braucht es. Und ich rufe mir das immer wieder gerne in Erinnerung. Damit ich mich nicht einrichte in einer Welt, in der alles geregelt zu sein scheint. Damit ich den Blick nicht verliere für die, die immer noch kämpfen müssen. Und dass mir das bewusst bleibt: Dass die Welt Leidenschaft braucht – nicht Bürokratie. Dass sie vor allem hier bei uns, in unseren Kirchengemeinden, etwas Rebellion nötig hat – nicht Regelwerk.

Für mich ist das nämlich eines der Zeichen, an denen ich in meinem Christsein erkannt werden möchte: Dass ich darum weiß, dass diese Welt noch nicht fertig ist. Und dass ich nicht dazu berufen bin, an ihrer Reglementierung und Bürokratisierung zu arbeiten – sondern daran, dass sie menschlicher wird. Herzlicher. Wärmer. Mit Mut und Phantasie.

Dass auch Sie das noch in sich spüren - Sehnsucht nach Weite, Hoffnung auf Horizonte und Mut in allen Stürmen – das wünsche ich Ihnen am Ende dieser Woche für heute und für alle Tage, Ihr Diakon Claudius Rosenthal aus Altenwenden

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