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evangelisch

Kirche in WDR 4 | 15.08.2018 | 08:55 Uhr

La Vierge

Guten Morgen,

mit dem VW-Bus unterwegs in der Bretagne. Vier Jugendliche und ich. Zum ersten Mal reisen wir zusammen. Unser Französisch ist holperig. Wir übernachten auf Campingplätzen oder Bauernhöfen. Am 15. August erreichen wir die Hauptstadt Rennes im Landesinneren. Wir haben kaum noch was zu essen. Die Lust auf Croissants und frisches Baguette mit Schokoladenaufstrich am Morgen ist groß. Es ist Sonntag.

In den Küstenorten war das bisher kein Problem gewesen. Einkaufen ging immer auch sonntags – wegen der Touristen. Doch an diesem Tag ging nichts. Wir schleichen durch menschenleere Straßen. Nirgendwo ein offenes Geschäft.

Endlich treffen wir einen Mann und fragen: Wo können wir einkaufen? Doch er zeigt nur mit dem Daumen zum Himmel und murmelt: „La Vierge“. La vierge – die Jungfrau, übersetzen wir und den Katholiken unter uns fällt ein: Mariä Himmelfahrt, ach ja. Bei uns in Nordrhein-Westfalen ist das ja kein staatlicher Feiertag. Aber hier in der Bretagne offensichtlich einer der höchsten.

Wir stapfen zurück zu unsrem Zelt. Unterwegs fallen uns Plakate auf: eine Lichter-Prozession wird darauf angekündigt. In der Abenddämmerung gehe ich zum Treffpunkt vor der Stadtmauer. Alte, Junge, Männer, Frauen und Kinder stellen sich locker hintereinander auf und ziehen singend durch die Straßen. Halten Becher mit Kerzen in der Hand.

Lautsprecher übertragen immer wieder lateinische Worte. Die Menschen murmeln mit. Ein Gebet, spüre ich. Höre zu und kann nach und nach einige Wörter übersetzen: „Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade, der Herr ist mit dir.“

Für mich als Evangelische ein unbekanntes Gebet. Als junge Frau fühle ich mich angesprochen: Wieviel Ehrfurcht die Leute Maria, der Mutter Jesu, in diesen Worten entgegenbringen. Die Menge betet weiter und ich erkenne die Worte: „Die Frucht deines Leibes“. Dann höre ich: „Bete für uns – ora pro nobis.“

Unterwegs auf unserer Reise hatte ich manchmal Angst gehabt: auf der Autobahn, beim Überholen, wenn wir müde waren, wenn es schwierig war, ein Quartier zu finden. Jetzt bete ich mit all diesen Fremden: Ja, bete für uns.

Ich gewöhne mich an das langsame Gehen, an das immer wiederkehrende Gebet. Als alle die Kerzen anzünden, genieße ich das feierliche Gefühl, das sich mit dem Lichtschein ausbreitet. Ich fühle mich getragen, getröstet und ermutigt.

Dass wir den ganzen Tag über nur Reste gegessen haben und auch unsere Rotweinbestände nicht nachfüllen konnten, was soll’s? Dafür hatte ich „La Vierge“ kennengelernt. Damals ist sie mir näher gekommen: Maria, die Mutter Jesu. Jung und unverheiratet und doch bereit, ein ganz besonderes Kind auszutragen. Bereit, sich einzulassen auf all die Überraschungen, die Gott ihr zumutete. Was für eine Frau! Ich zünde auch eine Kerze an. Und wünsche mir: „Gott, lass mich offen sein. Für alle Überraschungen, die du für mich bereithältst.“

Offene Arme und Herzen für alles, mit dem Gott Sie heute überraschen will, wünscht Ihnen, Pfarrerin Kathrin Koppe-Bäumer aus Meschede.

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