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Kirche in WDR 5 | 01.10.2015 | 06:55 Uhr

Lebendige Kirche

Guten Morgen!

Immer wieder werde ich als Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland auf den Zustand der evangelischen Kirche angesprochen. Man befragt mich über deren Probleme und Schwierigkeiten und ihre Zukunftsperspektiven. Wenn man wie ich seit mehr als 30 Jahren in der evangelischen Kirche arbeitet, dann kennt man ihre Stärken sehr gut. Man weiß was gelingt und wo wir Evangelische wirklich stark sind. Einen „Werbeblock“ für die Kirche zu halten, fällt mir nicht schwer: Ich erlebe oft sehr lebendige und lebensnahe Gottesdienste. In denen spüren alle, die dabei sind: Es gibt zwischen Himmel und Erde mehr als das, was man in Euro und Cent verrechnen kann. Menschen öffnen sich für Gott, begegnen ihm und öffnen sich für andere Menschen. Viele arbeiten haupt- oder ehrenamtlich in den diakonischen Bereichen von der Schuldnerberatung über die Flüchtlingsberatung bis zu Vormundschaften und Pflegschaften.

Andererseits: Ich spreche mit vielen Menschen, die in dieser Kirche arbeiten, die hier eine Heimat gefunden haben, die mit der evangelischen Kirche sympathisieren und zugleich aber auch immer wieder einmal oder auch regelmäßig an ihr leiden. Diese Gespräche zeigen mir dann die Schwächen der Kirche. Wenn ich öffentlich rede, dann spreche ich natürlich vor allem von den Chancen und Möglichkeiten sowie den Perspektiven: Neulich brachte ich es auf die Formel: „Wenn man will, dass die Kirche bleibt, darf man nicht wollen, dass sie so bleibt wie sie ist.“ - „Ja, genau“, sagten viele daraufhin, „Kirche darf nicht strukturkonservativ sein. Kirche ist immer reformbedürftig, aber auch reformfähig. Sie muss sich verändern, sie muss sich immer wieder auf neue Situationen, Themen und Herausforderungen einlassen.“

Aber ich bekam auch vereinzelte frustrierte und resignierte Reaktionen. Ein engagiertes Gemeindeglied berichtete mir folgendes: Die Gemeinde feiert einen einladenden Gottesdienst. Darin wird ein Kind getauft, also in die Kirchengemeinde aufgenommen. Die Pfarrerin ist sehr zugewandt, geht auf die Familie ein und findet Worte, die die Familie als hilfreich erlebt. Der Gottesdienst setzt sich fort, die in der Kirche anwesenden Kinder werden unruhig. Was Ausdruck der Lebendigkeit ist, wird von anderen Gottesdienstbesuchern als Störung erlebt. Sie rufen die Kinder zur Ordnung. Schließlich fordert man sie auf, die Kirche zu verlassen. Die Familie begreift, willkommen sind wir hier nicht. Eltern und Paten verlassen die Kirche. Für immer?

„Einladende Gemeinde wollen wir sein“, denke ich. „Erzählen davon, dass Jesus ein besonderes Verhältnis zu den Kindern hatte. Die haben sich vermutlich damals auch überwiegend höchst kindgemäß verhalten - vital und lebendig. Aber wir leben unbedacht etwas ganz anderes: Wir sorgen erst einmal ziemlich konsequent für Ordnung und Ruhe. Wenn wir das so tun, werden wir Friedhofsruhe in der Kirche herstellen. Wer sich auf Menschen einlässt, der muss mit allem rechnen: Eine Kirche, die kinderfreundlich sein will, wird auch ein wenig Chaos ertragen können und müssen.“ Und ich denke: „Vielleicht gilt das nicht nur für die evangelische Kirche, sondern überhaupt für unsere Gesellschaft!“

Eine lebendige und eine veränderungsbereite Kirche und Gesellschaft wünsche ich mir und Ihnen. Ihr Manfred Rekowski, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland.

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