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Kirche in WDR 2 | 20.06.2018 | 05:55 Uhr

Liebet eure Feinde

Es klappt im Alltag schon nicht mit der Nächstenliebe, geschweige denn mit der Forderung: „Liebet eure Feinde!“ Die Feindesliebe aber ist das eigentlich Besondere am Christentum.

Der bekannte Journalist und Schriftsteller Franz Alt hat über die Bergpredigt geschrieben, sie sei kein „Heimatroman“. Vielmehr sei sie das Grundsatzprogramm Jesu, die Provokation einer Politik, die für sich beansprucht, realistisch zu sein. Franz Alt berichtet darüber, wie ihm ein militärischer Berater von Gorbatschow nach der Wende erzählt hat, dass einige im Kreml bei der historischen Frage, ob man die Grenzen öffnen und sich damit dem Westen nähern wolle, mit dem Gedanken der Feindesliebe argumentiert haben. Ein Mann muss gesagt haben: „Wir werden im Geiste Jesu mit dem Wettrüsten aufhören, egal was der Westen tut.“ Man nehme der anderen Seite damit das Feindbild. Die historische Entscheidung hat damals die Welt verändert.

Im Moment passiert genau das Gegenteil: Feindbilder werden wieder aufgebaut! Es wird gezielt polarisiert in „Gute und Böse“. Das lässt unsere kompliziert gewordene Welt zwar überschaubarer erscheinen. Der Aufbau von Feindbildern aber diente immer bestimmten Interessen und hat oft genug schon in die Katastrophe geführt.

Wenn ich heute versuche, mein Denken und Leben an dem Gottes- und Menschenbild Jesu zu orientieren, dann stehe ich angesichts der sog. Realpolitik vor größeren Herausforderungen. Flüchtlinge in Lagern zu konzentrieren z.B., bis dass ein Asylverfahren abgeschlossen ist, passt nicht zur Identifikation Jesu mit den Armen und Fremden. Hier werden Menschen festgehalten, deren Vergehen darin besteht, geflüchtet zu sein. Viele sind schwer traumatisiert. Sie in die Ecke von Straftätern oder gar Terroristen zu rücken, um eine Kasernierung zu rechtfertigen, ist eine unheilvolle Polarisierung. Sie soll den rechten Parteien Wählerstimmen abgraben und zugleich Flüchtlinge abschrecken. Es sei denn, es handelt sich um Arbeitskräfte, die unsere Wirtschaft oder unser Gesundheitssystem dringend benötigen. In diesem Fall entscheidet nicht die Hilfebedürftigkeit über ein Bleiberecht der Menschen, sondern ihr ökonomischer Nutzen. Eine so verstandene „reale Politik“ ist eine diskriminierende. Sie wird, so befürchte ich, gesellschaftlich auf Dauer viel mehr Unheil anrichten, als was sie versucht zu verhindern.

Unrealistisch und naiv ist nicht die Feindesliebe. Unrealistisch und naiv ist der Glaube daran, man könne mit Feindbildern und Polarisierungen die Welt erklären.

Ich glaube, es lohnt sich, noch mal einen Moment darüber nachzudenken, was das „Liebet eure Feinde!“ eigentlich meint. Wer liebt, sieht sein Gegenüber mit anderen Augen. Auf diese Weise können wir ihnen die Feindbilder nehmen. Dann allerdings würde die Aufforderung Jesu unbedingt in eine Politik gehören, die neue Realitäten setzt.

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