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Kirche in WDR 3 | 29.03.2017 | 07:50 Uhr

Mein Vater hat mich sexuell missbraucht

O-Ton 1: Mein Vater hat mich sexuell missbraucht. Das heißt, ich habe die Wahrheit ausgesprochen, ich habe nicht mehr versucht, es zu verstecken oder meinen Vater irgendwie zu rechtfertigen oder immer zu sagen, es kann eigentlich nicht sein,

Autorin: sagt Ille Ochs. Als sie das zum ersten Mal so deutlich aussprechen kann, ist sie schon 47. Heute ist die Theologin und Therapeutin, Anfang sechzig und hat ein Buch geschrieben über das, was ihr passiert ist und über ihren Lebens- und Heilungsweg.

O-Ton 2: Mir ist es vor allen Dinge wichtig, auch zu zeigen, wie wirkt sich ein sexueller Missbrauch aus, wie kann er sich auf das ganze Leben auswirken. (…) Ich hatte vor allem Angst. Und dazu kamen ganz massive Schuldgefühle. Ich fühlte mich immer schlecht, nie richtig, anders als die andern und hatte immer so das Gefühl, eigentlich bin ich nicht liebenswert oder ich darf gar nicht leben, so wie ich bin.

Autorin: Die kleine, missbrauchte Ille schämt sich. Entwickelt einen Waschzwang. Weigert sich einzuschlafen. Haut aus dem Kindergarten ab, schwänzt die Schule.

O-Ton 3: In der Teeniezeit wollte ich schon ganz oft nicht mehr leben, weil mir das Leben zu anstrengend war.

Autorin: Ihre Hilfeschreie bleiben ungehört. Sie kann ja auch nicht genau sagen, was mit ihr los ist. Hat das, was sie in der frühen Kindheit erlebt hat, tief im Innern vergraben. Später als Erwachsene und längst verheiratet bekommt sie Panikattacken und Herzrasen. Bei einer christlichen Konferenz meditiert sie und sieht als inneres Bild ihren Vater, einen Lastkraftwagenfahrer:

O-Ton 4: Und ich sah ganz viele kniende Menschen vor dem Lkw mit ausgestreckten Armen. (…) Und er war wirklich auf einem Sockel. Und das war wie so: Ja, die beten ihn quasi an. Und da spürte ich so zum ersten Mal, irgendetwas stimmt hier nicht. Irgendwas hat mit meinem Vater nicht gestimmt, und mein Vater gehört auch nicht auf einen Sockel.

Autorin: In Ille Ochs Kindheit und Jugend ist ihr Vater im Bund freier evangelischer Gemeinden sehr engagiert. Als „Onkel Karl“ ist er als Leiter von Kinder- und Jugendfreizeiten ausgesprochen beliebt. Bis herauskommt: Er hat bei einer Freizeit zwei Mädchen sexuell missbraucht. Später wird klar: Sie waren nicht die einzigen. Da niemand ihn anzeigt, wird er nie verurteilt werden. Nur nach und nach lässt Ille Ochs die Wahrheit zu, dass der geliebte Vater auch sie missbraucht hat. Tanztherapie und Träume weisen ihr den Weg. Schwere Albträume und Träume, die Mut machen, wie dieser: In der Straße ihrer Kindheit klafft unter einer Eisenplatte ein tiefes schwarzes Loch:

O-Ton 5: Und in diesem Moment, als ich da reinguckte, hatte ich einen Schutzhelm auf. Und ich habe so dieses Empfinden gehabt, dass eine Stimme, dass Gott quasi zu mir gesagt: Möchtest du wirklich hinschauen? Du brauchst keine Angst zu haben.

Autorin: Ille Ochs nimmt ihre Geschichte an. Nimmt sich selbst an. Entscheidet sich, alte Überlebensmuster abzulegen: Die Scham. Die Angst. Als sie ihren Vater besucht und sagt: Du hast mich sexuell missbraucht, ist er schon 88 und sehr krank.

O-Ton 6: Aber als ich das sagte, hat er plötzlich sehr stark emotional reagiert und hat also angefangen zu weinen.

Autorin: Dann hat sie den Impuls:

O-Ton 7: Ich muss das auf der Beerdigung sagen, öffentlich machen. (…) Und habe dann wirklich in der Kapelle vor diesen ganzen Menschen habe ich erzählt, was mit meinem Vater eben auch war.

Autorin: Dass er Kinder missbraucht hat. Viele haben ihr das gedankt. Andere haben die Beziehung abgebrochen. Ihr Mann ist geblieben. Heute hilft Ille Ochs anderen, ihre Wunden zu heilen.

Autorin: Dass Unrecht ans Licht kommt und sein Urteil findet, das wünscht sich Pfarrerin Petra Schulze aus Düsseldorf.

Literatur: Ille Ochs: Im Käfig der Angst. Missbrauch in der heilen Welt. Holzgerlingen: SCM-Verlag, 2016.

http://www.illeochs.de/index.htm

https://www.hilfeportal-missbrauch.de/informationen/uebersicht-sexueller-missbrauch/zahlen-und-fakten.html

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