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katholisch

Hörmal | 28.01.2018 | 07:45 Uhr

Ministerin gegen Einsamkeit

Großbritannien hat jetzt eine Ministerin für Einsamkeit. Richtig gehört. Naja, eigentlich eher eine Ministerin gegen Einsamkeit. Auf der Insel gilt Einsamkeit als so eine umgreifende Sache, als eine Art Epidemie, dass da jetzt von staatlicher Seite gegengelenkt werden soll. Laut einer Studie sind 9 Millionen Briten einsam. Die Studie besagt, es gebe Menschen, die hätten z.T. nur einmal pro Monat Kontakt mit einem anderen Menschen. Die Ministerin will das jetzt mit gezielten Maßnahmen angehen. …Ob das so einfach ist? Ich bin gespannt.

Jedenfalls spannend finde ich, wie sehr die britische Regierung Einsam-Sein als Problem ansieht, ja sogar als Krankheit. Einsamkeit ist ja eine schleichende Angelegenheit und sie findet im Verborgenen statt.

Derzeit kann ich mir schwer vorstellen, wie sich das anfühlen muss, permanent einsam zu sein. Dazu bin ich im Job und privat zu sehr eingespannt. Aber ich kann mich an eine Zeit erinnern, in der ich viel mit Einsamkeit zu kämpfen hatte. Und das war zu einer Zeit, in der man eigentlich auf der Straße mit anderen spielt und tollt – das war, als ich Kind war. Da hatte ich einen schweren Unfall. Und weil mein Schädel wieder zusammen wachsen musste, konnte ich mehrere Monate fast nichts machen. Mir kam das damals wie eine Ewigkeit vor. Lange waren Sport und Rumtollen nicht möglich. Ich las den Brockhaus gegen meine Langeweile an – statt Freundschaften zu pflegen. Ich habe mich damals wie in einen Kokon zurückgezogen – so würde ich das heute bezeichnen. Die Folge: Der Kopf wurde heil, aber meine Beziehungsfühler gingen irgendwie kaputt. Jedenfalls fand ich es echt schwer, da wieder Anschluss zu finden nach der Zeit.

Was mich damals aus der Einsamkeit raus gezogen hat? Das war jemand wie Ingrid. Die hatte als Jugendreferentin in unserer Kirchengemeinde gearbeitet. Meine Schwester hatte mich da mal zu einem Treff mitgeschleift und Ingrid hatte den richtigen Blick für mich. Ob sie das selbst wusste, weiß ich nicht, aber sie hat mich mit ihrer Art regelrecht rausgelockt aus meinem Kokon. Auf einmal habe ich in ganz vielen Gruppen und Aktionen mitgemacht. Ich wurde später sogar Jugendleiter und war stellenweise mehr in der Gemeinde zu sehen, als zu Haus. Das war mein Anti-Einsamkeitsprogramm – ausgelöst durch den wachen Blick von Ingrid.

Wenn man so will, war Ingrid meine „Ministerin gegen Einsamkeit“. Ich sehe sie hin und wieder – auch wenn wir mittlerweile an ganz verschiedenen Orten arbeiten. Dann raune ich ihr eigentlich immer zu: Du bist mit schuld, dass ich hier in der Kirche arbeite. Sie lacht dann meist, denn sie kennt das schon von mir. Aber ich bin ihr sehr dankbar. Und ich wünsche den Einsamen – und es gibt auch hierzulande viele – dass sie noch einmal in ihrem Leben ihre persönliche Ministerin, ihren persönlichen Minister gegen Einsamkeit finden. Jemand, der oder die ihnen hilft, aus dem Kokon heraus zu kommen und ich wünsche mir mehr Menschen mit so einem wachen Blick wie Ingrid ihn hatte, meine Ministerin gegen Einsamkeit.

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