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evangelisch

Kirche in WDR 2 | 14.02.2017 | 05:55 Uhr

Mut

Zitat: Alsdann mit Freuden an dein Werk gegangen. (1)

Autorin: Jedes Mal, wenn wir in Wittenberg sind, gehen mein Mann und ich in die Schlosskirche und bringen eine Rose an das Grab von Martin Luther. Denn seinem Mut haben wir es zu verdanken, dass wir heute evangelisch sind.

Einmal war ich ganz allein an Luthers Grab, unter der Kanzel. Und plötzlich war ich im Gespräch mit ihm. Sag mal Martin, hast du eigentlich nie Angst gehabt? Von deinen Gegnern freigegeben zum Abschuss… Da hätte dich doch jederzeit einer ungestraft umbringen können. Das steckt doch keiner so einfach weg und geht zur Tagesordnung über.

Luther (Sprecher): Nicht so einfach. Aber weißt du, mehr Angst hatte ich lange Zeit vor Gott. Das hat mich total beschäftigt. Aber das hatte ich dann irgendwann so endgültig mit ihm geklärt, dass ich auch vor den Menschen kaum noch Angst hatte.

Autorin: Diesen Glauben möcht´ ich haben. Aber, es konnte dir doch nicht gleichgültig sein, was aus deiner Reformation wird. Stell dir vor, dich hätte wirklich jemand umgebracht.

Luther (Sprecher): Ich bitte dich, unser Leben kann doch jederzeit zu Ende sein...

Terroristen nennt ihr sie. Räuber und Überfälle gab es bei uns genauso, wenn nicht sogar noch mehr. Und denk´ mal an all diese Krankheiten. Da konnte wirklich jedes Stündchen dein letztes sein.

Autorin: Sag mal, war deine Frau Katharina von Bora eigentlich genauso mutig wie du?

Luther (Sprecher): Manchmal denke ich, sie war übermütig. Aus dem Kloster flüchten wollten sie, diese jungen Dinger. Sie und ihre Mitschwestern. Und wer war dafür verantwortlich? Ich, mit meinen reformatorischen Gedanken. Ich hab einen Freund ins Vertrauen gezogen. Und als der mal wieder mal Fisch und Bier ins Kloster liefern musste, da hat er die Mädchen in den leeren Fässern versteckt und mit nach Wittenberg gebracht. Wenn das aufgeflogen wäre. Nicht auszudenken. (2)

Autorin: Ist ja noch mal gutgegangen.

Luther (Sprecher): Das bringt mich heute noch auf die Palme. Dass die einfach so flüchten wollten. So unbedacht. So ohne Plan. Ohne Angst zu sein ist gut, aber diese absolute Sorglosigkeit, diese Unvorsichtigkeit von Katharina und ihren Mitschwestern…

Autorin: Das ist für meinen Mann und mich auch immer eine schwierige Frage: Wieviel Angst ist gut, damit wir nicht unvorsichtig oder nachlässig werden. Und wieviel Angst schadet, weil sie lähmt. Oder wann ist sie einfach übertrieben, das, was man ‚German Angst‘ nennt.

Luther (Sprecher): Ja, schwierig. Wir müssen jeden Tag gucken, wie wir damit klarkommen. Ich für mich habe es so gemacht, dass ich jeden Morgen gebetet habe. Jeden Morgen dasselbe: Ich habe Gott gedankt, dass er mich diese Nacht vor allem Schaden und aller Gefahr bewahrt hat und ihn gebeten, dass er mich auch diesen Tag behütet vor allem Übel.

Autorin: Und was hat dir das gebracht?

Luther (Sprecher): Am Ende des Gebetes hab´ ich immer gedacht: Alsdann mit Freuden an dein Werk gegangen.

Autorin: Heißt: Gucken was ich kann. Ärmel aufkrempeln und das tun was dran ist. Und den Rest Gott überlassen. Das ist evangelisch.

(1 ) Luthers Morgensegen, Evangelisches Gesangbuch RWL, S. 1395.

(2 ) Horst Herrmann: Martin Luther. Eine Biographie, Aufbau Verlag, Berlin, 4. Auflage, 2006, S. 440ff.

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