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Kirche in WDR 2 | 25.05.2018 | 05:55 Uhr

Muttersöhnchen

Ich höre ihre Stimme und für einen Moment denke ich, dass ein Blitz in meinem Herzen einschlägt – Ich stehe mitten in einer Messehalle. Das Handy am Ohr. Um mich herum ganz viele Menschen. Und ich fühle mich mutterseelenallein.

Im wahrsten Sinn des Wortes.

Denn die Stimme auf der Mailbox gehört zwar meiner Mutter, aber die ist vor einigen Wochen gestorben. Ich will eigentlich meinen Vater anrufen, habe aber völlig vergessen, dass meine Mutter die Mailbox des gemeinsamen Handys besprochen hat.

Ihre Stimme klingt so lebendig und sanft. Das macht mich fertig. Ich trauere doch eh total intensiv und trotzdem kommt es mir so vor, als schiebt sich dieser schwarze Schleier immer wieder in den Vordergrund, so als sagt eine innere Stimme: Hallo! Ich bin es! Die Trauer! Ich bin immer noch da! Glaub bloß nicht, dass du mich so leicht los wirst!

Ich stehle mich aus dem Messegetümmel, verschwinde hinter einem Messestand und atme tief durch. Die Leidensgeschichte läuft wie ein Film vor meinem inneren Auge ab - Die Diagnose vor vielen Jahren. Die ganzen Höhen und Tiefen. Hoffnung und Hoffnungslosigkeit. Arztbesuche. Dann die Gespräche mit den Palliativmedizinern. Lange Zeit Ruhe und wunderbare Momente, doch dann geht es ganz schnell. Ich sitze an ihrem Bett und halte ihre Hand. Die letzten Atemzüge.

Die Seele meiner Mutter ist nicht mehr bei uns.

Dankbarkeit für all das, was sie für mich, meine Schwester und meinen Vater gewesen ist. Ich war ein Muttersöhnchen. Buchstäblich! Ich stehe dazu. Deshalb tut es auch so weh!

Wenn die Trauer hochkommt. Ich bin traurig über all das, was jetzt nicht mehr ist. Gespräche, der Anruf, wenn ich unterwegs bin: Junge, alles klar!?

´Unfassbar, was das Leben uns antut! Unfassbar, was das Leben uns schenkt. Mitten in diesem Widerspruch wohne ich.´ Die Worte von der Theologin und Existenzanalytikerin Antje Sabine Naegli begleiten mich seit dem Tod meiner Mutter. Mit diesem Spruch fühlt sich meine Existenz im Moment perfekt analysiert an. Unfassbar, was das Leben uns antut! Unfassbar, was das Leben uns schenkt. Mitten in diesem Widerspruch wohne ich.´

Es ist genau dieser Widerspruch zwischen Dankbarkeit und Trauer, der mich umgibt. Der sich wahrscheinlich auch nie ganz auflösen lässt. Zumindest nicht in diesem Leben. Ich glaube, dass die Seele meiner Mutter weiterlebt. Das es ihr gut geht. Das sie bei Gott ist. Ich trauere darum, dass ich nicht weiß, wo genau sie jetzt ist und warum das überhaupt so ist mit dem Geborenwerden und dem Sterben.

Mit diesen beiden Gefühlslagen muss ich umgehen. Mitten im Alltag. Ich will meine Erfahrungen mit dem Tod in mein Leben integrieren. Für mich allein. Und ich fange damit an, in dem ich mitten im Getümmel einer Messehalle ein Gebet spreche. ´Danke für die wunderbare Zeit mit meiner Mutter. Bitte pass auf sie auf.´

Und dann gehe ich an eine Imbissbude auf dem Messegelände und kaufe mir eine völlig überteuerte Frikadelle. Die hat meine Mutter auch oft gemacht. Die haben auch besser geschmeckt, aber mit meinen Gedanken bin ich trotzdem bei ihr und muss lächeln

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