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Kirche in WDR 2 | 16.04.2015 | 05:55 Uhr

Nach Ostern ist vor Ostern

Nach Ostern ist vor Ostern. Die Feiertage sind vorbei. Der Alltag hat uns wieder: Der Radiowecker am Morgen, die wenigen Minuten im Bad, Frühstück im Vorbeigehen, der morgendliche „Run“ zur Bushaltestelle.

„Vielleicht nicht schlecht“, denke ich. „Es gab sowieso zu viel Schokolade und Cholesterin“ und binde mir beim Laufen die Schuhe zu. Im Bus der morgendliche Kampf um Quadratzentimeter. Das Aufatmen draußen. Überlebt.

„Und was habt Ihr Ostern gemacht?“ fragt der Kollege auf dem Gang.

Ich überlege: Eier verstecken, Eier suchen, Eier essen, Osterhasen köpfen. Spazieren gehen, Kino. „Wir waren auf den Malediven“, ruft der Kollege noch von weitem durch den Gang, bevor er tänzelnd im Aufzug verschwindet.

Wie war das noch mit Ostern? Irgendwie ging es ums Aufstehen, um ein anderes Leben. Neues Leben hat jedenfalls nichts mit meinem Alltag zu tun. Wenn schon eher mit den Malediven, und ich merke einen Anflug von Neid. Im Büro schalte ich den PC ein und google: „Ostern“ – die „jährliche Gedächtnisfeier der Auferstehung Jesu“.

Ich erinnere mich: Der Mann wagte damals den Aufstand. Er trat ein für Gerechtigkeit und Menschenliebe. Er verlor den Kampf. Man legte ihn aufs Kreuz und meinte damit, die Sache erledigt zu haben. Tod ist Tod. Fertig. Mit seiner rechtskräftigen Verurteilung sollte alles so weitergehen können wie bis dahin. Seine Sympathisantinnen und Sympathisanten hatten sich so viel von ihm erhofft. Jetzt erlebten sie das Ende. Noch während seines Prozesses mussten sie selbst vor der Polizei untertauchen.

Mit Ostern verbinden sich ursprünglich nicht die Malediven nach dem Motto: „Mach mal Urlaub. Du scheinst am Ende zu sein!“ Da steht auch nichts von Eier verstecken und Eier suchen. Es geht weniger um erhöhte Cholesterinwerte als um die Idee, dass der Tod nicht das letzte Wort hat.

Genau darüber erzählen ein paar merkwürdige Geschichten in der Bibel, die sich einige Tage nach der Hinrichtung Jesu ereigneten. Sie berichten davon, dass sich durch Ostern das Verständnis von Leben und Tod, Alltag und das, was wir Realität nennen, verändert haben. Während wir alltäglich mit der Organisation unseres Überlebens beschäftigt sind, gibt Gott den Totgesagten Recht. Auf einmal gerät alles durcheinander: Tod ist nicht mehr Tod. 2 und 2 ist nicht mehr 4. Die Letzten sind die Ersten. Gesetze werden für die Menschen gemacht und nicht umgekehrt. Auf einmal ist nichts mehr selbstverständlich. „Mitten im Tod sind wir im Leben“, hat Martin Luther mal dazu gesagt.

Die merkwürdigen Ostergeschichten in der Bibel erzählen von Menschen, die aus ihren Verstecken kommen, ihre Angst ablegen und den Alltag neu gestalten. Auferstehung passiert mitten drin, unter uns. Wenn jemand plötzlich Dinge tut, die man nie erwartet hätte: Da macht einer im Betrieb den Mund auf, der seit Jahren tot zu sein schien. Eine Frau steht vom Küchentisch auf und sagt plötzlich: „Das kann doch nicht alles gewesen sein!“

Die Feiertage sind vorbei. Der Alltag hat uns wieder. Nach Ostern ist vor Ostern. Ich wünsche Ihnen und mir in diesen Tagen einen Augenblick, wo wir uns plötzlich lebendig fühlen! Mitten drin.

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