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Kirche in WDR 2 | 03.03.2017 | 05:55 Uhr

Neue Familienformen

Autorin 1: In meinem Bekanntenkreis gibt es Menschen, die wünschen sich nichts mehr als ein Kind. Zum Beispiel Anja. Sie ist Lehrerin, hat mehrere Jahre mit einem Mann zusammengelebt, von dem sie sich aber vor drei Jahren getrennt hat. Es folgte eine Affäre mit einem Kollegen, von dem sie emotional kaum mehr los kam. Am Ende der Klassiker: Er blieb bei seiner Familie und sie steht jetzt mit Mitte vierzig alleine da. Und vor allem: ohne Kind.

Oder Markus und Bernd. Sie leben seit mehreren Jahren in einer eingetragenen Partnerschaft, sind eigentlich glücklich, aber ein Kind wäre für sie ein Geschenk des Himmels. Bis vor kurzem dachte ich noch: „Echt schade, dass sie keine Eltern sind“. Dann habe ich das erste Mal von “Co-Parenting” gehört, einer neuen Familienform. Da suchen Menschen mit Kinderwunsch auf online-Portalen andere Menschen, um gemeinsam ein Kind zu bekommen und großzuziehen. Sie treffen sich, sprechen über Erziehungsvorstellungen, lernen sich kennen, können sich ineinander verlieben - müssen es aber nicht, denn im Mittelpunkt ihrer Beziehung steht nicht die Liebe zueinander, sondern die Liebe und die Verantwortung für das gemeinsame Kind. Im Prinzip so wie Eltern, die sich, nach der Scheidung, gemeinsam um ihre Kinder kümmern und gleichberechtigt die Sorge tragen. Nur das Ganze eben ohne Scheidung und ohne all den Stress und Schmerz der Trennung.

Ich habe mit verschiedenen Menschen über diese neue Familienform gesprochen. „Wie irrsinnig“, sagen die einen. „Purer Egoismus und Machbarkeitswahn. Kinder sollten aus Liebe entstehen, sie sind ein Geschenk und nichts, was man sich auch noch anschaffen oder „machen“ kann.“ Andere sind eher verblüfft von der Idee, Liebesbeziehung und Familienverantwortung getrennt voneinander zu denken. Und wieder andere sehen genau dieses Lebenskonzept als Lösung ihres unerfüllten Kinderwunsches.

Und was sagt „die Kirche“ dazu?

Im Familienpapier der EKD steht: Familie ist überall dort, wo Menschen für einander Verantwortung übernehmen. Ein Blick in die Bibel verblüfft: Sie ist voll von Geschichten über vielfältige Familienformen. Da sind Maria und Josef, die „heilige Familie“, die als Unverheiratete ihr Kind bekommen oder Sara und Abraham, die durch die Leihmutter Hagar erst spät zum Elternglück kommen.

Jürgen Ebach, emeritierter Professor für Exegese und Theologie des Alten Testaments, sagte mal: „Zum Leitbild der Ehe und deren Vorrang vor anderen Familienformen taugt die Bibel nicht.“ Einfache Antworten scheint es also auch hier nicht zu geben und sie sind auch nicht sinnvoll. Vielleicht sollten wir uns weniger fragen, ob „Co-parenting“ als neue Familienform ethisch verwerflich ist. Vielleicht sollten wir uns eher fragen, wie wir Familie verlässlich und verantwortungsvoll leben können. Und uns daran erinnern, dass sich unserer Leben immer wieder unserer eigenen Kraft und aller Machbarkeit entzieht.

Wir können zwar versuchen, an unserem Lebensglück zu arbeiten oder bewusst beschließen, glücklich zu sein, aber letztendlich liegt unser Leben - alles Gelingen und alles Scheitern – nicht in unserer, sondern in Gottes Hand.

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