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Kirche in WDR 2 | 15.04.2017 | 05:55 Uhr

Nicht ohne uns über uns

Das Haus auf dem grünen Hügel sieht einladend aus. Wir gehen durch den Park der psychiatrischen Klinik. Alte Bäume in zartem Grün und Osterglocken auf den Wiesen. Sonne. Mein erster Tag als Praktikantin bei einem Klinikpfarrer. Er begleitet mich zu der Station, auf der ich in den nächsten vierzehn Tagen Dienst haben werde. „Berührungsängste, die darfst du hier nicht haben“, bereitet er mich vor. „Du triffst Frauen und Männer, die können nicht sprechen. Die können sich teilweise kaum bewegen. Manchen läuft der Speichel aus dem Mund. Einig werden dich direkt umarmen. Wenn du damit nicht klarkommst, musst du das sagen, dann bist du da falsch.“

Ich bin gespannt. Natürlich weiß ich nicht genau, wie leicht oder schwer mir die Begegnungen hier in der Wohngruppe auf dem Klinikgelände tatsächlich fallen werden. Kriege ich das hin, mit dem Kontakt? Bin ich aufgeschlossen genug. Geduldig genug.

Dann geht die Tür auf. Und einer der Bewohner der Wohngruppe überreicht mir zur Begrüßung lachend einen ziemlich vollgesabberten Plastikigel. Ich zögere ein bisschen ihn in die Hand zu nehmen. So ganz leichtfüßig gelingt mir der Einstieg nicht. Dann aber wandert der Igel zwischen uns hin und her. Wir lachen uns scheckig. Er bekommt ihn natürlich am Ende zurück. Es ist sein liebstes Spielzeug.

Die Bewohnerinnen und Bewohner dieses Hauses haben einiges durchgemacht. Sie sind aus einer Einrichtung hierhergekommen, in der sie am Ende vernachlässigt wurden. Aus den Patientenakten geht hervor, dass viele von ihnen schon einmal sehr viel konnten und wieder verlernt haben. Volkslieder auswendig singen zum Beispiel. Oder sich selbst die Zähne putzen. Nach und nach legen die Pflegekräfte, Assistenten und Therapeuten Verschüttetes frei, fördern die Fähigkeiten wieder zu tage. Ein Bewohner spielt sogar in der Band des Pfarrers in der Klinikkirche mit. Mundharmonika. Ohne Noten. Denn die hat er nie gelernt.

Einige seiner Mitbewohner sind auch da. Begleitet von ihren Assistenten. Und jetzt lachen, jubeln, klatschen sie. Die Rollstühle geraten ins Wanken – pure Lebenslust. Endlich mal richtig Stimmung in der Kirche.

Und plötzlich singt eine Bewohnerin, die sonst kein Wort spricht, in klaren Worten und mit schöner heller Stimme: „Der Mond ist aufgegangen.“ Ich muss weinen – traurig und froh zugleich.

An all das musste ich denken, als ich in den vergangenen Monaten einen Fernsehgottesdienst aus den von Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel vorbereitet habe. Nach dem Motto „Nicht ohne uns über uns“ machen hier alle mit. Das Team integrative Öffentlichkeitsarbeit und die Jugendlichen der Förderschule Mamre-Patmos genauso wie der Pastor und Vorstandsvorsitzende von Bethel und die leitende Geistliche der Evangelischen Kirche von Westfalen. Ostermontag gehen sie im Ersten gemeinsam auf Sendung. Inklusion, die eigenen Grenzen und die der anderen achten und ihre Gaben fördern – das kann ich hier lernen. Wie damals im Praktikum.

www.bethel.de

http://www.daserste.de/information/politik-weltgeschehen/kirchliche-sendungen/sendung/evangelischer-gottesdienst-zum-ostermontag-122.html

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