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Sonntagskirche | 02.04.2017 | 08:55 Uhr

Nur für Unbefugte

Einen guten Morgen wünsche ich Ihnen.

Ein einzelner Turm - mit einem Zeltdach aus roten Schindeln stand gar nicht weit von meinem Elternhaus entfernt. Sah aus wie eine Kirchturm, war aber keiner. Als Kind faszinierte er mich. Was in dem Turm wohl drin war? Reinschauen konnte man nirgends. Es gab nur eine grüne Metalltür. Und die war immer fest verschlossen. Auf der Tür ein schwarzumrandetes gelbes Dreieck – mit einem zackigen schwarzen Blitz. Und der Aufschrift: Hochspannung – Lebensgefahr. Darunter: Zutritt für Unbefugte verboten.

Unbefugte - so fragte ich mich damals - was sind das bloß für Leute? Und diese Frage beschäftigt mich noch heute. Klar: Nicht jeder darf einfach Zutritt haben zu einem Transformatorenhäuschen, auch nicht zum Kassenraum einer Sparkasse oder zum Stellwerk einer Bahn. Viel zu gefährlich. Das hat man mir als Kind erklärt. War ja leicht zu begreifen.

Doch heute werden viel zu viele Menschen zu Unbefugten gemacht. So wachsen nicht wenige Kinder in Armut auf. Zwei Millionen allein in Deutschland. Tendenz steigend. Armut ist nicht einfach nur Geldmangel. Armut beschreibt einen Teufelskreis: Mangelernährung, beengte Wohnverhältnisse, schlechte Bildung, fehlende Anerkennung. Und dann: keinen Abschluss, keine Ausbildung, keinen Job, kein Geld, keine Perspektive. Fehlen dir aber die Plastikkärtchen mit den Chips im Portemonnaie, bleiben dir alle Türen verschlossen. Zutritt für Unbefugte verboten. Das zu erfahren, braucht’s gar kein Schild mehr.

Wie viele Menschen werden zu Unbefugten gemacht - aufgrund ihrer Herkunft, ihres geringen Einkommens, ihrer Hautfarbe, ihres Geschlechts oder ihrer Religion...

Krass war das in Südafrika zur Zeit der Apartheid. Da gab’s sogar Bänke mit der Aufschrift: Nur für Weiße. Unbefugt war jeder Mensch mit anderer Hautfarbe. Wehe dem, der es wagte, sich da hinzusetzen.

In Erinnerung daran habe ich mit Freunden mitten in unserer Stadt eine weiße Bank aufgestellt. Mit einem Messingschild an der Rücklehne. Darauf steht: Nur für Unbefugte.

Es ist eine Schubkarrenbank mit Holmen und einem großen Rad vorne. Damit sie aktuell immer dorthin geschoben werden kann, wo Menschen zu Unbefugten gemacht werden.

Der heutige Sonntag ist der fünfte der Passionszeit und heißt Judika. Zu Deutsch: Schaffe mir Recht, Gott... Schaffe denen Recht, die zu Unbefugten gemacht werden. Dahin hat auch Jesus seine Jünger gewiesen. Als die sich gerade stritten, wer von ihnen der Größte sei, bekamen sie von Jesus die Antwort: Wer unter euch groß sein will, der soll dem anderen dienen. Und wer unter euch der Erste sein will, der soll zum Dienst an allen bereit sein. Vor allem an denen, die zu Unbefugten gemacht werden und darum vor verschlossene Türen laufen. Denn bei Gott gibt es keine verschlossenen Türen und auch keine Unbefugten.

In dieser Gewissheit grüßt Sie Ihr Pfarrer Alfred Buß aus Unna

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