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katholisch

Sonntagskirche | 15.04.2018 | 08:55 Uhr

Österliches Fahrgefühl

Beim Blick in das Handschuhfach meines Autos reagiere ich um diese Jahreszeit herum regelmäßig extremst genervt. Die Autowerkstatt meines Vertrauens hat dort – als liebevolle Erinnerung versteht sich – einen Aufkleber angebracht. Zu lesen ist darauf der Schriftzug „Von O bis O – Von Oktober bis Ostern! Reifen schon gewechselt?“ Und bevor sie es jetzt auch nur denken: NEIN, auch in diesem Jahr hab ich es bisher veschludert, meine Winterreifen gegen Sommerreifen zu wechseln. In manch einem Jahr hab ich den Drive dazu auch erst im Frühsommer gefunden. Im Winter, da hat man Druck. Würde winterliches Wetter einsetzen, dann hätte man ein Problem. Bei Sommerreifen ist das nicht so gravierend. Ich lasse es also gerne mal schleifen. So auch – zumindest bis jetzt – in diesem Jahr. Wenn ich es aber hinbekomme, dass gleicht es einem Ritual: Fährt mein Auto auf der Hebebühne runter, höre ich regelmäßig den gleichen Spruch: „So! Jetzt fährt man gleich ganz anders durch die Welt!“

Ostern liegt jetzt schon zwei Wochen zurück. Die Osterzeit aber, sie dauert im christlichen Feierkalender noch an. 50 Tage, bis zum Pfingstfest. Und im Grunde gilt für österliche Menschen derselbe Spruch meines Automechanikers: „Fährt sich gleich anders durch die Welt“. Ostern, also der Glaube, dass der Tod ein für alle Mal besiegt ist, sollte ein neues Fahrgefühl durchs Leben geben. Christen haben 50 Tage Zeit, sich jedes Jahr neu in dieses österliche Feeling einzugewöhnen. Im Alltagstrott wird das allzu oft vergessen. Mir geht es so, dass sich das ganz still und heimlich einschleift. Und plötzlich schleppst du dich durch die Tage und Wochen und wunderst dich am Ende, warum du so kaputt und energielos bist.

Gut, dass die Evangelien der Osterzeit dann Geschichten erzählen, die verändern. Geschichten, in denen Menschen neue Perspektiven eröffnet werden.

Geschichten, in denen Feuer und Begeisterung neu entfacht wird. Geschichten, die an eigentlich Aufträge und Leidenschaften erinnern. Wenn ich diese Geschichten höre, dann fällt mein Blick nicht selten auf mein eigenes Leben und darauf, wie ich gerade durch dieses hindurchtrotte. Dabei ist das Fahrgefühl von Ostern, wenn man so will, doch enorm kraftvoll.

Der verstorbene Aachener Bischof Klaus Hemmerle schrieb einmal:

Sprecher:

Ich wünsche uns Osteraugen,

die im Tod bis zum Leben sehen,

in der Schuld bis zur Vergebung,

in der Trennung bis zur Einheit,

in den Wunden bis zur Heilung.

Ich wünsche uns Osteraugen,

die im Menschen bis zu Gott,

in Gott bis zum Menschen,

im ICH bis zum DU

zu sehen vermögen.

Wenn das gelingt, gehst du wirklich anders durch die Welt und da schließt sich der Kreis zum immer gleichen Spruch meines KFZ-Meisters. Vielleicht brauch ich so einen Aufkleber als Erinnerung auch manchmal in meinem Leben... Auch, wenn er manchmal nervt.

Ich weiß nicht, ob ihr Wagen schon Sommerreifen drauf hat?! Jedenfalls wünsche ich Ihnen völlig neue und österliche Erfahrungen; besonders in dieser Zeit von „O bis P“ – Von Ostern bis Pfingsten und natürlich darüber hinaus.

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