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katholisch

Kirche in WDR 3 | 07.10.2017 | 07:50 Uhr

Rosenkranz

Guten Morgen, liebe Hörer und Hörerinnen!

Heute feiert die katholische Kirche das Rosenkranzfest, das wie manche Marienfeste einen geschichtlich politischen Hintergrund hat. Es wurde von Papst Pius V. eingeführt als Dank für den Sieg der christlichen Flotte in der Seeschlacht von Lepanto 1571. Dabei geht es nicht einfach um militärischen Sieg, sondern um den Schutz christlicher Werte.

Im nationalsozialistischen Reich wurde das Rosenkranzfest Ausgangspunkt für eine große Demonstration: Als 1938 Österreich dem Deutschen Reich angeschlossen wurde, waren auch in Österreich alle katholischen Vereine und Versammlungen verboten, auch katholische Studentenorganisationen. Am Rosenkranzfest in jenem Jahr versammelten sich im Wiener Stephansdom überraschend über sieben Tausend Jugendliche zum Gebet. Kardinal Innitzer nutzte die Gelegenheit, in der bis auf den letzten Platz gefüllten Kathedrale in einer zündenden Predigt alle aufzurufen, ihren Glauben zu bekennen. Nach dieser Rosenkranzfeier im Dom gingen die vielen Jugendlichen nicht nach Hause, sondern hielten vor der Kirche eine spontane Demonstration, bei der sie voller Begeisterung Kirchenlieder sangen. Die Nationalsozialisten fassten das als Provokation auf, nahmen einige Verhaftungen vor und stürmten als Reaktion darauf am nächsten Tag das erzbischöfliche Palais.

Doch was hat es auf sich mit diesem Gegenstand? Vielen gilt das Gebet als altmodisch, als modisches Anhängsel findet es sich dagegen in vielen Boutiquen. Der Rosenkranz ist eine Gebetsschnur, wie sie auch im Buddhismus und im Islam benutzt werden, um die Wiederholungen von Gebeten zu zählen. Lässt man die Perlen oder Knoten durch die Hand gleiten, ist es wie ein Geländer, das mich beim Betrachten in der Spur hält. Es geht nicht darum, eine Gebetsleistung zu vollbringen, sondern in der Intention des Gebetes wach zu bleiben – und dazu helfen manchmal ganz einfache Holzperlen.

Für die Dauer von zehn „Gegrüßet seist du, Maria“ wird mitten drin ein Satz eingeschoben, der sich im traditionellen Rosenkranzgebet auf das Leben Jesu bezieht. Es ist, als würde man beim gleichbleibend wiederholten Ave-Maria in einen Raum eintreten, in dem ich eine Szene aus dem Leben Jesu betrachte: seine Geburt, sein Leiden, seine Auferstehung, usw.

Es gibt noch viele andere Möglichkeiten, den Rosenkranz zu beten. Ein junger Mann, der große Sorgen um seinen kleinen kranken Sohn hatte, betete als wiederkehrenden Satz innerhalb der Ave-Marias: …Jesus, der uns dieses Kind geschenkt hat. Darin wuchs für ihn Trost. Eine junge Frau, die etwas Stress mit ihrem Ehemann hatte, betete bei einer Wanderung still den Rosenkranz mit der Einfügung: …Jesus, der unsere Ehe gesegnet hat. Und die Beziehung entkrampfte sich.

So kann ich mit dem Rosenkranz ganz unkompliziert und ohne nach vielen Worten suchen zu müssen in den Anliegen beten, die mir auf dem Herzen liegen: für den Frieden, für einen kranken Menschen, für eine Prüfung – nichts ist zu klein, als dass es nicht in diesem Gebet einen Ort fände.

Ein gutes Wochenende wünscht Ihnen Sr. Ancilla aus dem Klarissenkloster am Dom zu Münster.

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