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Kirche in WDR 2 | 03.07.2018 | 05:55 Uhr

Rousseau und das Rauschen der Wellen

Als Gemeindepfarrer frage ich bei Beerdigungsgesprächen hin und wieder ob der Verstorbene eher die Berge oder das Meer geliebt hat. Meine These lautet: Es gibt Menschen, die lieben die Berge, die anderen das Meer. Je nach Typ wähle ich den Psalm aus: Bei Bergfreunden bete ich gerne Psalm 121: Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, woher kommt mir Hilfe? (Ps 121,1) Und bei den Liebhabern des Meers nehme ich gerne Psalm 139: „Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer, so würde auch dort Gott deine Hand mich halten.“ (Ps. 139,9f)

Ein Freund erfüllte sich vor kurzem einen Lebenstraum. Er fuhr nach Nepal aufs Dach der Welt. Als ich ihn fragte: Na, wie war’s? Antwortete er: Gigantisch! Er müsse unbedingt noch einmal hinfahren. Die Reise habe ihn demütig gemacht und die Naturgewalt hat ihn tief beeindruckt. Er ist eindeutig ein Bergtyp. Ich bin ein Meertyp.

Der Philosoph Jean-Jacques Rousseau gehört zu den prägenden Geistern des 18. Jahrhunderts. Ihm wird der Ruf „zurück zur Natur“ nachgesagt. Mit dem Satz „Der Mensch ist frei geboren, und überall liegt er in Ketten“, beginnt sein epochales Werk „Vom Gesellschaftsvertrag“. Ihm ist es zu verdanken, dass die Religionstoleranz in allen Verfassungen der westlichen Welt steht. Obwohl er die Kirche scharf kritisiert hat, hat er die Funktion der Religion sehr geschätzt. Ist für ihn Religion in ihrer Funktion sehr wichtig gewesen. Denn: Nur die Religion kann für ihn die Werte einer idealen Gesellschaft in die Herzen der Menschen pflanzen.

Gegen Ende seines Lebens entdeckt der kauzige Philosoph das „Gefühl“ als inneren Kompass. In seinem Alterswerk „Träumereien eines einsamen Spaziergängers“ schreibt er:

„Wenn der Abend naht, sitze ich gern an irgendeinem lauschigen Plätzchen im Sand des Seeufers. Das Rauschen der Wellen und die Bewegung des Wassers sind Vorgänge, die meine Sinne bannen: Sie verdrängen aus mir jede andere Bewegung und versenken meine Seele in wonnige Träumerei… nur ein Wasserspiel genügt, um mir wieder Freude am Dasein zu geben, und ich muss dabei nicht einmal denken.“

Nur ein Wasserspiel genügt Rousseau um Freude am Dasein zu finden. Er muss ein Meertyp gewesen. In Rousseaus Sinne wünsche ich uns allen einen berauschenden Sommer.

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