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Sonntagskirche | 25.10.2015 | 08:55 Uhr

Rudelverhalten

Guten Morgen!

Von unserem Hund kann ich eine Menge in Sachen sozialer Kompetenz lernen. Wenn meine Frau und ich gemeinsam mit unserem Golden Retriever unterwegs sind, ist er immer darum bemüht, „sein Rudel“ zusammen zu halten. Es gibt bei unseren Ausflügen für ihn fast nichts Schlimmeres als das: Ich bleibe zum Fotografieren zurück, während meine Frau einfach nur weiter will. Unser Itthai hält es fast nicht aus, wenn wir nicht zusammen sind.

Deshalb stressen ihn Stadtbummel auch ganz besonders. Mal ist meine Frau in einer Boutique verschwunden, mal bin ich hinter der Tür eines Antiquariats verschollen. Itthai wartet draußen mit einem starr auf die jeweilige Tür fixierten Blick, bis der vermisste Teil des Rudels endlich wieder aus dem Geschäft herauskommt. Anschließend gibt es jedes Mal eine stürmische Begrüßung, so als hätten wir uns Jahre nicht gesehen.

Wir sind nun einmal als soziale Wesen geschaffen: ob Mensch oder Hund! So hat es der jüdische Religionsphilosoph Martin Buber bereits auf den Punkt gebracht: „Der Mensch wird erst am Du zum Ich.“ Kein Wunder also, dass bei uns Familie und Freunde weit vor dem Beruf rangieren, wie eine aktuelle Umfrage belegt: „60 % der Erwerbstätigen in Deutschland sagen sogar, dass sie keinesfalls für die Karriere ihr soziales Umfeld aufgeben würden“ (FAZ vom 7.3.2015).

Als ich eine Frau nach dem Tod ihres Lebensgefährten besuchte, sagte sie mir: „Das war der letzte Mensch, den ich hatte. Jetzt habe ich niemanden mehr!“ Man sah ihr förmlich an, wie sie das erschütterte, umtrieb und verängstigte. Furchtbar und zutiefst erschreckend, wenn man so völlig auf sich selbst gestellt ist. Wenn es keinen Gesprächspartner, noch nicht einmal einen guten Bekannten mehr gibt. Wenn jedes „Du“ einem fremd ist und man nur noch allein beim „Ich“ ist. Sicher war bei der Frau die Trauer und der Schmerz noch viel zu frisch, um zu erkennen: Da sind ja noch andere. Ich bin nicht ganz allein. Aber alle meine Versuche, sie irgendwie zu motivieren, sich doch eine für sie passende Gruppe zu suchen, prallten geradezu an ihr ab. Ich spürte förmlich, wie fixiert sie auf diesen einen Menschen war und wie ungerecht sie es empfand, dass ausgerechnet er sie jetzt verlassen hatte.

Immer wieder höre ich als Pastor von unterschiedlichsten Leuten die Klage: „Niemand kümmert sich um mich. Niemand ruft an oder besucht mich.“ Auf meine an dieser Stelle fast stereotype Rückfrage: „Haben Sie denn mal von sich aus jemanden angerufen oder besucht?“ - erhalte ich fast immer ausweichende oder ablehnende Antworten. Aber jede Beziehung lebt doch vom Geben und Nehmen. Wie sagte ein kluger Mann einmal: „Der einzige Weg, einen Freund zu besitzen, ist der, selbst einer zu sein.“ (Ralph Waldo Emerson) Ich kann Freundschaft und schon gar nicht Liebe einfordern. Ich kann anderen nur freundschaftlich begegnen und mein Herz in einen Menschen investieren.

Dabei muss ich mich allerdings davor hüten, alles 1:1 aufzurechnen. Nach dem Grundsatz „Wie du mir, so ich dir“ funktionieren Beziehungen auf Dauer einfach nicht. Da ist schon eher die Goldene Regel aus der Bergpredigt Jesu eine wirklich gute Empfehlung: „So wie ihr von den Menschen behandelt werden möchtet, so behandelt sie auch.“ (Matthäus 7, 12 Hoffnung für alle)

Einen beziehungsmutigen Sonntag wünscht Ihnen Ihr Pastor Siegfried Ochs aus Kierspe.

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