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Kirche in WDR 2 | 10.10.2017 | 05:55 Uhr

Schimpfen in Dauerschleife

Herr Meyer ist außer sich: „Fahr doch, du Blödmann!“ Die Ampel ist schon gute drei Sekunden grün und der Typ vor ihm ist immer noch nicht losgefahren. Herr Meyer schimpft, hupt, zeigt den Vogel. Endlich geht es weiter. Aber: Auch die anderen Autofahrer sind kaum besser. Der eine blinkt zu spät. Der andere fährt doch tatsächlich mit Tempo 30 durch die 30er Zone. Und das um die Uhrzeit – da ist doch kein Mensch! Mit Wut im Bauch kommt er schließlich zu Hause an. Beim Rasenmähen fällt Herrn Meyer sofort auf: Der Nachbar hat die Hecke krumm und schief geschnitten. Wieder einmal. Typisch! Der kann auch gar nichts! Eine Stunde später sitzt Herr Meyer völlig erschöpft auf der Couch. Nachrichten. Und wieder schimpft er. Über die unmöglichen Politiker, die gierigen Manager, die maßlosen Gewerkschaften. Über Fußballer, die Millionen verdienen und Promis, die arrogant sind. Und er schimpft und er schimpft.

In Dauerschleife lautstark an der Dummheit der anderen Menschen zu verzweifeln, ist für ihn zur Grundstimmung geworden. Und nicht nur für ihn. Überall um ihn herum wird genauso geschimpft. Medien leben davon. Aber auch die politischen Parteien. Da ist die Dauer Skandalisierung Programm.

Mit konstruktiver Kritik hat das, was Herr Meyer da macht, wenig zu tun. Aber darum geht es eigentlich auch gar nicht. Herr Meyer will nichts verbessern, er will sich besser fühlen. Darum schimpft er. Wer andere klein macht, macht sich selbst groß. Das fühlt sich gut an.

Natürlich zahlt Herr Meyer dafür einen Preis. Wer andere verurteilt, reißt zwischenmenschlich Gräben auf. Lebt von Vorurteilen und empfindet für andere nur Verachtung.

„Hören wir auf, uns gegenseitig zu verurteilen!“ schreibt der Apostel Paulus an die Gemeinde in Rom. (Röm 14,13 GN) Er schlägt vor: „Seid kritisch gegen euch selbst.“

Andere zu verurteilen fühlt sich vielleicht gut an, verbessert aber nichts. Seine eigenen Fehler zu erkennen und an ihnen zu arbeiten schon.

Das wäre nicht nur zielführender und ehrlicher. Es würde die Menschen auch zusammenbringen: Denn wer ehrlich und kritisch auf sich selber schaut, entdeckt in den Fehlern der anderen immer auch seine eigenen.

„Wir sind eben alle nur Menschen.“ Würde man wohl bei uns am Niederrhein sagen. Unperfekt – und darin vereint.

Wenn der Herr Meyer in mir das nur nicht immer wieder vergessen würde!

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