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katholisch

Hörmal | 10.05.2018 | 07:45 Uhr

Schlossplatzgedenken

Heute vor 85 Jahren brannten am Schlossplatz in Münster die Bücher. In 22 deutschen Universitätsstätten hatten die Nazis Studenten zu Bücherverbrennungen aufgestachelt. In Münster brannten unter anderen die Werke von Brecht, Kästner, Marx und Tucholsky. Über 1.000 Bücher gingen in Flammen auf. Die sogenannte „Aktion wider den undeutschen Geiste“ am 10. Mai 1933 schaudert mich noch heute. Was für eine kulturelle Barbarei – und das im Land der Dichter und Denker! Heinrich Heine hatte schon im 19. Jahrhundert prophezeit: „dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen.“ Das Bücherverbrennen war eine Kriegserklärung gegen den Geist – noch bevor die Nazis der Welt den Krieg erklärten. Der Gedanke an den Schlossplatz bestürzt mich dabei besonders: Weil Münster meine Unistadt war, weil ich mich vor Jahren in der Univerwaltung im Schloss immatrikuliert hatte.

Heute werde ich wieder am Schlossplatz sein, in Münster. Gemeinsam mit Zehntausenden werden wir dort den ersten großen Gottesdienst feiern des Katholikentages. Gleich, am Christ-Himmelfahrtstag, werden auf dem Schlossplatz aus dem Buch der Bibel die Worte des Apostels Paulus gelesen werden. Der schrieb damals aus der Gefangenschaft heraus folgende Mahnung: „Ich, der ich um des Herrn willen im Gefängnis bin, ermahne euch, (…): Seid demütig, friedfertig und geduldig, ertragt einander in Liebe und bemüht euch, die Einheit des Geistes zu wahren durch den Frieden, der euch zusammen hält.“

Ich finde, die Worte sind nicht nur äußert wertvoll in Erinnerung an das, was vor 85 Jahren geschehen ist. Als hätte Paulus das für die aktuellen Debatten geschrieben. Denn allerorts keimt die Frage auf: Was hält unsere Gesellschaft überhaupt noch zusammen? Wie können wir in diesen Zeiten gut zusammen leben? Da gibt Paulus drei Stichworte: Toleranz, Gemeinsinn und Friedensliebe – oder wie er es schrieb: „Ertragt einander in Liebe. Bemüht euch, die Einheit des Geistes zu wahren durch den Frieden, der Euch zusammenhält“.

Die Veranstalter haben für diesen Katholikentag in Münster ein überaus passendes Motto ausgesucht: „Suche Frieden“. Auf den unzähligen Veranstaltungen wird das Thema „Frieden“ die zentrale Rolle spielen: Frieden zwischen Religionen, Frieden in der Gesellschaft, Frieden mit sich selbst. Das „Suche Frieden“ ist noch immer aktuell. In Münsters Rathaus steht ein Satz auf Latein „Pax optima rerum“. Auf Deutsch: „Der Frieden ist das höchste Gut“. Das war die Lehre nach 30 Jahren Krieg und Zerstörung, als im Jahr 1648 in Münster der Westfälische Frieden unterzeichnet wurde.

Wir leben heute hierzulande, Gott sei Dank, in friedlichen Zeiten. Weder fallen Bomben, noch werden Bücher verbrannt. Damit das so bleibt, denke ich, braucht es genau die drei Zutaten, von denen Paulus mit anderen Worten schreibt: Toleranz, Gemeinsinn und Friedensliebe.

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