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Kirche in WDR 3 | 06.02.2018 | 07:50 Uhr

„Schwamm drüber“

Guten Morgen!

In meinem Wohnzimmer steht ein kleiner Glastisch; „stand“ muss ich wohl eher sagen. Denn vor ein paar Monaten hat ein guter Freund sein Wasserglas etwas zu fest darauf abgestellt… Jetzt steht der Tisch dort nicht mehr… Sie können sich sicher vorstellen, wie peinlich meinem Gast dieses Missgeschick war.

Ich gebe zu: im ersten Moment habe ich natürlich auch gedacht: „Hätte er nicht ein bisschen vorsichtiger sein können?“. Dieser Tisch begleitet mich nämlich schon einige Jahre. Ich hatte ihn damals für meine erste eigene Wohnung gekauft. Aber jetzt fehlt ihm eine Ecke. Schon ärgerlich. Der Freund hat sich mehrmals entschuldigt und nach der fünften Entschuldigung habe ich dann einfach nur gesagt: „Jetzt ist gut; Schwamm drüber!“ – Und mein Gast war irgendwie verwundert. Aber ich hatte das ganz ehrlich so gemeint.

Wenn ich in meinem eigenen Leben zurückschaue, dann gab es da auch eine Reihe von Dingen, die durch mich kaputt gegangen sind; da war ich auch mal der berühmte „Elefant im Porzellanladen“ – nicht nur mit Worten.

Und wenn der andere dann nicht geschimpft oder bestraft hat, sondern einfach sagen konnte „Schwamm drüber“, dann hat das gut getan!

Manchmal gehört aber auch schon eine gute Portion Selbstlosigkeit dazu „Schwamm drüber“ zu sagen, wenn etwas zu Bruch geht, was mir sehr am Herzen liegt. Dahinter steckt ja eine alltagstaugliche Lebenslektion.

Denn: Es spricht nichts gegen kostbare Dinge, gegen Besitz und – ja warum nicht – Reichtum. Entscheidend ist aber, wie ich dazu stehe. Ich sollte mich nicht in Ketten legen lassen von dem, was ich besitze.

In den für mich peinlichen Situationen, in denen ich für das Kaputtgehen von fremdem Besitz verantwortlich war, da durfte ich erfahren, dass Menschen kostbarer sind als kostbare Besitz.

„Schwamm drüber“, das sagt sich noch leicht, wenn eine Vase oder ein Möbelstück kaputt geht. Viel schwieriger wird es, wenn die Existenz davon betroffen ist. Denn wir leben doch aus den menschlichen Beziehungen. Ich bin nicht alleine auf dieser Welt.

Freundschaften und Beziehungen sind wichtiger und lebensnotwendiger als materieller Besitz. Aber auch die können kaputt gehen. Nur leider ist das da oft viel schwieriger und später zu erkennen als bei Möbelstücken oder Vasen, die zerbrechen. Da dann „Schwamm drüber“ zu sagen bedeutet nochmal viel mehr.

Einen guten Tag wünscht Ihnen Kaplan Andreas Möhlig aus Würselen.

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