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Kirche in WDR 2 | 19.06.2018 | 05:55 Uhr

Selbstoptimierung

Morgens früh im Bad vor dem Spiegel realisiere ich: Es gibt „Optimierungsbedarf“. „Eigentlich gibt es immer Optimierungsbedarf“, versuche ich mich zu beruhigen. Der Trick klappt aber nicht. Ungefragt zu altern, ist einfach doof. Ungefragt zu sterben sowieso. Ungefragt zu leben…?

Das mit dem Leben ist gerade kompliziert. Man weiß nicht so genau, wohin und warum, und was man noch glauben darf. Alles rennt, vor allem die Zeit. Alles wird immer schneller. Und bei den vielen Veränderungen fliegen eine Menge Leute „aus der Kurve“. Der Glaube an die Technik mit ihren grandiosen Möglichkeiten ist „in“. Wissenschaftler reden von einem „Innovationswandel“. Die Zeit scheint vorbei, in der wir Menschen von einer gerechteren Welt träumen, für die es sich lohnt zu leben. Es geht heute vielmehr um „Selbstoptimierung“. Wir schauen auf uns selbst. Das scheint überschaubar. Menschen träumen eher von einer unbegrenzten Erweiterung ihrer Möglichkeiten. Wir sind dabei, uns neu zu erfinden. Die Gentechnik und die Digitalisierung bieten tolle Möglichkeiten für das „neue Design“ des Menschen.

Während nach christlichem Verständnis Gott menschlich geworden ist – in Klammern: eine ziemlich revolutionäre Idee – geht es für uns Menschen heute darum, „göttlich“ zu sein.

Die alte politische und philosophische Frage nach einer Gesellschaft, in der alle Menschen gut leben können, sie ist zu einer technologischen Frage geworden: Wie lässt sich ein neuer Mensch designen, der auch in einer ungerechten und kriegerischen Welt gut klar kommt? Klingt zynisch. Ist es auch. Aber: Ganze Wirtschaftszweige leben davon und sie leben gut.

Wenn ich mir den Zustand unseres Planeten ansehe und die Verteilungssituation, glaube ich allerdings, dass die Idee der Selbstoptimierung eine schnelle Verfallszeit hat.

Würde morgen früh das Licht in meinem Bad ausfallen, ginge es plötzlich nicht mehr um meine Optimierung, sondern zu allererst um meine Orientierung.

Vielleicht ist die lustige Idee hilfreich: Es geht weniger um Optimierung meiner Möglichkeiten, als um Orientierung. Wie kann es mit uns Menschen und unserer Welt weiter gehen? Was müssen wir tun, um die Welt in Ordnung zu halten, die uns Gott anvertraut hat? Um für alle ein gerechtes und friedliches Miteinander zu ermöglichen?

Vielleicht wäre bei aller Beschleunigung mal eine „Pinkelpause“ hilfreich. Eine Unterbrechung. Wir treten auf die Bremse und lassen sie zu: die grundsätzlichen Fragen, wohin es eigentlich gehen soll, für wen und warum? Bevor die Lichter ausgehen. Die Technik kann hierauf keine Antwort geben. Die Wirtschaft auch nicht.

Am Ende, so wird uns verheißen, bleiben nicht neu designte Menschen, sondern ein neuer Himmel und eine neue Erde. Weniger nicht. Sich daran zu orientieren, kann helfen, morgens im Bad das Wichtige vom Unwichtigen zu unterscheiden.

Einen schönen, einen optimalen Tag wünsche ich Ihnen!

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