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Kirche in WDR 5 | 21.05.2014 | 06:55 Uhr

War da was?

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer.

Haben Sie eine To-Do App? Erinnert Ihr Smartphone Sie daran, dass Sie noch Brot einkaufen müssen und dass Sie einen Termin beim Zahnarzt haben? Ich knülle gern abgearbeitete To-Do-Listen zusammen und pfeffere sie dann genüsslich in den Papierkorb. Wahrscheinlich schreibe ich deshalb immer noch eifrig Postits. Und platziere sie so, dass ich beim Verlassen der Wohnung quasi über sie stolpere und sie dann einstecke. Auf meinem Schreibtisch liegt ebenfalls eine Liste von Projekten, die in nächster Zeit anstehen. Und im Büro – da warten gleich mehrere Listen auf mich. To-Do Listen – ob handgeschrieben oder nicht – sind für viele aus ihrem Alltag einfach nicht mehr wegzudenken.

Am Abend spürt man – wenn man Glück hat – einen klitzekleinen Moment lang so etwas wie Befreiung und Entlastung. Aber da ist sie längst in der Mache, die Liste für den nächsten Tag. Meine gelbe Stolperliste liegt schon wieder bereit, taktet den kommenden Tag und wird darüber entscheiden, wie erfolgreich und effizient ich gewesen bin.

Wussten Sie schon, dass die klassische To-do-Liste seit einiger Zeit etwas in Verruf geraten ist? Das brave Abarbeiten führt offensichtlich doch nicht dazu, dass man mehr Zeit hat. Deswegen raten Experten nun zur Not-To-Do-Liste. Mit ihr können „unnötige Zeitfresser eliminiert“ werden, heißt es. Auf diese Listen soll man notieren, für was man unnötig Zeit und Energie vergeudet – und auf diese Tätigkeiten dann einfach verzichten. Hört sich gut an: Mails nicht mehr ständig abrufen, nicht mehr spontan Geld ausgeben oder damit aufhören, Dinge nicht ganz zu Ende zu bringen.

Doch eigentlich unterscheiden sich To-Do-Listen nicht wirklich von Not-To-Do-Listen. Beide wollen, dass es effizienter zugeht im Leben. Wie nützlich diese Listen letztlich sind, wird jeder für sich entscheiden. Viele Ratgeber für ein besseres Stressmanagement schwören auf sie. Über eins können die Listen jedoch nicht hinwegtäuschen: Sie verengen ganz erheblich den Blick aufs Leben. Sie üben uns ein in einer ganz bestimmten Haltung. Nur das, was erledigt ist, ist gut. Man kann es durchstreichen. Dabei gerät jedoch nicht selten aus dem Blick, wie etwas entsteht und was einen dabei bewegt hat. Denn öfter als wir vielleicht ahnen, entscheidet über das Gelingen eines Tages etwas anderes als Punkt X oder Y auf der To-Do-Liste.

Ein kleines Gedankenspiel: Wie wäre es, abends nicht die To-Do Liste für den folgenden Tag zu schreiben, sondern die Da-war-was-Liste für den vergangenen? Da war was, worüber ich mich plötzlich unbändig gefreut habe, da war was, was mich an etwas längst vergessen Geglaubtes erinnerte, da war was, das mich nicht enttäuschte, da war was verheißungsvolles, da war was, was mich hoffen lässt.

Da war was, das merkten vor ungefähr 2000 Jahren auch zwei Männer, die voller Trauer und vom Leben enttäuscht unterwegs sind in ein kleines Dorf namens Emmaus. Ein Lebenstraum ist zerplatzt, sie können es nicht fassen. Sie haben an einen geglaubt, der am Kreuz hingerichtet wurde. Alles ist aus. Da gesellt sich ein dritter Mann zu ihnen, der wissen will, was sie bedrückt. Sie erzählen ihm von ihrer Trauer, ihrer Hoffnungslosigkeit und ihrer Enttäuschung. Und er spricht mit ihnen. Auf diesem Weg muss etwas passiert sein. Denn im Nachhinein, am Abend, als der Mann verschwunden ist, da sagen sie: Da war was! Brannte nicht unser Herz? Dieses Gefühl beflügelt sie so sehr, dass sie ihrem Leben eine neue Wendung geben und aufbrechen. Sie wissen plötzlich, wie es weitergeht. Sie wissen, was zu tun ist. Ganz ohne To-Do-Liste.

Kommen Sie gut in den Tag! – Ihre Katharina Klöcker aus Münster

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