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katholisch

Hörmal | 06.05.2018 | 07:45 Uhr

Sr. Franziskas Zuversicht

Sr. Franziskas ZuversichtIn der Nähe des Kölner Hauptbahnhofs gibt es einen Gemüseladen, an dem ich mir hin und wieder Obstsäfte kaufe. An einem Morgen nach Karneval traf ich dort zufällig Sr. Franziska. Sie stand vor der Auslage mit den Früchten und streifte vorsichtig, fast zärtlich, über die Früchte der Auslage.

Ich kenne Sr. Franziska aus einem Interview, das ich mal mit ihr über das Thema „Seelsorge“ geführt hatte. Sr. Franziska war Obdachlosenseelsorgerin in Köln. Eine handfeste Mittfünfzigerin, mit unverkennbarem sächsischem Dialekt: geboren in Chemnitz, trat sich noch zu DDR-Zeiten in den Orden der Franziskanerinnen ein. Seit 10 Jahren arbeitete sie mit Obdachlosen in Köln, immer unterwegs in der Stadt und nah bei den Menschen. Für viele war sie ein Engel auf den Straßen von Köln – auch wenn sie selbst sich so nie bezeichnet hätte.

An jenem Morgen an dem Gemüseladen verriet sie mir dann eine traurige Gewissheit. Für sie war es nun Zeit Abschied zu nehmen. Denn: drei große, irreparable Hirntumore wuchsen in ihr und sie wusste, dass es nur noch eine Frage von Wochen sei, dass ihr Gedächtnis und dann auch ihre Kräfte schwinden würden. Und mir wurde klar: Dass Sie so vorsichtig über die Papaya strich, hatte vielleicht auch etwas mit Abschiednehmen zu tun. Der Krebs verschont auch Engel nicht.

Diese Nachricht hatte mich damals umgehauen. Aber so richtig. Ich war fertig an dem Tag. Nach Ostern aber erfuhr ich, wie Sr. Franziska mit ihrem Schicksal umgegangen ist. Mittlerweile hat sie Köln verlassen und musste sich in Pflege begeben. Bevor sie ging, hat sie einen Brief geschrieben und aus dem möchte ich zitieren. Sie soll das letzte Wort haben. Denn ihre Worte sprechen von einer anderen Sicht auf den Tod und das Leben, von einer Zuversicht, die mir, als ich es las, ungemeine Kraft gab.

Sprecherin:

„Liebe Freunde,

Ostern konnte ich hier in Köln noch in vollen Zügen genießen. Zuerst haben wir die ganze Osterliturgie in der Obdachlosenseelsorge in „Gubbio“ mit den Freunden der Straße gefeiert. Dann bin ich noch einmal genüsslich durch die letzte Frühlingsmondnacht meines Lebens, durch das nächtliche Köln spaziert (…). Das war wunderschön! Am Ostermontag bemerkte ich bei mir eine zunehmende Desorientiertheit, verursacht durch den Druck der Tumore auf bestimmte Hirnregionen. (…)

Es gibt keine Besserung mehr. Da ich vielleicht irgendwann nicht einmal mehr weiß wer ich bin, möchte ich euch heute diesen Brief schreiben.

Ihr sollt wissen mir geht es gut. Dank eurer mich tragenden Gebete kann ich diese, mir von Gott gestellte Herausforderung ruhig und gelassen annehmen. Ich weiß ja wo ich hingehe (…) Ich gehe euch nur etwas Voraus, wenn ihr dann später kommt halte ich euch die Tür auf. (und verteile Smileys) Ich bin voller Dankbarkeit für 56 schöne, gut gefüllte Jahre. Natürlich hätte ich gern mit euch noch viele bunte Jahre verbracht. Aber nun kommt es anders, ich habe JA dazu gesagt und lerne nun täglich neu dieses JA zu buchstabieren.

Auch wenn es unwirklich klingt, so bin ich den ganzen Tag dankbar. Ich trage niemanden etwas nach und bin mit allen versöhnt und im Frieden. Dass mich Gott auf meinen persönlichen Lebensweg gerufen hat, war genau richtig für mich und hat mich erfüllt.

Für mich selber wünsche ich mir, dass ich zuversichtlich und in Frieden zu Gott gehen kann. Die ihr mich kennt, werdet verstehen wenn ich sage, dass ich am liebsten singend und tanzend zu Gott gehen würde. Ich habe keine Angst vor dem Tod, seit einem halben Jahr konnte ich mich ja darauf vorbereiten. Gott hat seinen Plan. Ich bin gespannt. Also seit nicht traurig. Es wird alles so wie ER es will und es wird gut sein.“

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