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Hörmal | 18.04.2014 | 07:45 Uhr

Stellvertretung

Im Landgericht in Düsseldorf hing es im alten Schwurgerichtssaal. Das große Kreuz. Wann immer verhandelt wurde über schuldig oder nicht schuldig, hing das helle Mosaikkreuz still im Hintergrund. Seit einigen Jahren ist das große christliche Symbol aus den Gerichtssälen verschwunden.

Schade. Denn das Kreuz zeigt etwas über Schuld und Versöhnung, was kein Richter sagen kann. Dass wir leben dürfen, obwohl wir ohne Schuld gar nicht durchs Leben kommen. Denn wer kann das schon von sich sagen: „nicht schuldig“? In einer konkreten Frage vielleicht. Steuern bezahlt – ja oder nein? Aber sonst?

Ein Freund von mir steht vor den Trümmern seiner Ehe. Natürlich hat er vor 20 Jahren versprochen, seine Frau zu lieben und zu achten ein Leben lang. Und jetzt? Sie haben sich übergangen, missachtet, verletzt. Sie reden noch miteinander, aber ob die beiden sich eines Tages versöhnen, ist eine sehr offene Frage. Trotz solcher Erfahrungen meinen viele: Mit meiner Schuld komme ich schon klar, was bei mir schief läuft, regele ich schon.

Aber was ist zum Beispiel mit der Kleidung, die Frauen in Asien für uns gemacht haben, was mit dem Blech unserer Autos, das aus Brasilien kommt und wofür Menschen ihr Land verloren haben, was ist mit den vielen Fußbällen, die es bald wieder überall zu kaufen gibt, die von Kindern in Indien genäht wurden? Hab ich nichts mit zu tun? Von wegen. Ich kauf das ja alles. Wir kommen aus der Nummer nicht raus. „Nicht schuldig“ geht nicht.

Aber an Karfreitag sagt Gott: Ich versöhne mich mit euch. Ihr dürft leben, obwohl ihr es seid. In meinem Sohn Jesus nehme ich stellvertretend für euch alle Schuld auf mich. Das zeigt das Kreuz. Manche sagen: Für mich muss doch keiner sterben. Aber solche Stellvertretung ist etwas Wunder-bares. Übrigens auch etwas ganz Alltägliches.

Ich finde es zum Beispiel toll, dass der Bäcker schon morgens um fünf Brötchen backt, so muss ich es nicht selber tun, sondern kann mich noch mal rumdrehen und kaufe sie dann um sieben. Es ist wunderbar, dass die Lehrerin in der Schule unsere Tochter unterrichtet, sie macht das stellvertretend für meine Frau und mich, so können wir unserem eigenen Beruf nachgehen.

Das ganze Leben ist voller Stellvertretung. Es geht gar nicht anders. Und es geht noch mehr. War es nicht ein unglaublich starkes Zeichen der Versöhnung, als Willi Brandt 1970 im Warschauer Ghetto niederkniete, den Opfern des Nazi-Terrors Respekt zollte und um Vergebung bat? Das Bild ging um die ganze Welt. Er hat es stellvertretend für eine ganze Generation getan. Es war ein Akt der Versöhnung für viele.

Diese Geschichten helfen mir zu verstehen, was an Karfreitag geschehen ist. Jedenfalls annäherungsweise. Denn darin bleibt das Zeichen des Kreuzes einmalig. Wenn es nämlich tatsächlich um unsere Schuld geht. So sagt Gott: Ihr dürft leben. Ihr dürft neu anfangen mit euren Partnern, mit Kindern und Eltern, mit Nachbarn und Freunden, sogar beim Einkaufen und Wirtschaften und wenn ihr Politik macht. Lasst Euch versöhnen mit Gott!

Unter uns: Im alten Schwurgerichtssaal hat das Kreuz einen kräftigen Schatten an der Wand hinterlassen. Als wollte es sagen: Hier gehöre ich hin. Ohne Versöhnung könnt ihr nicht leben.

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