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Kirche in WDR 2 | 05.11.2014 | 05:55 Uhr

Sterbehilfe

„Ich will niemanden zur Last fallen“ – das scheint der Satz einer ganzen Generation geworden zu sein. Helga zum Beispiel hat sich ihr Leben lang um andere gekümmert. Sie hat ihre Kinder großgezogen, ihre Mutter gepflegt und zuletzt ihren Mann. Aber sie spürt, dass sich die Zeiten geändert haben. Heute bräuchte sie selber Hilfe. Sie ist schwer krank und weiß, dass sie nicht mehr lange zu leben hat. Und dann kommt dieser Satz: „Ich will ja niemandem zur Last fallen“. Klar, sie weiß, wovon sie redet. Sie hat erlebt, wie der Pflegefall ihren Alltag bestimmte, wie sie auf vieles verzichten musste und oft noch nicht mal mehr ein „Danke“ dafür hörte. Trotzdem: Eigentlich will sie gar nicht weg von zu Hause. Am liebsten würde sie hier sterben. Aber kann sie das ihrer Familie wirklich zumuten?

Dieser Satz „Ich will ja niemandem zur Last fallen“ – der kommt auf, seitdem wir Menschen dank Technik und Medizin immer älter werden. Und das Ende des Le-bens erscheint wie ein Knopf, den man zur richtigen Zeit betätigen sollte, „um niemandem zur Last zu fallen“.

In vielen Ländern wird zurzeit über Sterbehilfe diskutiert. Es geht darum, niemanden unnötig leiden zu lassen. Ich habe allerdings das Gefühl, dass sich viele alte und schwer kranke Menschen dadurch unter Druck gesetzt fühlen. Nach dem Motto: Das ist doch heute alles nicht mehr nötig, es gibt doch Alternativen. Im Vordergrund steht dann plötzlich nicht mehr der Betroffene mit seinem Schicksal, sondern die Bequemlichkeit der anderen. Ich weiß, der eigene Tod ist eine ganz persönliche Sache und es gibt Menschen, die auch eine Sehnsucht danach in sich tragen, z. B. wegen einer ausweglosen Krankheit. Aber ich denke auch: Trotz großen Leides hängen viele Menschen sehr an ihrem Leben. Das dürfen wir ihnen doch nicht zum Vorwurf machen! Im Gegenteil. Ich finde, Sterbende brauchen Teilhabe an der Gesellschaft, keinen organisierten Suizid.

Es ist doch im Grunde das Recht eines sterbenden Menschen, der Gesellschaft und auch seinem Umfeld „zur Last zu fallen“, wie viele sagen. Einem Neugeborenen wirft ja auch niemand vor, dass es seinem Umfeld zur Last fällt – und als dreifache Mutter weiß ich, wovon ich spreche.

Helgas letzter Wunsch wurde schließlich doch noch erfüllt. Sie weigerte sich, ins Krankenhaus zu gehen und blieb einfach zu Hause. Ein ambulanter Pflegedienst kam, ihre Kinder und Enkel wechselten sich an ihrem Bett ab. Sie starb, wie sie gelebt hatte: selbstbestimmt und würdevoll. Es schien mir, als lächelte sie im Tod. Sie hatte wohl mit der Welt ihren Frieden gemacht.

Copyright Vorschaubild: wikimedia

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