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Kirche in WDR 5 | 08.02.2018 | 06:55 Uhr

„Straßenkarneval“

Guten Morgen an Weiberfastnacht!

Im Rheinland regiert ab heute der Straßenkarneval: Umzüge mit Wagen, Musik und Tanz, Menschen, die ausgelassen feiern und natürlich auch Menschen, die das überhaupt nicht verstehen können.

Und jetzt könnten Sie meinen: die von der Kirche, denen ist das alles suspekt. War es vielleicht auch vielen Kirchenleuten in der Geschichte. Aber eigentlich findet sich genau dasselbe schon in der Bibel. Denn schon da wird von etwas ganz Ähnlichem erzählt: von einem Umzug, von ausgelassenen Menschen, von Musik und Tanz. Die Geschichte finden Sie im Alten Testament, im Buch Samuel.

Um das Jahr 1000 v. Chr. regiert der junge König David. Jerusalem, die Hauptstadt seines Reiches, hat er bereits erobert. Erfolg, Macht, treue Untertanen und eine Familie – all das kann er vorweisen. Aber etwas fehlt ihm noch: die Truhe, in der die beiden Steintafeln mit den Zehn Geboten aufbewahrt werden – die sogenannte Bundeslade; das wichtigste Heiligtum der Israeliten. Sie steht noch im Süden des Landes in Baala. Mit diesem Gegenstand würde König David Jerusalem nicht nur zum politischen, sondern auch zum religiösen Zentrum machen.

Und so versammelt er tausende von Männern und macht sich mit ihnen auf den Weg, um die Bundeslade nach Jerusalem zu bringen. Die Bibel berichtet, dass sie auf einen Wagen gestellt wird und drumherum versammeln sich alle, singen und tanzen vor Freude – und der König ist ganz vorne mit dabei. Die Bibel beschreibt sogar, dass David nur spärlich bekleidet mittanzt. Sogar eine Musikkapelle haben sie zusammengestellt: mit Harfen und Trommeln, Rasseln und Blasinstrumenten musizieren sie, was das Zeug hält. Ausgelassene Freude auf dem Weg nach Jerusalem. (vgl. 1 Sam 6)

Zu Hause angekommen, wird König David von seiner Frau sofort kritisiert: Das Verhalten ihres Mannes war ihr peinlich. Er habe sich vor seinem ganzen Volk bloßgestellt, als er ausgelassen beim Umzug getanzt hat.

David reagiert relativ gelassen. Er würde es wohl wieder tun: Alles hat er Gott zu verdanken: sein Leben, sein Königreich, einfach alles. Das weiß er und will das durch sein Tanzen und Musizieren vor Gott auch ausdrücken.

Ausgelassene Freude kennt also auch die Bibel – genauso wie Menschen, die das kritisieren. Warum also nicht auch beim Straßenkarneval heute und in den nächsten Tagen fröhlich sein; tanzen, singen und musizieren, wenn es der Freude dient.

Darin war sich König David damals schon sicher: Die Freude am Leben und Gott gehören einfach zusammen.

Einen freudigen Tag wünscht Ihnen Kaplan Andreas Möhlig aus Würselen.

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