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Kirche in WDR 2 | 15.03.2017 | 05:55 Uhr

Streit

Autor: „Konkurrenz belebt das Geschäft.“ So heißt es. Das mag vielleicht in der Geschäftswelt Sinn machen. Aber in der Familie oder unter Freunden? Wer ist schöner? Wer ist reicher? Wer ist erfolgreicher? Die Frage steht ja oft im Raum, auch wenn wir sie gar nicht aussprechen. Aber wer sich auf diese Fragen einlässt, wer so denkt, der erzeugt schnell viel Leid und Streit.

Der Streit scheint irgendwie zum Menschen dazuzugehören. Auch die Bibel, ein Buch voller Geschichten über den Menschen, erzählt viel davon: Von den Brüdern Kain und Abel, die um die Anerkennung ihres Vaters kämpfen, solange bis der eine den anderen sogar erschlägt. Oder von Jakob und Esau, auch zwei Brüder, die heftig um das Erbe des Vaters eifern.

Aber es sind nicht nur Männer. Auch Frauen kommen vor, wie die Schwestern Maria und Martha. Jesus kommt bei ihnen zu Besuch und beide wollen auf ihre Art Jesus ganz nahe sein. Die eine macht ihm den Hausputz, wirkt mehr im Verborgenen, schafft den guten äußeren Rahmen. Während die andere genau das nicht tut und Jesus mit kostbarstem Öl die Füße wäscht. Beide wollen es Jesus möglichst recht machen. Wer macht es besser, ist die Frage. Und das gibt Ärger!

Auffällig ist bei fast allen Streitgeschichten der Bibel: Es sind Familiengeschichten. Ist das überraschend? Wohl kaum. Wo Menschen sich genau kennen, wissen sie eben auch genau, wo die Schwächen und Stärken des anderen liegen und wie man sich am besten wehtun und die anderen übertrumpfen kann.

Nun ist die Bibel auch ein Buch über Gott. Und da fällt auf: Gott steht beim Streit zwischen Menschen immer irgendwie auf beiden Seiten. Ich weiß nicht, wie er das macht, aber das ist ein wichtiger Hinweis: Keine Seite, keine Partei, keine Position hat vor Gott die einzige, die letzte Wahrheit.

Ich glaube: Neid, Missgunst und Konkurrenz verschärfen Konflikte und machen am Ende keinen glücklich. Mein Seelenheil, biblisch gesprochen, gewinne ich durch Gelassenheit und Lebensfreude. Also die Freude, die sich an dem freut, was man hat und nicht an dem, was man will.

Der Streit ist so menschlich, aber auch so zerstörerisch. Wie lässt er sich überwinden? Es ist diese Kunst zu verzichten, von der ich in der Bibel lese. Verzicht ist die Voraussetzung dafür, dass Menschen sich nicht von Streitigkeiten beherrschen lassen. Das ist nicht ein locker dahin gesprochenes „Der Klügere gibt eben nach“. Nein, das ist eine geistliche Tugend und die schöpft aus Weitsicht. Also die Sicht über den Konflikt in diesem Augenblick hinaus.

Diese gelassene Weitsicht wünsche ich mir viel öfter in meiner Familie, mit meiner Frau, meinen Kindern, meinen Eltern. Ich wünsche sie mir auch im Verhältnis zwischen den Kirchen und Religionen, die ja auch nicht davor gefeit sind zu fragen: Wer ist heiliger, wer ist näher bei Gott? Ich wünsche sie mir auch in der Politik und zwischen Staaten. „America first“, „Deutschland zuerst“ – ich kann damit nichts anfangen.

Gelassene Weitsicht: Ich wünsche sie mir überall dort, wo Menschen sich vergleichen und sich darüber bitter auseinander leben. Konkurrenz belebt das Geschäft. Mag sein. Gelassenheit aber belebt das Miteinander. Und das ist mir viel wichtiger.

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