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katholisch

Kirche in WDR 4 | 27.07.2016 | 08:55 Uhr

Taufberufung

Guten Morgen!

Manchmal braucht es Störungen, Anstöße von außen, um den Wert einer Sache wieder neu zu sehen.

Mir ist das so gegangen, als ich vor einigen Wochen den Hohen Dom in Paderborn betrat, der mir als Weihbischof sehr vertraut ist. Um das freistehende Weihwasserbecken, das hinten in der Kirche aufgestellt ist, waren nämlich leuchtend blaue Streifen auf den Boden geklebt. Zunächst störten sie mich, aber sie machten mich auch neugierig und so trat ich näher. Ich bin sicher, dass gerade in dieser Woche des Liborifestes, wo Zehntausende in den Dom kommen, das vielen anderen Besuchern auch so ergehen wird. Auf den Streifen stand etwas gedruckt: „Ich bin getauft. Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.“

Mir war der Zusammenhang aber sofort klar, der hier hergestellt wird und durch die blauen Streifen mit dem Text nochmals eigens hervorgehoben wird: Am Eingang des Domes steht das Symbol für die Taufe, also für den Eintritt in die Gemeinschaft der Glaubenden. Jeder, der hier eintritt, stolpert förmlich über diesen Hinweis auf das Sakrament der Taufe. Es ist ja das heilige Zeichen, das alle Christen eint, über jede Konfessionsgrenze hinweg. Es ist das, was Christen das Eingangssakrament nennen, sprich: Die Feier, durch die ein Mensch in die Gemeinschaft der Kirche hineinfindet und hineingenommen wird.

Mit der Taufe beginnt das Leben als Christ. Es ist gut, sich das selbst immer mal wieder bewusst zu machen. Manchmal braucht es dazu solche Störungen, solche Anstöße wie zum Beispiel das aufgeklebte blaue Band am Weihwasserbecken, über das ich buchstäblich gestolpert bin. Aber was heißt das nun konkret: Ich bin getauft?

Zunächst einmal, dass Gott die Menschen durch die Taufe explizit zu seinen Kindern macht. Und das hat Konsequenzen: Sie sollen dadurch nämlich alle zu Schwestern und Brüdern werden. Das klingt abgehoben und fromm, ist aber eigentlich eine wunderbare Botschaft. Die Idee Gottes dabei ist die: Jeder Mensch ist ihm so wichtig, dass er geradezu familiäre Beziehungen zu uns Menschen aufnimmt, zu jedem und jeder, indem er selbst Mensch wird, in Jesus Christus durch den Heiligen Geist. Und genau in dem Namen von Vater, Sohn und Heiligem Geist wird das Sakrament der Taufe gespendet, wird sozusagen ein Bund geschlossen zwischen Gott und jedem Getauften. Und das auf Dauer. Denn die Taufe schenkt etwas, was nichts und niemand wegnehmen oder auslöschen kann. Schließlich, so die Überzeugung der Christen: Diese Taufe eröffnet einen Weg, der zu einem unvergänglichen, ewigen Leben führt.

Es scheint mir oft so, als sei dieses Verständnis den meisten Getauften in unseren Breiten verloren gegangen, auch wenn äußerlich noch vom Christentum gesprochen wird und seine Werte für das Abendland betont werden. „Tun-wir-so-als-ob-Christen“ hat jemand dieses Phänomen einmal genannt. Je nach Umfeld gehören christliche Bräuche und Rituale noch irgendwie zum öffentlichen Leben dazu. Aber ihren eigentlichen Inhalt, ihre Bedeutung, die sind nicht mehr bewusst. Viele Zeitgenossen genießen noch die Vorzüge an christlichen Feiertagen frei zu haben und nicht arbeiten zu müssen, aber sie wissen kaum noch was Ostern, Pfingsten, Christi Himmelfahrt oder Fronleichnam und Allerheiligen bedeuten. Kein Wunder, dass Außenstehende und Gläubige anderer Religionen aus ihren Beobachtungen ableiten, der christliche Glaube sei bei uns eine hohle, eine absterbende Religion.

Die kleine Installation mit dem Denkanstoß am Weihwasserbecken im Eingang des Paderborner Domes, möchte dagegen ein Zeichen setzten. Sie möchte Menschen – gerade die vielen Besucher, die in diesen Tagen nach Paderborn kommen – förmlich darüber stolpern lassen, dass es die Taufe gibt. Und wer weiß, vielleicht fragt sich die eine oder der andere auch, was es mit der Taufe wohl alles noch so auf sich hat. Mancher, der dann seinen Finger in das Becken taucht und das Kreuzzeichen macht, wird es dank dieser kleinen blauen Balken bewusster tun. Wenn das geschieht, dann haben sie tatsächlich schon wesentlich ihren Zweck erfüllt. Sie sind Denkanstoß, dass es sich lohnt, sich mit dem Glauben auseinanderzusetzen, nach Gott zu fragen und sich von ihm finden zu lassen.

Aus Paderborn grüßt Sie Weihbischof Matthias König.

Copyright: pdp - Erzbistum Paderborn

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