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Kirche in WDR 2 | 13.07.2018 | 05:55 Uhr

Toleranz?!

Es gibt ein Gleichnis in der Bibel, das Tausende Menschenleben gerettet hat: Das Unkraut-Weizen-Gleichnis. Da ermahnt Jesus seine Jünger, dass Gott erst am Ende der Zeiten das Unkraut vom Weizen trennen werde und dass man nicht schon hier auf der Erde schlimme Menschen ausreißen solle. 1000 Jahre lang haben die Christen das immer so verstanden, dass man Ketzer, also Glaubensabweichler, nicht töten durfte. 1000 Jahre lang haben die Christen keine Ketzer getötet. Wussten Sie das? Nur ein einziges Mal, im Jahre 385 wurde in Trier auf Drängen des Kaisers ein Ketzer nach Beschluss einer Bischofssynode getötet. Der heilige Ambrosius von Mailand eilte eigens zu Fuß von Mailand nach Trier, um das zu verhindern, und das zieht sich. Auch der berühmte heilige Martin ging ebenso zu Fuß von Tours bis nach Trier. Aber die beiden großen Heiligen hatten keinen Erfolg. Der Ketzer Priszillian starb in den Flammen. Daraufhin wurden alle Bischöfe, die an der Entscheidung beteiligt waren vom Papst exkommuniziert. Das war ein Paukenschlag. Jahrhundertelang wurde nie mehr ein Ketzer getötet. Wussten Sie das?

Ich wusste das nicht, obwohl ich 5 Jahre lang Theologie studiert hatte. Erstmals las ich das in dem berühmten Werk „Toleranz und Gewalt. Das Christentum zwischen Bibel und Schwert“ von Arnold Angenendt. Und da gab es noch ganz viel anderes, was ich überhaupt nicht wusste. Dieses Buch ist aber 800 Seiten dick und hat 3000 Anmerkungen. Deswegen habe ich mich jahrelang bemüht, einen Verlag dazu zu bringen, eine Kurzfassung davon herauszugeben, weil die Krise unserer Gesellschaft sicher auch daran liegt, dass die christlichen Wurzeln unserer Werteordnung weitgehend unbekannt sind. Denn es gibt offenbar einige Mythen über das Christentum, die manchen Menschen ebenso lieb geworden sind, wie früher die mythologischen Geschichten vom heiligen Christophorus den Christen. Deswegen ist Aufklärung erforderlich, vielleicht sogar eine Entmythologisierung des Atheismus.

Man muss schlicht wissen, dass das Christentum die einzige größere Religion ist, die in den ersten 1000 Jahren ihres Bestehens eben keine Ketzer tötete. Und deswegen ist es ein doppelter Skandal, dass im Jahre 1022 der König von Frankreich in Orleans das Domkapitel wegen Ketzerei verbrennen ließ. Und bald darauf geschah so etwas auch in Deutschland. Wie alle anderen Religionen töteten jetzt auch Christen Ketzer. Doch wenigstens mit schlechtem Gewissen. Immer wieder gab es nämlich Bischöfe und Theologen, die im Namen des Unkraut-Weizen-Gleichnisses dagegen Protest erhoben. Denn Ketzertötungen waren nicht nur unmenschlich, sondern auch unchristlich. Das sehen wir heute wieder genauso, wie die Christen das im ersten Jahrtausend gesehen hatten. So etwas muss man wissen, nicht nur als Christ, sondern auch als Atheist. Die Befassung mit der Geschichte des Christentums ist eine Befassung mit den Quellen des christlichen Glaubens und erst wenn man diese Quellen wieder freilegt, können auch die christlichen Wurzeln unserer Gesellschaft neue Kraft gewinnen.

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