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katholisch

Kirche in WDR 3 | 15.06.2017 | 07:50 Uhr

„Tränen waren mein Brot“

Guten Morgen!

Heute ist das Fronleichnamsfest. Die Katholischen Christen tragen heute ein Stück Brot durch Welt. Und die Botschaft dieses Festes für mich lautet: „So ist Gott: ein nährender Gott für alle Arten von Hunger, mit dem wir Menschen uns abmühen und oft genug auch herumquälen müssen.“

Als Pfarrer im Krankenhaus wurde ich am Fronleichnamstag oft gefragt: „Na, gehen Sie auch gleich zur Prozession?“ Und meine Standardantwort war immer dieselbe. „Ach, wissen Sie, im Krankenhaus habe ich jeden Tag Fronleichnam.“

Wenn auch in ganz anderer Weise. Und davon möchte ich jetzt erzählen. Da saß eine junge Mutter in der Ambulanz und weinte und weinte und weinte. Nie habe ich einen Menschen so weinen sehen.

Einer von den ganz großen Lastwagen auf der Autobahn hatte ihr Auto regelrecht von der Bahn gefegt und es war die Böschung heruntergestürzt. Ihre zwei kleinen Kinder, die hinten saßen, waren sofort tot. Sie allein hatte überlebt. Als Seelsorger wurde ich schon von der Unfallstelle in die Ambulanz bestellt. Die Kinder waren schon im Sarg. Es war allein die überlebende Mutter, die jetzt meinen Beistand brauchte.

Da begegnete ich einer jungen Frau, die völlig in ihren Tränen aufgelöst war. Gespräch war überhaupt nicht möglich. Was ich praktisch tun konnte? Mineralwasser besorgen, damit sie trinken, damit sie weiter weinen konnte. So verging Stunde um Stunde ohne Worte, nur Weinen.

Die Polizei suchte den Vater der beiden umgekommenen Kinder. Die Ehe der Eltern war geschieden. Und es brauchte Stunden bis er gefunden war und kam. Es war in meinem Büro. Unvergesslich ist mir dieser Augenblick, in dem zwei Menschen, deren Ehe zerbrochen war, nun ein zweites Mal gemeinsam vor einem Scherbenhaufen ihres Lebens standen. Sie mussten den Tod ihrer beiden Kinder beklagen und gleichzeitig brauchte einer den Trost des anderen.

Alles geschah fast ohne Worte. Hier habe ich auf ungewöhnliche Weise erlebt, was Kommunion ist. Es war ja kein Brot, das die Verbindung aufrechterhalten hatte. Es war das Wasser, es war Mineralwasser, damit sie weinen konnte und damit sie weinend diese bitteren Stunden durchstehen konnte, bis der Vater ihrer Kinder gefunden war. Es gab kein anderes Symbol, das den Sinn meiner Gegenwart hätte deutlicher zum Ausdruck bringen können als das Wasser.

Nach Stunden gingen die beiden. Ich blieb zurück und fragte mich: Was ist das für ein Tag? Was ist das für eine Situation? Wo bin ich da hineingeraten?

Rückblickend könnte ich sagen: es war ein Fronleichnamstag anderer Art. Vielleicht hilft der Psalmvers zu verstehen, was ich meine (Ps 42,4): „Tränen waren mein Brot bei Tag und bei Nacht.“ Ich habe auf ungewöhnliche Weise erlebt, was Kommunion bedeutet.

Lange Zeit später, als es wieder still werden konnte um dieses schreckliche Ereignis hat mir die Mutter einen Brief geschrieben. Erst da habe ich erfahren, wie wichtig es für sie war, in den schlimmsten Stunden ihres Lebens nicht allein sein zu müssen. Sie wollte jetzt für Menschen da ein, die etwas Ähnliches durchmachen müssen wie sie.

Für heute wünsche ich Ihnen, dass Sie leben lässt, was andere Ihnen schenken. Es grüßt Sie aus Köln Pfarrer Friedhelm Mensebach

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