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Kirche in WDR 2 | 21.02.2017 | 05:55 Uhr

Typografie des Pendlers

Wenn Sie auch mit der Bahn zur Arbeit fahren, kennen Sie diese Leute: die typischen Pendler. Da ist zum einen die Lautfrühstückerin. Sie setzt sich und holt als erstes ihre Butterbrote und ihren Kaffee raus. Laut. Sie knistert mit Tüten und Papieren. Sie guckt. Sie schnauft. Sie kaut sehr laut. Gern auch Zwiebeln oder Leberwurst - jedenfalls gut riechbar. Ihren Kaffee bringt sie von zu Hause mit - in einem witzigen Spruchbecher.

Mein zweiter Liebling ist der Zeitungsleser. Er braucht Platz. Er breitet seine Arme wie die Schwingen eines Adlers aus. Er guckt möglichst konzentriert und zeigt: je größer die Zeitung, desto intellektueller. Die ausgelesene Zeitung lässt er auch schon mal - großzügig, wie er denkt - für weitere Fahrgäste liegen.

Der Zeitungsleser ist allerdings nichts gegen den Drängler. Er drängelt sich rein, er drängelt sich raus. Egal ob die Haltestelle die Endhaltestelle ist, oder ob man noch zehn Minuten Zeit hat, bis der Zug hält. Der Drängler drängelt, immer. Der Drängler lebt vornehmlich in Regionalzügen und ist ein Freund der nächsten Fraktion:

Die Musikhörer. Lammfromm gucken diese Pendler, stellen auf ihrem iPod oder ihrem Handy ihre Lieblingsmusik ein – gern mit viel Bass – und schließen genüsslich die Augen. Die Nachbarn beginnen Stück für Stück die Augen zu verdrehen. Der Genuss des einen ist der Stress des andern.

Ein Pendler-Exemplar, das ähnlich nervt, ist der „Nachrichtler“. Er nutzt durchgängig die Diktierfunktion seines Handys und versendet gefühlt schon morgens um sieben alle Sprachnachrichten des Tages – und zwar nacheinander an alle seine Freunde.

Analog, aber trotzdem laut, sind die Quatscher. Das Problem: sie kommen nicht allein. Sie blockieren Vierersitze. Kaffees raus, Zeitung oder Handy auf den Schoß. Und los geht's: Nein, nicht lesen. Quatschen. Über Fußball. Politik. Den Stau auf dem Weg zum Bahnhof. Sie kommentieren jede Durchsage und lachen über die Schaffnerin.

Es gibt noch viele weitere Pendlertypen: die unauffällige Romanleserin, den Facebook-Timeline-Checker, die parfümierte Schminkerin, den Nach-Rauch-Stinker, die Selfiemacherin, den Schweiger, alle gibt es in allen Kombinationen und alle gibt es bei Frauen und Männern. Und jeder von uns kann seine Rolle wechseln.

Ich pendle auch. Welcher Typ ich bin?

Die genervte Beterin. Jeden Morgen bete ich das Morgengebet im Zug. Ich werde dabei oft abgelenkt und gucke, höre, rieche mir stattdessen die anderen Pendler an. Am Ende des genervten Gebets sag ich mir immer eins: Gott liebt jeden Menschen - auch beim Pendeln.

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