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katholisch

Kirche in WDR 5 | 14.06.2017 | 06:55 Uhr

Umkehr zum Leben

Guten Morgen!

Er wollte unbedingt mit einem Seelsorger sprechen. Der Arzt hatte ihm mitgeteilt, dass es ein schwerer Herzinfarkt war. „So grade noch dem Tod von der Schüppe gesprungen“ wie man so sagt. Er war 39 Jahre alt und konnte sich keinen Reim darauf machen, wie das passieren konnte.

Ich schlug ihm vor: „Erzählen Sie doch mal, wie Sie so leben.“ Und er fing an: Er habe einen tollen Job bei einer großen Autofirma, wo er richtig viel Geld verdiene. Er habe eine phantastische Frau und zwei tolle Kinder. Ein schönes Haus habe er gebaut, zwei Autos in der Garage und zweimal jährlich führen sie in Urlaub.

Dann bat ich den Patienten, einmal zu erzählen, wie ein normaler Tag für ihn abläuft. Das ging so: ab 5h30 alles im Minutentakt, was er für sich selbst und seine Familie bewältigen müsse. Es klappe hervorragend. Ab 8h30 ein engmaschiges Netz von Anforderungen der Geschäftsleitung, Kundenbetreuung, Entscheidungen, Vertragsabschlüssen, die natürlich erfolgreich sein müssen. Ein Vorgang nach dem anderen und so gehe das den ganzen Tag, bei dem es überhaupt nicht langweilig werde. Er erzählte das alles in einem Tempo, dass ich mir das Hamsterrad gleich mitvorstellen konnte, in dem er sich drehte.

„Merken sie was?“, fragte ich. „Ja, was denn?“, antwortete er. „Ich habe den Eindruck“, sagte ich, „dass Sie das alles gar nicht verarbeiten können, was da von morgens bis abends auf Sie einbricht.“ Er wurde still und nachdenklich, als hätte er das noch nie gehört. Und nun sprachen wir darüber, wie alles, was passiert, irgendwas mit uns macht, wie es sich einen Platz in Leib und Seele erobert und auch unsere Energien auffrisst, bis irgendwann Schluss ist.

„Das Leben als Haifischbecken und ich mitten drin“, könnte überschreiben, was der junge herzkranke Mann mir erzählte. Da hat man ja kaum Zeit zum Luftholen. Kein Wunder dass es zu einem Infarkt gekommen ist.

Wenn er weiter leben wollte, musste er dieses Leben ändern und seinen persönlichen Rhythmus herausfinden. Und unser eigener Atem dürfte da unser zuverlässigster Lehrer sein: einatmen und ausatmen, will sagen: nehmen und geben im Wechsel und zwischen drin eine Pause.

Jesus nannte einst die Menschen in dieser Verfassung die Mühseligen und Beladenen. Heute sind es die Gehetzten und die, die sich selber hetzen. Jesus rief sie (vgl. Mt 11,28): „Her zu mir, wo ihr Ruhe finden könnt für eure Seele.“ Im Krankenhaus von heute rufe ich darum als Seelsorger solchen Menschen in Erinnerung dass es im Leben um mehr gehen muss als ums Geld verdienen.

„Wir leben nicht allein vom Brot, wir sterben nicht allein am Tod, allein schon, dass wir essen können, wirst Du, Herr, noch nicht Leben nennen.“ So sagt es ein geistliches Lied unserer Zeit.

Für heute wünsche ich Ihnen, dass Sie genug Zeit und Raum und Atem haben für alles, was in Ihnen leben will. Aus Köln grüßt Sie Pfarrer Friedhelm Mensebach

* M. Ohly, zitiert nach: http://www.carstenh.qipc.org/Music/brot.pdf; abgerufen am 16.05.2017

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