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katholisch

Hörmal | 15.06.2017 | 07:45 Uhr

Unangepasster Feiertag?

Fronleichnam ein gesetzlicher Feiertag? Na, selbstverständlich, könnten Sie jetzt sagen. Hier in NRW ist das ja so. Am Grunde ist das aber höchst bemerkenswert: Der Gesetzgeber gibt allen frei, damit die Katholiken heute an Fronleichnam auf die Straßen gehen können.

Und wenn ich mir die schwindenden Teilnehmerzahlen anschaue, frage ich mich, ob das so noch selbstverständlich ist, dass die Katholiken dafür vom Staat frei bekommen. Ok. Als katholischer Christ sollte ich vielleicht anders reden – aber ich habe mich das einmal gefragt. Immerhin ist das ein riesengroßes Privileg: keine andere Religion besitzt so das hierzulande. Auch keine andere politische oder weltanschauliche Gruppe: Ein freier Tag, um auf die Straße zu gehen.

Katholiken nennen das „auf die Straße gehen“ Prozession. Mit Fahnen, Blaskapellen, Messdienern, Priestern in festlichen Gewändern, ganz viel Weihrauch, und, natürlich, mit der Monstranz, dem goldenen Gefäß, in dem ein Stück Brot gezeigt wird, der „Leib Christi“ – denn darum geht es den Katholiken bei ihren Prozessionen. Im Grunde ist das nichts anderes als eine öffentliche Demonstration. Eine Bekenntnisveranstaltung.

In Zeiten, als die Katholiken hierzulande eine Minderheit waren, war Fronleichnam öfter mal ein öffentliches Zeichen gegen alle Anpassungsbewegungen. In der Nazi-Zeit predigten Bischöfe an Fronleichnam öffentlich gegen den Führerkult. In Münster wetterte Bischof von Galen gegen Euthanasie. Fronleichnam war zwar in erster Linie kein politisches Fest, aber sehr wohl ein Überzeugungsfest! Und im Grunde auch ein wenig unangepasst.

Die allererste Fronleichnamsprozession fand 1277 in Köln statt. Und vor genau 700 Jahren, im Jahr 1317 wurde das Fest durch den Papst an diesem Datum weltweit eingeführt, dem zweiten Donnerstag nach Pfingsten. Die Katholiken feiern da bis heute ihre Überzeugung, dass im gewandelten Abendmahlsbrot tatsächlich Jesus Christus anwesend ist. Das ist natürlich eine spezielle katholische Überzeugung. Martin Luther nannte es dagegen das „allerschändlichste Jahresfest“. Kurz: Wenn man so will, liegt auf eine gewisse Art in dem Fest sehr viel Unangepasstes: Angefangen von der Vorstellung Brot ist Leib Christi bis hin zur Folklore der Prozessionen.

Nun – ich muss zugeben. Das Unangepasste haben selbst die meisten Katholiken nicht im Sinn, wenn sie an Fronleichnam denken. Die meisten denken eher an Gleichförmigkeit: Prozessionsaufstellung mit Ehrengarden und Kommunionkindern, Blaskapellen, die feste Liedfolgen spielen.

Alles Selbstverständlichkeiten – für einen immer kleineren Kreis. Und dafür einen extra Feiertag? Da scheint etwas aus dem Blick geraten zu sein.

*Bildrechte:„© Superbass / CC-BY-SA-4.0 (via Wikimedia Commons)“

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:2016-05-26-Fronleichnam_K%C3%B6ln_2016-5140.jpg

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