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katholisch

Kirche in WDR 2 | 14.02.2014 | 05:55 Uhr

Valentin, die Kirche und die Liebe

Blumen, Schmuck, ein Liebesschloss – haben Sie schon das Geschenk bereit für den heutigen Tag? Der Valentinstag ist ja der Festtag der Liebenden. Und wenn auch die Blumenindustrie da mächtig mitgewirkt hat, kann doch die katholische Kirche für sich reklamieren, den dazugehörigen Botschafter ins Spiel gebracht zu haben. Der Heilige Valentin von Terni, dessen Gedenktag heute ist, gilt als der Beschützer der Verliebten. Die Legenden berichten, dass dieser Bischof, der vor 1700 Jahren lebte, immer wieder Paare heimlich getraut haben soll. Dabei soll er den Frischvermählten auch Blumen aus seinem Garten geschenkt haben. Die Ehen, die von ihm geschlossen wurden, sollen unter einem guten Stern gestanden haben.

In diesen Tagen ist es ja mit der Ehe und der katholischen Kirche so eine Sache. „Der Papst und der verdammte Sex“ hat der „Spiegel“ Ende Januar getitelt. Dabei ging es um die Umfrage, die der Vatikan im Spätherbst an alle Bistümer in der Welt verschickt hatte. Zur Vorbereitung für eine große Bischofstagung in Rom wollte der Papst wissen, wie es die Katholiken halten mit Ehe, Familie und der katholischen Morallehre dazu. Und diese Umfrage hat hierzulande eine, wie ich finde, faszinierende Dynamik entwickelt. Obwohl die Fragen kompliziert waren, obwohl der Einsendeschluss knapp gesetzt war, haben sich mehrere Tausende Gläubige an der Umfrage beteiligt. Eine Umfrage, wie sie zuvor noch nicht stattgefunden hatte in der Kirche. Ein neuer Wind. Und was Rom durch die Umfrage erhielt, ist ein realistisches Bild: Selbst treue Katholiken halten die Lehren der Kirche zu Ehe, Familie und Sexualität oft für nicht mehr zeitgemäß. Zu wenig Barmherzigkeit und zu wenig Kenntnis der eigentlichen Bedürfnisse der Menschen seien da zu spüren. Ein ungeschönter Blick in den Spiegel. Und es ist gut und richtig, dass die katholische Kirche da jetzt genauer hinschaut.

Dennoch wäre es jetzt ein Kurzschluss, wenn man denkt: „Anything goes“ ist das heutige Dogma in Sachen Liebe. Denn es gibt nach wie vor beim Großteil der Menschen tiefe Sehnsüchte nach verlässlichem Zusammenleben, nach echter Liebe. Und der Wert der Familie nimmt gerade bei jüngeren Menschen nicht ab, er steigt wieder. Besonders bewusst ist mir das geworden bei einem neuen Fernsehformat, das die katholische und evangelische Kirche in diesem Monat auf den Weg gebracht hat. „Freisprecher“ heißt das und ist auf dem ARD-Sender „EinsPlus“ zu sehen. Für eine junge Zielgruppe werden hier Menschen zu den großen Fragen des Lebens befragt. Und am ersten Märzwochenende wird da eine Straßenumfrage zum Thema „Treue“ zu sehen sein. Die fand ausgerechnet auf der Reeperbahn statt. Mitten im Rotlichtgewimmel erzählen junge Leute von ihren Erfahrungen mit Treue und Untreue. Wie sie daran auch scheitern und wie sie sich einen Partner wünschen, der ihnen treu ist. Ein Punk sagt „Sex ist Sex, mein Gott. Aber für jemanden da zu sein, das ist Treue für mich“. Die Menschen aus der Umfrage der Sendung „Freisprecher“ sagen mir: Treue ist nach wie vor wichtig. Menschen orientieren sich selbst auf der „sündigsten Meile der Republik“ an diesem Wert. Sie wollen, dass ihre Beziehung unter einem guten Stern steht. Aber die Definitionen von Treue sind heute differenzierter geworden. Und wenn die Kirche es schafft, da genauer hinzuhören, z.B. durch einen Dialogprozess wie ihn das Bistum Essen gemacht hat, dann ist sie schon einen großen Schritt weiter. Wichtig ist mir dabei die Frage: Wie geht die Kirche mit den Menschen um, die an dem Idealbild der Treue scheitern, dass sie selbst in sich tragen.

Ich wünsche mir, dass die Kirche trotz des Scheiterns der Menschen in Treue und Liebe weiterhin von einem Gott erzählt, der die Menschen liebt und der ihnen treu ist. Vielleicht lässt sich ja in der Liebe zwischen Menschen etwas von der Liebe und Treue Gottes zu den Menschen finden – auf eine Weise, die es wert ist, genauer hinzuschauen.

Dass Ihre Liebe und Beziehung unter einem guten Stern steht, wie auch immer Sie diese leben, das wünsche ich Ihnen am heutigen Valentinstag. Und wenn Sie noch keine Blumen haben, dann wird’s langsam Zeit, diese zu kaufen.

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