Beiträge auf WDR2  

katholisch

Hörmal | 13.08.2017 | 07:45 Uhr

Mauerbau

Heute vor genau 56 Jahren wurde die Berliner Mauer errichtet. Walter Ulbricht hatte in der Nacht zuvor den Befehl dazu gegeben. Und am frühen Morgen begannen Grenzpolizisten der DDR, Barrikaden zu errichten, zunächst aus Asphaltstücken und Pflastersteinen. Betonpfähle wurden in den Boden gerammt und Stacheldrahtverhaue gezogen. Wenige Tage später haben dann die Soldaten den Stacheldraht durch eine Mauer ersetzt. Die Menschen zwischen West- und Ostberlin waren nun endgültig getrennt. Der letzte offene Fluchtweg in den Westen war versperrt.

Das geteilte Berlin war ein Bild für ein geteiltes Land, eine geteilte Welt und den kalten Krieg.

Zum Glück ist das alles Geschichte. 28 Jahre nach dem Mauerbau fiel die Mauer, und Deutschland wurde wiedervereinigt. Der Fall der Mauer ist jetzt schon genau so lange her, wie der Zeitraum, in dem sie gestanden hat.

Damals – so erzählte mir ein Mitbruder aus meinem Kloster, der in der DDR großgeworden war – beschrieben Christen in der DDR ihre Freude über die Wende mit den Worten eines Psalmtextes, der an die Befreiung Israels aus Ägypten erinnert (Ps 126,1-3):

„Als der Herr das Los der Gefangenschaft Zions wendete, da waren wir alle wie Träumende. Da war unser Mund voll Lachen und unsere Zunge voll Jubel. Da sagte man unter den andern Völkern: ‚Der Herr hat an ihnen Großes getan.‘

Ja, Großes hat der Herr an uns getan. Da waren wir fröhlich.“

Keine Frage, dass das wie eine Erlösung klingt: Allein an der Berliner Mauer sind 136 Menschen bei der Flucht getötet worden.

Mauern zu errichten, um unschuldige Menschen in ihrer Freiheit einzuschränken, ist bis heute ein Skandal. Allerdings stehen immer noch solche Mauern: Zwischen Israel und dem Westjordanland, zwischen Mexiko und den USA, zwischen einem katholischen und einem evangelischen Stadtteil in Belfast, zwischen Nord- und Südkorea. Und immer spielt Angst eine Rolle: Angst, dass Menschen fliehen, wie damals in der DDR, Angst, dass unzählige Menschen einwandern, wie die vielen Flüchtlinge, Angst, dass illegale Einwanderer Terror mit sich bringen.

Aber hilft es gegen diese Angst, Mauern zu errichten? Mauern können letztlich nicht vor Angst schützen.

Vor einigen Monaten hat der Hamburger Künstler Detlef Lemme eine Bilderserie gestaltet mit dem Titel: „Laying Wall of Trust“, eine „Mauer des Vertrauens legen“, als Ergebnis seines Nachdenkens über die Mauer zwischen den USA und Mexiko. Er selbst hatte in Westberlin während seiner Studienzeit die Realität der Berliner Mauer jeden Tag erlebt und schlägt vor, „die Mauer hinzulegen, um ein Zeichen zu setzen für Frieden und nachbarschaftliche Beziehungen.“

Das klingt vielleicht sehr naiv, aber Detlef Lemme hat Recht, wenn er sagt: „Wenn wir miteinander klarkommen wollen, müssen wir dem anderen einen Vertrauensvorschuss geben.“ Und das ist immer besser, als Mauern zu bauen.

Bildrechte: Detlef Lemme, Hamburg Laying Wall Of Trust

* Zitiert nach: https://www.farbenkugel.de/laying-wall-of-trust/#comments, abgerufen am 06.08.2017, 19:00 Uhr.

** Zitiert nach: http://www.zeit.de/wirtschaft/2017-03/mauer-mexiko-usa-donald-trump-sicherheit-baufirmen-risiko/komplettansicht#!top-of-overscroll, abgerufen am 06.08.2017, 19:00 Uhr.

katholisch
Abspielen (titel)
evangelisch
Abspielen (titel)
evangelisch
Abspielen (titel)
evangelisch
Abspielen (titel)
evangelisch
Abspielen (titel)
evangelisch
Abspielen (titel)
evangelisch
Abspielen (titel)
katholisch
Abspielen (titel)
katholisch
Abspielen (titel)
katholisch
Abspielen (titel)
katholisch
Abspielen (titel)
katholisch
Abspielen (titel)
katholisch
Abspielen (titel)
katholisch
Abspielen (titel)
evangelisch
Abspielen (titel)
evangelisch
Abspielen (titel)
evangelisch
Abspielen (titel)
evangelisch
Abspielen (titel)
evangelisch
Abspielen (titel)
evangelisch
Abspielen (titel)
evangelisch
Abspielen (titel)
katholisch
Abspielen (titel)
katholisch
Abspielen (titel)
katholisch
Abspielen (titel)
katholisch
Abspielen (titel)
katholisch
Abspielen (titel)
katholisch
Abspielen (titel)