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katholisch

Hörmal | 06.08.2017 | 07:45 Uhr

Verklärung des Herrn

„Werd ich zum Augenblicke sagen:

Verweile doch! du bist so schön!

Dann magst du mich in Fesseln schlagen,

Dann will ich gern zugrunde gehn!“

Was haben wir damals im Deutschunterricht über Goethes Faust diskutiert, der Tragödie erster Teil. Faust wettet mit Mephistopheles und setzt sein Leben als Pfand ein, sollte ihn einmal ein solches Glück überkommen, dass er es festhalten will.

Und wir Pennäler haben uns gefragt: Gibt es so ein Glück überhaupt? Oder gibt es nur die ständige Suche nach diesem Glück? Und kann man es festhalten? So unsere Fragen damals – Fragen, die ja zeitlos sind.

Apropos Zeitlosigkeit: „Verweile doch! du bist so schön!“ Der Ausruf könnte auch vom Apostel Petrus stammen. Von ihm wird nämlich heute aus der Bibel berichtet, am Fest der „Verklärung des Herrn“. Petrus wird mit zwei weiteren Aposteln Zeuge eines eigenartigen Geschehens auf einem Berg. Der Evangelist Matthäus schildert das so: (Mt 17,2f.):

„Jesus wurde vor ihren Augen verwandelt; sein Gesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden weiß wie das Licht. Da erschienen plötzlich vor ihren Augen Mose und Elija und redeten mit Jesus.“

Petrus ist so überwältigt von dem Lichtereignis der Verklärung Jesu, dass er nichts anderes herausbringt als (Mt 17,4):

„Herr, es ist gut, dass wir hier sind. Wenn du willst, werde ich hier drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elija.“

Für mich klingt das so, als ob Petrus einen solch glücklichen Augenblick erlebt, dass der ihn unbedingt festhalten will: „Verweile doch! du bist so schön!“

Auf den Vorschlag des Petrus gibt es keine Reaktion, weder von Elija oder von Mose noch von Jesus selbst. Außer Petrus ist offenbar allen Beteiligten klar: Die überwältigenden Ereignisse im Leben, die kannst du nicht festhalten. Denn es gehört zu den außerordentlichen Glückserfahrungen, dass sie immer nur Momente sind, kurze Augenblicke, weil im Leben nichts stehenbleibt. Das Leben geht immer weiter und wandelt sich. So gesehen, kann ich gar nichts festhalten. Das ist die eine Erkenntnis.

Die andere Erkenntnis aber ist die: Ja, es gibt schöne Augenblicke, Glücksmomente, die ich festzuhalten möchte – aber das geht eben nicht.

Übrigens im Lateinischen heißt das Fest der „Verklärung des Herrn“: „Transfiguratio Domini“, „Verwandlung des Herrn“. Ich beziehe das jetzt mal nicht nur darauf, dass Jesus sein Aussehen auf dem Berg verändert hat, sondern auf den Wandel des Lebens überhaupt: „Alles fließt“, sagt schon der griechische Philosoph Heraklit.

Was aber bleibt dann, wenn alles fließt und sich wandelt? Auf jeden Fall die Erinnerung an den schönen Augenblick. Die Suche nach vielen weiteren schönen Augenblicken in meinem Leben, die es verdienen, festgehalten zu werden. Und – das sage ich als Christ – die Hoffnung, dass sich alles einmal zum Guten wandeln wird.

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